Bestattungshilfe Wuscher setzt neues digitales Abmeldesystem ein

Eberbach 11/2017 - Die digitale Formalitätenerledigung entlastet durch mehr Sicherheit und Kontrolle. Mit der Einführung des digitalen Abmeldesystems, einer bereits mehrfach ausgezeichneten Entwicklung des deutschen IT-Unternehmens Columba, bietet die Bestattungshilfe Wuscher Angehörigen und Hinterbliebenen ab sofort noch bessere Hilfe bei der Erledigung wichtiger Formalitäten. Neben Abmeldungen bei Institutionen, Organisationen und Unternehmen, kann dabei auch der Digitale Nachlass eines Verstorbenen einfach und sicher geregelt werden.

 

Abmeldungen bei Behörden, Organisationen und Unternehmen

Eine fortlaufend aktualisierte Datenbank gewährleistet, dass Abmeldungen an beliebige Empfänger gerichtet werden können und diese sicher erreichen. Das gilt für gängige Adressaten wie beispielsweise Krankenkassen und Versicherungen genauso wie für regionale Anbieter oder lokale Vereine. Auch Dienstleistungen oder Produkte wie z.B. Internet-, DSL- und Handyverträge können problemlos abgemeldet und damit zeitnah beendet werden. Das erspart den Erben diverse Unannehmlichkeiten und auch unnötig weiterlaufende Kosten, die sie ansonsten tragen müssen. Die erfolgreiche Zustellung aller getätigten Abmeldungen wird automatisch dokumentiert und den Kunden garantiert.

 

Regelung des Digitalen Nachlasses bei Webanbietern und Sozialen Netzwerken

Hat die verstorbene Person den Hinterbliebenen keine Dokumentation und keine Zugangsdaten für online abgeschlossene Verträge, Mitgliedschaften oder Nutzerkonten hinterlassen, hilft die datenschutzkonforme Ermittlung mit dem digitalen Abmeldesystem. Es erfolgt eine automatische Recherche bei ca. 200 führenden Webanbietern, die zusätzlich um individuelle Recherchen ergänzt werden kann. Ermittelte Verträge und Nutzerkonten können so wahlweise übertragen, gekündigt oder gelöscht werden. Auch bestehende Verbindlichkeiten können damit zeitnah aufgelöst werden, während entdeckte Guthaben zur Auszahlung an die rechtmäßigen Erben gebracht werden. Je nach Anbieter ist es möglich Profile in Sozialen Netzwerken löschen zu lassen oder in einen Gedenkzustand zu bringen.

 

Abmeldungen und Nachlassrecherchen auch selbständig online durchführen

Damit Hinterbliebene auch zu einem späteren Zeitpunkt noch notwendige Formalitäten erledigen können, stellt Ihnen die Bestattungshilfe Wuscher online das Formalitätenportal zur Verfügung. So kann beispielsweise im Rahmen einer Haushaltsauflösung die Abmeldung beim Energieversorger erfolgen ohne dass sich der Hinterbliebene mit entsprechenden Dokumenten neu ausweisen bzw. legitimieren müsste. Der passwortgeschützte Service befindet sich auf der Website www.formalitaetenportal.de oder auf www. bestattungshilfe -wuscher.de  mit Anmeldefenster zum Formalitätenportal und kann 12 Monate lang genutzt werden. So lassen sich bedarfsgerecht und unbegrenzt weitere Abmeldungen oder Vertragsrecherchen zum Digitalen Nachlass einfach selbständig durchführen.

Für weitere Fragen steht Ihnen Herr Gerd Wuscher von der Bestattungshilfe Wuscher  unter 06271-80 99 550 gerne zur Verfügung.

 

 

Umzugsverbot für Urnen

Totenaschen von Mutter und Ehemann bleiben zurück

 

Umzugsverbot für Urnen
In einem aktuell veröffentlichten Urteil hat das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen die Klage einer Frau zurückgewiesen, mit der sie die Umbettung der Urnen ihres Mannes und ihrer Mutter erreichen wollte. Durch ihren Antrag hatte die Klägerin den Friedhofsträger verpflichten wollen, eine Umbettungsgenehmigung zu erteilen, um die Urnen auf einen Friedhof an ihrem neuen Wohnort beizusetzen. Der dafür notwendige wichtige Grund lag laut Gericht jedoch nicht vor.

Die Klägerin hatte vor einigen Jahren zunächst ihre Mutter und dann ihren Ehemann jeweils in einem Urnenreihengrab an ihrem Wohnort beisetzen lassen. Schon einige Monate nach dem Tod ihres Mannes entschloss sie sich jedoch insbesondere aufgrund ihres Alters, an den Wohnort ihrer beiden Töchter zu ziehen. Infolgedessen beantragte sie beim Friedhofsträger, die Umbettung der Urnen zu genehmigen. Die Ablehnung des Antrages wurde durch das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen nun bestätigt:
Es könne zur Überzeugung des Gerichts nicht davon ausgegangen werden, dass die Umbettung die Würde der Verstorbenen besser wahren würde. Dazu hätte es ihrem Willen entsprechen müssen, auf einem Friedhof am neuen Wohnort der Klägerin und nicht auf dem kommunalen Friedhof der Beklagten bestattet zu werden. Ein dahingehender tatsächlicher oder mutmaßlicher Wille der Verstorbenen sei nicht feststellbar. Eine entsprechende schriftliche Willensbekundung, etwa in Gestalt einer letztwilligen Verfügung, existiere unstreitig nicht. Aber auch aus den sonstigen Umständen, insbesondere aus den Aussagen der Klägerin und den schriftlichen Erklärungen von Bekannten und Verwandten der Klägerin sei ein entsprechender ernstlicher Wille der Verstorbenen nicht feststellbar.

Die Klägerin habe gegenüber dem Gericht angegeben, mit ihrem Mann nicht konkret über das Thema Bestattung gesprochen zu haben, sodass dessen tatsächlicher Wille nicht ermittelbar sei.

Die Erklärungen der Klägerin selbst, ihrer Verwandten und Bekannten, beim Verstorbenen habe es sich um einen Familienmenschen gehandelt, in dessen Leben die Familie stets eine besondere Rolle gespielt habe, lasse den notwendigen Rückschluss auf den Willen des Verstorbenen nicht zu. Das Gericht könne diese Erklärungen als wahr unterstellen. Denn aus diesen sei nicht zu schlussfolgern, der Verstorbene habe erst nach seinem Tode eintretenden Veränderungen berücksichtigen lassen wollen. Insbesondere sei nicht ersichtlich, dass er die Familieneinheit stets und unbedingt auch dadurch habe fortsetzen wollen, dass er auf einen Friedhof in der Nähe des jeweilig später gewählten Wohnortes umgebettet würde. Tatsachen und Umstände, die den Wunsch belegen würden, auch im Wege der Umbettung "bei der Familie" bestattet zu bleiben, gebe es nicht.

Bei der Mutter fehle es, mit Ausnahme des Umstandes, dass fünf Jahre nach ihrem Tod die Klägerin als ihre einzige Tochter dorthin verzogen sei, an jeglichem Anhaltspunkt für einen Willen zur Bestattung an dem neuen Wohnort. Jedenfalls habe die Klägerin auch diesbezüglich bekundet, über eine mögliche Umbettung nie mit der Verstorbenen gesprochen zu haben. Insoweit sei mithin ebenfalls nicht ersichtlich, dass dem Willen der Verstorbenen mit der Umbettung besser gedient wäre als mit der Beibehaltung des – von der Verstorbenen zu Lebzeiten befürworteten – Status quo.

Mangels feststellbarem Willen der Verstorbenen könnte ausnahmsweise auch das mit der Würde der Verstorbenen abzuwägende Interesse der Totensorgeberechtigten einen wichtigen Grund darstellen. Dabei käme es unter Berücksichtigung aller sonstigen Umstände des Einzelfalles darauf an, ob die Gründe des Totenfürsorgeberechtigten für die Umbettung so gewichtig sind, dass die Achtung der Totenruhe zurücktreten müsse.

Bei dieser Abwägung verkenne das Gericht nicht die weite Entfernung zwischen altem und neuem Wohnort, die ganz zweifellos die von der Klägerin begehrten Grabbesuche im Wochentakt vereiteln würden. Es sei allerdings nicht ersichtlich, dass die Klägerin gar nicht mehr in der Lage wäre, die betroffenen Gräber zu besuchen.

Ein Umzug aufgrund veränderter Lebensumstände wie altersbedingter Gesundheitsverschlechterungen oder des – verständlichen – Wunsches, den Lebensabend bei den Kindern zu verbringen, stelle für sich genommen regelmäßig keinen wichtigen Grund für eine Umbettung dar. Anderenfalls würde der grundsätzlich und im Regelfall gebotene Schutz der Totenruhe weitgehend leer laufen. Denn es stelle sich nicht etwa als Ausnahmefall, sondern als gleichsam typisches Phänomen dar, dass ältere Menschen ihren bisherigen Wohnsitz aufgeben und entweder zu ihren Kindern oder sonstigen nahen Verwandten ziehen oder sich in eine Seniorenunterkunft begeben (müssen).

Aeternitas-Auffassung:
Die Auslegung der Gerichte zum wichtigen Grund, der sich vorliegend auch das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen anschließt, ist keineswegs zwingend. Eine Verletzung der postmortalen Würde stellt eine Umbettung nur dann dar, wenn sie auch dem (mutmaßlichen) Willen des Verstorbenen widerspricht. Schon in einer repräsentativen, bundesweiten Emnid-Umfrage Auftrag von Aeternitas aus dem Jahr 2010 hatten sich rund zwei Drittel dafür ausgesprochen, eine Urnenumbettung immer zuzulassen, wenn es die nächsten Angehörigen wünschen. Damit befürwortet also auch eine Mehrheit eine von den Angehörigen gewünschte Umbettung im Falle eines Umzuges. Es liegt bei einem Umzug nach Auffassung von Aeternitas regelmäßig im Interesse der Verstorbenen, dass Grabbesuche und Grabpflege einfacher und damit besser möglich sind. Ein Verbleib der Urne kann hingegen zu einer nicht gewünschten Vernachlässigung der Grabstätte führen. Dies würde den Interessen insbesondere der Verstorbenen aber auch von Friedhofsträgern und Angehörigen widersprechen. Selbstverständlich muss ein anderslautender Wille des Verstorbenen respektiert werden, doch sieht Aeternitas die Beweislast aufgrund der Wünsche der Bevölkerung eher umgekehrt. Mindestens sollte der Gesetzgeber für Urnen die Umbettung ausdrücklich erleichtern, um dem den Wandel zur mobilen Gesellschaft gerecht zu werden.

(Quelle: Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen vom 19.09.2017, Az.: 14 K 4013/16)
(Quelle: Aeternitas e.V.)
 
 

Symposium zur Wachsleichenproblematik

Wissenschaftler diskutieren am 14. November in Bonn 


Im Bonner Uniclub diskutieren Wissenschaftler am 14. November 2017 über den Umgang mit sterblichen Überresten von Menschen, die auch Jahrzehnte nach der Beisetzung noch kaum Verfallserscheinungen zeigen ("Wachsleichen"). Das Symposium der Universität Bonn greift dabei ethische, theologische, bodenkundliche und rechtliche Fragen auf.

Probleme mit sogenannten Wachsleichen haben in Deutschland zahlreiche Friedhöfe: Experten schätzen, dass es bundesweit auf 30 bis 40 Prozent der Friedhöfe zu Verwesungsstörungen kommt. Der Anteil könnte unter Umständen aber auch höher sein. Ursache sind häufig zu dichte oder zu feuchte Böden. Darin gelangt nicht ausreichend Sauerstoff an den Leichnam, der für den Zersetzungsprozess jedoch notwendig ist.

Weitere Informationen, auch zur Anmeldung, finden Sie auf der Webseite der Universität Bonn:

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

 

Friedhofsträger muss Neuwert eines Grabmals ersetzen

Grabmal wurde vor Ablauf der Grabnutzungszeit abgeräumt 

In einem kürzlich bekannt gewordenen Urteil vom 28.02.2017 hat das Landgericht Aachen einem Sohn und Eigentümer des Grabmals seines Vaters Schadenersatz in Höhe von 1.195 Euro zugesprochen. Die Friedhofsverwaltung hatte das Grabmal und weitere Gegenstände vom Grab entfernt, obwohl erst zwei Monate später die Grabnutzungszeit abgelaufen wäre. Das Landgericht bemaß die Höhe des Schadensersatzes am Wert eines neuen Grabmals, welches in Art und Güte dem Abgeräumten entspricht.

Außergerichtlich hatte der Friedhofsträger lediglich einen Betrag von 200 Euro angeboten. Er vertrat - wie nun auch vor Gericht - die These, dass das Grabmal zum Ende der Grabnutzung seinen Zweck erfüllt habe und der Zeitwert damit auf null Euro reduziert wäre. Dieser Rechtsansicht erteilte das Landgericht eine Absage:
Der Kläger sei so zu stellen, als hätte sich der beklagte Friedhofsträger pflichtgemäß verhalten. Maßgeblich sei, wie sich im Falle pflichtgemäßen Verhaltens, also einer Räumung des Grabes zum vereinbarten Zeitpunkt, die Vermögenslage des Klägers entwickelt hätte.

Dabei sei zu berücksichtigen, dass Granit, aus dem das streitgegenständliche Grabmal gefertigt war, ein langlebiges Material darstelle. Aufgrund seiner Materialeigenschaften sei er sehr unempfindlich. Bei der richtigen Pflege (insbesondere fachmännische Politur) könne er seinen Glanz lebenslang behalten. Darüber hinaus sei ein Grabmal aus Granit nicht auf einen Austausch wegen Verschleißes, insbesondere durch Verwitterung angelegt. Aus den Materialeigenschaften ergebe sich, dass der Wert des streitgegenständlichen Grabmals bei der Räumung nicht durch einen Abzug neu für alt (eine Art Vorteilsausgleich für den Erhalt eines höherwertigen neuen Gegenstandes anstelle eines alten) auf einen Zeitwert zu reduzieren sei. Die Langlebigkeit bzw. Haltbarkeit von Granit spreche vielmehr für einen unveränderten Wert, sodass durch eine Neuanschaffung keine Vermögensmehrung beim Kläger einträte.

Aus dem außerdem bestehenden Interesse des Klägers, das Grabmal im Gedenken an seinen Vater in seinem Garten zu platzieren, ergebe sich überdies, dass es mit Erreichen der Ruhefrist eben nicht wegen Zweckerfüllung wertlos geworden sei. Doch selbst wenn man dies annähme, wäre der Zweckentfall erst zum vereinbarten Räumungstermin eingetreten und nicht bereits zum Zeitpunkt der verfrühten Räumung. Dann jedoch besaß die Grabausstattung noch ihren vollen materiellen Wert. Gänzlich fehl ginge es, den im Andenken an den verstorbenen Vater liegenden und durch das Grabmal vermittelten Wert einer zeitlichen Abschreibung zu unterwerfen.

(Quelle: Urteil des Landgerichts Aachen vom 28.02.2017, Az.: 12 O 364/16)
(Quelle: Aeternitas e.V.)
 
 

MDR-"FAKT IST!" diskutiert über strenge Bestattungsvorschriften

Aeternitas-Rechtsreferent in der Sendung zu Gast 

Heute Abend um 22:05 Uhr greift die MDR-Sendung "FAKT IST!" live das Thema "Bestattung streng nach Vorschrift - Der letzte Wille zählt nicht immer" auf. Mit vier Studiogästen, darunter der Aeternitas-Rechtsreferent Torsten Schmitt, will der Moderator Andreas Menzel erörtern, ob bestehende Regeln die Menschen zu sehr einschränken.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Sendung:

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

 

Gericht hält Verbot von Grabplatten für zulässig

Verwesungsstörungen rechtfertigen Einschränkungen auf Friedhof 


Eine Friedhofsverwaltung darf das Abdecken einer Grabstätte mit einer Platte aufgrund von Verwesungsstörungen untersagen. Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen ließ ein Berufungsverfahren gegen ein entsprechendes Urteil nicht zu.

In einem aktuellen Beschluss (Aktenzeichen 19 A 1798/16) hat das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen in Münster ein Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen zum Verbot einer Grababdeckung bestätigt. Im vorliegenden Fall war eine Frau mit ihrer Klage gegen das Verbot gescheitert, auf dem Grab ihres Mannes eine durchgehende Platte anbringen zu lassen. Die Friedhofsverwaltung begründete dies mit Verwesungsstörungen aufgrund der Bodenbeschaffenheit im betreffenden Grabfeld, die sich durch Vollabdeckung der Grabstätten verschlimmern würden.

Die Klägerin bemängelte, dass keine fachgutachterliche Stellungnahme eines Geologen eingeholt worden sei. "Tatsächlich wurde bislang in Literatur und Rechtsprechung zum Nachweis der Verwesungsproblematik grundsätzlich ein Bodengutachten oder eine sonstige sachverständige Stellungnahme verlangt", weiß Rechtsanwalt Torsten Schmitt, Rechtsreferent bei Aeternitas, der Verbraucherinitiative Bestattungskultur. Ob die Rechtsprechung in anderen Bundesländern dem Oberverwaltungsgericht Münster folge, bleibe deshalb abzuwarten. Im vorliegenden Fall hielten die Richter bei ihrer Entscheidung, die Berufung abzuweisen, jedoch die eindeutige Sachlage für ausreichend. Bereits in den Jahren 2013 und 2014 seien häufig nicht verweste Leichenteile oder gar weitgehend erhalten gebliebene Leichname in dem betreffenden Grabfeld gefunden worden.

Experten schätzen, dass bundesweit 30 bis 40 Prozent der Friedhöfe mit Verwesungsstörungen zu kämpfen haben. Ursache sind häufig zu dichte oder zu feuchte Böden. Darin gelangt nicht ausreichend Sauerstoff an den Leichnam, der für den Zersetzungsprozess jedoch notwendig ist. Eine Grababdeckung verschärft das Problem mangelnder Durchlüftung. Verbote von Grabplatten wegen der jeweiligen Bodenbeschaffenheit gibt es deshalb vielerorts.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

 

Verbot von Grababdeckung bei Verwesungsstörungen zulässig

Nicht immer ist ein gutachterlicher Nachweis erforderlich 

In einem aktuell veröffentlichten Beschluss hat das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen bestätigt, dass ein Friedhofsträger die Abdeckung eines Grabes mit einer Platte wegen möglicher Verwesungsstörungen untersagen darf. Den Berufungszulassungsantrag der Klägerin wiesen die Richter zurück und bestätigten damit das erstinstanzliche Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen. Dort hatte die Frau im Vorfeld gegen das durch den Friedhofsträger ergangene Verbot geklagt, eine Vollabdeckung des Grabes ihres Mannes vorzunehmen.

Das Verwaltungsgericht hielt jedoch die Begründung des Friedhofsträgers für überzeugend, dass im betreffenden Grabfeld aufgrund der Bodenbeschaffenheit Verwesungsstörungen vorkämen, welche durch Abdeckungen verschlimmert würden. Nach Ansicht der Richter des Oberverwaltungsgerichts in Münster ergäben sich keine ernstlichen Zweifel an der Richtigkeit den Feststellungen des Verwaltungsgerichts. Es seien unbestritten zwischen September 2013 und Juli 2014 häufig unverweste Leichenteile oder gar weitgehend erhalten gebliebene Leichname in dem betreffenden Grabfeld vorgefunden worden. Bei dieser eindeutigen Sachlage sei der Friedhofsträger ebenso wenig wie das Verwaltungsgericht gehalten, eine fachgutachterliche Stellungnahme eines Geologen zur Frage der Bodenbeschaffenheit einzuholen, wie es die Klägerin gefordert hatte. Es käme dann auch nicht darauf an, ob es in zumutbarer Entfernung andere „gestaltungsfreie“ Friedhofsteile gäbe, in denen Grabplatten erlaubt wären.

Anmerkung:
Bislang wurde in Literatur und Rechtsprechung grundsätzlich verlangt, dass die Verwesungsproblematik durch ein Bodengutachten oder eine sonstige sachverständige Stellungnahme nachgewiesen wird. Ist jedoch unstreitig, dass es in einem Bereich zu Verwesungsstörungen kommt, kann man die Auffassung vertreten, das Bestehen auf ein Sachverständigengutachten würde nur zu einem unnötigen Formalaufwand führen. Allerdings muss die Ursache von Verwesungsstörungen nicht unbedingt (nur) bei den Bodenverhältnissen liegen. Hauptursache könnten zum Beispiel auch die (früher) verwendeten Särge und das Bekleidungsmaterial sein. In solchen Fällen würde es dann nach Auffassung von Aeternitas zu einer unangemessenen Einschränkung der Rechte der Grabnutzer kommen. Denn die Grabplatte würde verboten, obwohl es bei Verwendung der heute üblichen, vergänglichen Materialien für Sarg und Kleidung zu keinen Verwesungsstörungen käme.

(Quelle: Urteil des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen vom 29.09.2017, Az.: 19 A 1798/16
(Quelle: Aeternitas e.V.)
 
 

Deutschlandfunk: "Mit und ohne Gottes Segen"

Sendung aus der Reihe "Marktplatz"


Am Donnerstag, dem 2. November ab 10:10 Uhr widmet sich der Deutschlandfunk in seiner Sendung "Marktplatz" unter dem Titel "Mit und ohne Gottes Segen" den Themen Bestattung und Trauer. Zu Gast ist unter anderem der Aeternitas-Pressesprecher Alexander Helbach.

 Auf der Webseite schreibt der Sender dazu:

Heute gibt es nicht mehr den einen Ort und auch nicht mehr die eine Art der Beerdigung. Friedwald oder hohe See, Urne oder Eichensarg, individuell gestaltete Trauerfeier, mit oder ohne kirchlichen Beistand: Die Bestattungskultur in Deutschland ist vielfältiger denn je. Klar ist dabei nur, dass es eine Bestattungspflicht gibt, die auf Länderebene geregelt ist und dass selbst die günstigste Variante einer Beerdigung Geld kostet.

Welche Formen des Abschieds gibt es, welche Vorgaben gelten? Was macht ein gutes Bestattungsunternehmen aus? Welche Möglichkeiten hat derjenige, der die eigene Trauerfeier und Beerdigung selber planen möchte? Fragen zu den vielen Möglichkeiten, sich würdevoll von den Verstorbenen zu verabschieden, besprechen Jan Tengeler und seine Studiogäste im Marktplatz - auch mit einem Blick auf die Traditionen nicht-christlicher Religionsgemeinschaften.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

 

Día de los Muertos" - Das mexikanische Totenfest

Veranstaltungen unter anderem in Kassel und Hamburg


Vom 31. Oktober bis 2. November feiern die Mexikaner den "Día de los Muertos", den "Tag der Toten". Bei diesem Fest mischen sich Elemente der präkolumbianischen Kultur mit Formen des christlich geprägten Brauchtums. Es entstand ein einzigartiger Totenkult, der im Jahr 2003 von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt wurde. Unter anderem kochen die Familien die Lieblingsspeisen ihrer verstorbenen Verwandten und präsentieren diese auf dem geschmückten Hausaltar.

Das Sepulkralmuseum in Kassel feiert den "Día de los Muertos" mit einer Veranstaltung am 4. November 2017. Geboten werden unter anderem mexikanische Live-Musik, Workshops, Fotoausstellungen und mexikanische Speisen. Alle weiteren Informationen dazu finden auf der Webseite des Sepulkralmuseums.

Im Forum Ohlsdorf in Hamburg wird am 29. Oktober 2017 eine Ausstellung zu der besonderen Tradition des "Día de los Muertos" eröffnet. In diesem Jahr hat Mexiko ein schweres Erdbeben erschüttert. Hunderte Menschen sind ums Leben gekommen, viele haben ihre Häuser verloren und noch immer laufen die Hilfsaktionen. Die in Hamburg lebende mexikanische Gemeinde und ihre Freunde bauen am 29. Oktober im Forum Ohlsdorf einen geschmückten Altar im Gedenken an die Erdbebenopfer auf. Zur feierlichen Eröffnung singt die mexikanische Sängerin María Yebra. Mitglieder der mexikanischen Gemeinde Hamburgs bereiten mexikanische Spezialitäten zu.

Forum Ohlsdorf, Fuhlsbüttler Str. 758, 22337 Hamburg
Öffnungszeiten der Ausstellung: Montag-Freitag 9-17 Uhr, Samstag und Sonntag 10-15 Uhr.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

 

Was bei der Grabauswahl zu beachten ist

Aeternitas erläutert die Konsequenzen für die Grabnutzer 


Zum Trauerfall gehört die Auswahl einer Grabstelle. Doch nur wenige wissen, welche Einschränkungen und Möglichkeiten sich hinter den Fachbegriffen Reihengrab und Wahlgrab verbergen.

Wer den Blick in eine typische Friedhofssatzung wirft, wird auf eine grundlegende Unterscheidung treffen: Reihengräber und Wahlgräber, jeweils für Urnen- und Sargbeisetzungen. Wie der Name sagt, werden bei Reihengräbern die Grabplätze der Reihe nach vergeben, während bei Wahlgräbern die Stelle innerhalb eines Grabfeldes selbst ausgewählt werden darf. Darüber hinaus sind jedoch einige weitere Unterschiede zu berücksichtigen. Bei Wahlgräbern kann die Laufzeit der Ruhefrist immer wieder verlängert werden, während Reihengräber nach einem festen Zeitraum - meist zwischen 15 und 25 Jahren - abgeräumt und neu vergeben werden. Auch bieten nur Wahlgräber die Möglichkeit, mehrere Urnen bzw. Särge beizusetzen. Aufgrund der genannten Vorteile und der häufig größeren Fläche fallen allerdings in der Regel deutlich höhere Gebühren als bei Reihengräbern an.

"Der Laie kann angesichts der Vielzahl an Grabangeboten auf den ersten Blick häufig nicht erkennen, ob es sich um Reihen- oder Wahlgräber handelt", weiß Christoph Keldenich, Vorsitzender von Aeternitas, der Verbraucherinitiative Bestattungskultur. So werden zum Beispiel Nischen in Urnenwänden manchmal in beiden Varianten offeriert. Gleiches gilt beispielsweise auch für Grabstätten in den verschiedenen Varianten von Gemeinschaftsgrabanlagen. Die in Fachsprache formulierten und schwer verständlichen Friedhofssatzungen helfen hier meist nur bedingt weiter. Zunehmend mehr Friedhofsverwaltungen stellen allerdings ihre Friedhöfe und die vorhandenen Grabangebote online oder in Broschüren vor. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, bei Friedhofsverwaltung und Bestatter gezielt nachzufragen und die eigenen Wünsche und Ansprüche klar zu formulieren.

Bei der Grabwahl zu berücksichtigen sind darüber hinaus die möglicherweise verschiedenen Gestaltungsvorschriften in den jeweiligen Bereichen der Friedhöfe. Dies gilt insbesondere bei speziellen Wünschen für das Grabmal oder die Bepflanzung. Des Weiteren stellt sich für immer mehr Menschen die Frage, inwieweit die Pflege einer Grabstätte nötig ist oder eventuell im Angebot enthalten. Hier bieten viele Friedhöfe eine wachsende Vielfalt an pflegefreien Grabstätten. Ähnliche Unterschiede wie bei den Reihen- und Wahlgräbern auf Friedhöfen bestehen übrigens auch in den zahlreichen Bestattungswäldern in Deutschland: Dies betrifft dann zum Beispiel die Art und Größe eines Baumes, die Anzahl der Urnen unter einem Baum oder die Laufzeit der Grabstätte.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

 

Jede dritte Kommune will Friedhofsgebühren erhöhen

Aktuelle Studie von "Ernst & Young"


Nach der aktuellen Studie "Kommunen in der Finanzkrise: Status quo und Handlungsoptionen" der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young wollen 33 Prozent der deutschen Kommunen die Friedhofsgebühren erhöhen. Hintergrund sind unter anderem die weiterhin angespannte Finanzlage vieler Kommunen und die Unterdeckungen vieler Friedhofsgebührenhaushalte angesichts des schon länger anhaltenden Trends zu kleineren und günstigeren Urnengräbern.

Ernst & Young befragten für ihre Studie 300 deutsche Kommunen und analysierten die Verschuldungssituation aller 681 deutschen Kommunen mit mindestens 20.000 Einwohnern.

Eine Pressemeldung und die Studie finden Sie auf der
 Webseite von Ernst & Young.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Mindestens 5.000 Euro Bestattungsvorsorge sind für das Sozialamt unantastbar

Sozialgericht Gießen verpflichtet Behörde zur Zahlung von Sozialhilfe

Das Sozialgericht Gießen hat in einem vor wenigen Tagen veröffentlichten Urteil einen Sozialhilfeträger zur Zahlung weiterer Sozialhilfeleistungen für eine Heimbewohnerin verpflichtet. Zuvor hatte die Behörde die Sozialhilfe mit der Begründung gekürzt, es seien neben dem allgemeinen Schonvermögen in Höhe von 2.600 Euro lediglich 4.000 Euro für eine Bestattung zu verschonen, diese Summe würde bei dem Vermögen der Heimbewohnerin um rund 600 € überschritten. Dem erteilte das Gericht eine Absage: Mindestens 5.000 Euro seien für die Bestattung angemessen und damit auch das Vermögen der Klägerin insgesamt geschützt.

Spätestens seit der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 11.12.2003, Az.: 5 C 84.02, sei laut des Sozialgerichts Gießen grundsätzlich von der Verschonung einer angemessenen finanziellen Vorsorge für den Todesfall auszugehen. In der Rechtsprechung sei insgesamt anerkannt, dass die Verwertung eines angemessenen Vermögens, das der Bestattungsvorsorge dient, als unzumutbare Härte im Sinne des § 90 Abs. 3 SGB XII anzusehen ist. Dies ergebe sich insbesondere auch aufgrund des Urteils das Bundessozialgericht vom 18.03.2008, Az.: B 8/9b SO 9/06 R

Zur Bestimmung der Angemessenheit der Bestattungsvorsorge sei zunächst auf die Kosten abzustellen, die die örtlich zuständige Behörde als erforderliche Kosten der Bestattung nach § 74 SGB XII ("Sozialbestattung") zu übernehmen habe, denn insofern werde den örtlichen Besonderheiten wie unterschiedlichen Friedhofskosten Rechnung getragen. Dabei sei hinsichtlich der Art der Bestattung (Erdbestattung, Feuerbestattung etc.) die Entscheidung des Heimbewohners zugrunde zu legen. Der sich hieraus ergebene Kostenbetrag, der einen einfachen Standard repräsentiere, sei unter Berücksichtigung etwaiger Gestaltungswünsche des Heimbewohners bis zur Grenze der Angemessenheit zu erhöhen (Erhöhungsbetrag). Hierzu könnten die Kosten einer durchschnittlichen Bestattung als Richtschnur dienen. Die Kosten nach der örtlichen Handlungsanweisung zur Gewährung von Leistungen nach § 74 SGB XII "Bestattungskosten" beliefen sich im vorliegenden Fall auf 2.500 Euro. Die Kosten für eine durchschnittliche Bestattung seien bei ca. 7.000 Euro als Richtwert anzusetzen (Wert der Stiftung Warentest). Vor diesem Hintergrund sei der von der Klägerin für die Bestattungsvorsorge auf das Treuhandkonto überwiesene Betrag in Höhe von 6.300 Euro zu einem Anteil von mindestens 5.000 Euro als angemessen anzusehen. Dies allein führe im vorliegenden Fall, also bei einem Gesamtvermögen inklusive Bestattungsvorsorge in Höhe von 7.487,09 Euro, schon zum vollständigen Wegfall des Vermögenseinsatzes. Dieses läge schließlich unter der Summe von 2.600,00 € allgemeines Schonvermögen zuzüglich mindestens weiterer geschützter 5000 Euro für die Bestattung.

Anmerkung:
Seit dem 01.04.2017 wurde das allgemein zu verschonende Vermögen auf 5.000 Euro angehoben. Dieses ist – wie im Urteil zum alten Betrag in Höhe von 2.600 Euro richtig dargestellt wurde – neben einer angemessenen Bestattungsvorsorge als geschützt anzusehen.

(Quelle: Urteil des Sozialgerichts Gießen vom 25.07.2017, Az.: S 18 SO 160/16)
(Quelle: Aeternitas e.V.)
 
 

Neue Ausgabe des Newsletters "Trauerforschung im Fokus"

Aktuelles aus der internationalen Trauerforschung


Das Projekt "Trauerforschung im Fokus" hat den neuen Newsletter (Ausgabe 3/2017) veröffentlicht. Folgende Themen und Erkenntnisse der internationalen Trauerforschung finden Sie in der aktuellen Ausgabe:

  • Vorsicht: Trauerphasenmodelle führen Hinterbliebene in die Irre. Eine Warnung an Fachkräfte im Gesundheitswesen.
  • Verlust und Trauer im Judentum.
  • Die Bedeutung von Musik für die Verlustverarbeitung.
  • Bis dass der Tod uns scheidet: Erfahrungen eines älteren Ehepaares, das gemeinsam sterben wollte.
  • "Death Café" - Was ist das für eine Bewegung und was können wir von ihr lernen?
Nachlesen können Sie den aktuellen und alle bisher erschienenen Newsletter auf der Webseite  www.trauerforschung.de. Dort können Sie den Newsletter auch abonnieren.

Das Newsletter Projekt "Trauerforschung im Fokus" möchte den in Deutschland tätigen Fachkräften und Interessierten durch ausgewählte Artikel den Zugang zu den Erkenntnissen der Trauerforschung erleichtern und so zu einer Weiterentwicklung, möglicherweise auch einer Verbesserung der Trauerberatung, Trauerbegleitung oder Trauertherapie beitragen. Damit greift das Projekt eine Forderung vieler Fachkräfte und Interessierten auf, die sich Unterstützung durch die Ergebnisse der Trauerforschung wünschen.
 
(Quelle: Aeternitas e.V.)
 
 

Neue Ausgabe der Aeternitas-Vereinszeitschrift Zeitlos erschienen

Ausgabe 3/2017 entführt die Leser nach Potsdam 


Die aktuelle Ausgabe der Aeternitas-Vereinszeitschrift "Zeitlos" widmet sich in der Titelgeschichte dem Reiseziel "Potsdam". Außerdem berichten wir unter anderem über interessante Projekte zum Wohnen im Alter und über die "Farben der Trauer".

Außerdem präsentiert die aktuelle "Zeitlos" wie immer Neuigkeiten aus der Aeternitas-Arbeit und zum Thema Bestattung und Friedhof, beantwortet aktuelle Fragen rund um alles, was Bestattungen betrifft, und bietet den Aeternitas-Mitgliedern im Kreuzworträtsel attraktive Preise.

Aeternitas-Mitglieder bekommen die "Zeitlos" kostenfrei zugeschickt. Sie können ein Probeexemplar der Zeitschrift (Einmalabgabe frei) aber auch  bei Aeternitas bestellen.

"Zeitlos" können Sie ebenso online lesen. Unter  www.zeitlos-zeitschrift.de finden Sie im Archiv ältere, bereits erschienene Ausgaben.

 

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

 

Ausstellung von Plastinaten nur bei nachgewiesener Einwilligung

Vewaltungsgericht Berlin gibt Betreiber des "Menschen Museums" teilweise Recht 

Das "Menschen Museum" am Berliner Alexanderplatz verstößt nicht gegen das bestattungsrechtliche Verbot, Leichen öffentlich auszustellen, wenn für jedes Exponat eine ausreichende Einwilligungserklärung des Körperspenders vorliegt. Das hat das Verwaltungsgericht Berlin entschieden.

Der Kläger ist ein in Heidelberg ansässiges privates Institut, das sich der Plastination menschlicher Körper und Körperteile widmet. Bisher wurden die Plastinate als Wanderausstellung in Deutschland in zahlreichen Städten, darunter bereits dreimal in Berlin gezeigt. Anfang 2015 wurde erstmals eine Dauerausstellung als "Menschen Museum" im Gebäude des Fernsehturms am Berliner Alexanderplatz eröffnet. Zuvor hatte das Verwaltungsgericht Berlin auf eine Klage des vormaligen Betreibers der Ausstellung festgestellt, dass die Ausstellung keiner Genehmigung bedürfe. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg änderte dieses Urteil ab und wies die Klage des Betreibers ab. Daraufhin untersagte das Bezirksamt Mitte von Berlin im Dezember 2016 die Ausstellung. Hiergegen richtet sich die vorliegende Klage. Der Kläger macht geltend, die vom Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg aufgestellten Vorgaben für eine öffentliche Ausstellung von Leichen habe er erfüllt, insbesondere seien die Plastinate nunmehr mit den entsprechenden Einwilligungsunterlagen der Körperspender zusammengeführt worden.

Die 21. Kammer des Verwaltungsgerichts hat der Klage teilweise stattgegeben. Die Behörde habe nicht ausreichend ermittelt, ob die Voraussetzungen für eine Untersagung sämtlicher Exponate der Ausstellung gegeben seien. Als anatomisches Institut sei der Kläger zwar vom Verbot, Leichen öffentlich auszustellen, ausgenommen, wenn die Ausstellung wissenschaftlichen Zwecken diene. Hierzu zähle auch der mit dem "Menschen Museum" verfolgte populärwissenschaftliche Ansatz. Entscheidend sei jedoch die Prüfung, ob jedem einzelnen Exponat ein ganz bestimmter Körperspender zugeordnet werden könne und von diesem eine ausreichende Einwilligung zur Herstellung und Ausstellung des Exponats vorliege; hierzu sei das vom Kläger in der mündlichen Verhandlung näher erläuterte Kennzeichnungsverfahren grundsätzlich geeignet. Die Behörde habe eine solche Prüfung bei den rund 120 Teilkörperplastinaten sowie bei drei erst seit Kurzem ausgestellten Ganzkörperplastinaten noch nicht durchgeführt. Bei den übrigen ausgestellten – zehn vor längerer Zeit hergestellten und anonymisierten – Ganzkörperplastinaten hat das Gericht dagegen keine ausreichenden Einwilligungserklärungen feststellen können, weil der Kläger zu diesen Exponaten nur einen "Pool" von Erklärungen aus passenden Herstellungsjahren vorgelegt habe. Die Ausstellung dieser Exponate durfte daher verboten werden.

Die Kammer hat wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Sache die Berufung an das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zugelassen.

(Quelle: Pressemitteilung des Verwaltungsgerichts Berlin vom 13.09.2017 zu Aktenzeichen 21 K 608.17)
(Quelle: Aeternitas e.V.)
 
 
 

Gemeinschaftsgräber liegen im Trend

Attraktive, pflegefreie Angebote sind erfolgreich 


Gemeinschaftsgrabanlagen prägen das Bild von immer mehr Friedhöfen. Die ansprechend gestalteten Grabstellen ohne Pflegeaufwand für Angehörige erfüllen die Bedürfnisse einer mobilen Gesellschaft, in der familiäre Bindungen nachlassen.

Pflegefreie Gräber sind schon länger im Kommen: Angebote wie Urnenwände, Rasengräber, Baumbestattungen oder auch Seebestattungen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. In diesen Trend reiht sich die Idee des Gemeinschaftsgrabes ein, in zahlreichen verschiedenen Gestaltungsvarianten und unter unterschiedlichen Namen. Gemeinsam ist den Konzepten, dass es sich um Grabfelder handelt, die einheitlich gestaltet sind - oft parkartig - und in denen die Pflege der Grabstellen in den Kosten für das Grab enthalten ist. Ausgeführt wird diese meist von Friedhofsgärtnern. Die dort Bestatteten müssen in der Regel zu Lebzeiten in keiner Verbindung zueinander gestanden haben.

Den Erfolg der Gemeinschaftsgrabidee belegt exemplarisch der "Memoriam-Garten" des Bundes Deutscher Friedhofsgärtner. Das 2009 zum ersten Mal vorgestellte Konzept wurde mittlerweile in ganz Deutschland bereits 75 Mal umgesetzt. Auch regional zeigt sich die positive Resonanz: So hat die Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner innerhalb Kölns 14 "Bestattungsgärten" eingerichtet, dazu fünf im Umland. Weitere sind geplant. Vorbildcharakter für viele Friedhofsverwaltungen hat der Karlsruher Hauptfriedhof, auf dem bereits 2003 der landschaftsarchitektonisch angelegte Bereich "Mein letzter Garten" eröffnet wurde. Aufgrund des großen Zuspruchs verfügt der Friedhof mittlerweile über eine ganze Reihe verschiedener Anlagen mit unterschiedlichen Themensetzungen.

Im Unterschied zur anonymen Beisetzung werden beim Gemeinschaftsgrab die Namen der Verstorbenen genannt - entweder auf individuellen, oft eher einfach gehaltenen Grabzeichen oder einem gemeinschaftlichen Grabmal. Meistens liegt einer solchen Anlage eine durchgehend prägende, besondere gärtnerische Gestaltung zugrunde, häufig auch eine thematische Ausrichtung, wie zum Beispiel beim Grabfeld "Vier Jahreszeiten" in Karlsruhe oder dem "Rosengarten" in Hamburg-Ohlsdorf. Manchmal ist die Thematik so speziell, dass sie sich nur an kleine Gruppen wendet: In Gelsenkirchen und Hamburg wurden zum Beispiel jeweils Grabfelder für Schalke- bzw. HSV-Fans eingerichtet, die in der Gestaltung Vereinsfarben und Fußballsymbolik aufgreifen.

Christoph Keldenich, Vorsitzender von Aeternitas e.V., der Verbraucherinitiative Bestattungskultur, sieht im Gemeinschaftsgrab eine sinnvolle Alternative zur anonymen Beisetzung. "Es stellt eine Lösung dar gerade für Menschen, deren Gräber keine Angehörigen pflegen können, insbesondere wegen der veränderten Familienstrukturen und der zunehmenden Mobilität der Bürger", sagt er. Dennoch gebe es einen namentlich gekennzeichneten, ansprechend gestalteten Ort zum Trauern. Und wo Freundeskreise, Vereine oder andere soziale Gemeinschaften zunehmend familiäre Bindungen ersetzen, verliere das klassische Familiengrab an Relevanz.

Mehr zum Thema Gemeinschaftsgrab - Konzepte, Ideen etc. - gibt es auch auf unserer Webseite
 www.gemeinschaftsgrab.de.

Quelle: Aeternitas e.V.

 

Fragebogen zu Trauer in der modernen Gesellschaft

Teilnehmer gesucht 


Wie Menschen sterben, wie sie bestattet, betrauert und erinnert werden, ist abhängig vom gesellschaftlichen Wandel. Es wird zunehmend schwieriger, verbindliche Aussagen zum Lebensende zu treffen, die über zeitliche und kulturelle Schranken hinweg gültig sind. So vielschichtig Lebensentwürfe heutzutage sind, so facettenreich ist auch der Umgang mit dem Tod. Zu den Anforderungen, die die Gesellschaft heutzutage stellt, gehört daher auch das Finden eigener Trauerstrategien.

Im Rahmen eines mehrjährigen, auch von Aeternitas unterstützten Forschungsvorhabens werden an der Universität Passau am Lehrstuhl für Soziologie Formen und Funktionen von Trauerhandlungen wissenschaftlich untersucht. Dazu wird auch ein Online-Fragebogen bereitgestellt (die Daten werden natürlich anonym erhoben). Umso mehr Menschen an der Studie teilnehmen, desto differenzierter wird das Bild, dass ich die Forscher machen können.

Weitere Informationen und den Fragebogen finden Sie hier:
 www.soscisurvey.de/trauern.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Körperspenden in der Medizin: Tote für das Leben

Leichname dienen der Ausbildung und Forschung 


Die Körperspende ist einer Alternative zu der klassischen Bestattung. Dabei stellen Menschen ihren Leichnam der Wissenschaft zur Verfügung. Diese Spenden werden in der medizinischen Aus- und Weiterbildung sowie in der Forschung benötigt. Doch immer weniger Menschen entscheiden sich für eine Körperspende.

Braun-graue Körper liegen auf Metalltischen. Angehende Mediziner und gestandene Ärzte stehen in weißen Kitteln um einen Tisch herum, ausgerüstet mit Skalpellen und Pinzetten. Operiert wird nicht ein Patient, sondern es wird an toten Körpern geübt. "Ich bewundere die Körperspender für ihre Entscheidung. Für uns ist es unglaublich wichtig, dass wir an ihnen üben können", sagt Dr. Fridtjof Trommer, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie des Luisenhospitals Aachen. "Die Körperspende hilft, die Lehre und die anatomischen Kenntnisse von Studenten und Ärzten zu verbessern. Sie können neue Operationstechniken an einem Leichnam üben, was das Risiko bei einem echten operativen Eingriff deutlich verringert." Der Vorteil einer Körperspende sei insbesondere die realitätsnahe Ausbildung. Außerdem könnten mithilfe der Spenden neue Operationstechniken und Instrumente entwickelt werden, die schonender für den Patienten seien. "Wir sind dankbar, dass sich Menschen dazu zur Verfügung stellen. Doch leider sind immer weniger Menschen dazu bereit, ihren toten Körper der Wissenschaft zu spenden", bedauert der Mediziner. Und von den wenigen würden viele, oft, ohne dass es ihnen wirklich bewusst sei, ihre Körper pseudowissenschaftlichen Zwecken überlassen.

Jeder erwartet heute im Bedarfsfall optimale medizinische Betreuung. Oft zählt jede Sekunde. Nur gute Ausbildung, ständige Übung und Weiterbildung kann weiterhelfen. Immer anspruchsvollere Medizin erfordert deshalb praktische Aus- und Weiterbildung nicht nur an Puppen, an Plastinaten oder in der Theorie. Anatomische Übung an menschlichen Präparaten biete hierzu Möglichkeiten. "All diese Erfahrungen, die bei der anatomischen Präparation gewonnen werden, helfen dem Arzt, das Leben eines anderen Patienten zu retten", weiß auch Dr. med. Dirk Schuster, Facharzt für Anatomie und Geschäftsführer der vor sechs Jahren am Krankenhaus Düren gegründeten gemeinnützigen Gesellschaft Cenosura.

Cenosura bemüht sich um Körperspenden und bereitet diese anatomisch vor. Das Körperspendezentrum versteht sich als Ergänzung zu den universitären anatomischen Instituten. Die Cenosura nimmt Körperspenden vorrangig aus ganz Nordrhein-Westfalen an - auch nach erfolgter Organ- und Gewebespende. "Ziel des Körperspendezentrums ist es", so Schuster, "den Bedarf an Präparaten ausschließlich für die ärztliche Fort- und Weiterbildung sowie für Forschungszwecke zu sichern."

"Kein Buch der Welt wird mir je beibringen können, was ich von toten menschlichen Körpern gelernt habe. Komplizierte Namen von Körperteilen auswendig zu lernen ersetzt nicht die Eindrücke, die ich mit meinen Händen und meinen Augen sammle. Und vor allem einen Eindruck nicht: Dass Menschen individuell sind und lange nicht so perfekt aussehen wie eine Abbildung in einem Lehrbuch", betont Dr. Trommer und hofft, dass sich noch mehr Menschen mit diesem Thema auseinandersetzen und ihre Körper nach dem Ableben der Medizin zur Verfügung stellen.

Übrigens werden auch diejenigen, die Ihren Körper der Wissenschaft überlassen haben, nach einem gewissen Zeitraum bestattet. Die Regelungen dazu sind von Institut zu Institut verschieden, auch was die Frage der Kosten betrifft.

Weitere Informationen zur Körperspende und eine Liste mit Instituten, die in Deutschland Körperspenden annehmen, finden Sie  hier auf unserer Webseite.

(Quelle: Aeternitas e. V.)

 

Ungepflegter Friedhof befreit Grabnutzer nicht von ihrer Zahlungspflicht

Kein Anspruch auf gärtnerische Pflegeleistungen

Das Verwaltungsgericht Augsburg hat kürzlich einen Fall zugunsten des Friedhofsträgers entschieden, in dem der Kläger die Zahlung von Friedhofsunterhaltungsgebühren in Höhe von 55,00 Euro verweigert hatte. Die Weigerung erfolgte mit der Begründung, dass die Friedhofsverwaltung ihrer Verpflichtung zur Friedhofsunterhaltung im Umkreis seiner Familiengrabstelle nicht ordnungsgemäß nachgekommen sei. Der Kläger trug vor, an seiner Grabstätte würde kein durchgehender, gepflegter Grünstreifen verlaufen und das Unkraut um sein Grab sei nicht vernichtet worden – anders als bei allen anderen Gräbern.

Das Gericht bestätigte jedoch die Zahlungsverpflichtung des Klägers. Weder hätte er ein Zurückbehaltungsrecht noch könne er sich auf eine Schlechtleistung berufen.

Ein Zurückbehaltungsrecht sei schon wegen des Aufrechnungsverbotes in § 226 Abs. 3 Abgabenordnung (AO) ausgeschlossen. Wenn im Abgabenrecht die Aufrechnung nur für unbestrittene oder rechtskräftig festgestellte Ansprüche zugelassen wird, müsse dies auch für das Recht gelten, Geld zurückzubehalten. Damit werde sichergestellt, dass ein Abgabenschuldner sich seiner Zahlungsverpflichtung nicht durch bloße Behauptung noch klärungsbedürftiger Gegenansprüche entziehen könne.

Eine Benutzungsgebühr (wie die streitige Unterhaltungsgebühr) entstehe wegen einer mangelhaften Leistung nur dann nicht oder nicht in voller Höhe, wenn im Vergleich zu der durch Satzung bestimmten ordnungsgemäßen Leistung des Beklagten tatsächlich eine erhebliche Schlechtleistung erbracht worden wäre, d.h. wenn ein grobes Missverhältnis zwischen den beiderseitigen Leistungen bestünde.

Eine die volle Gebühr rechtfertigende Unterhaltung des Friedhofs wäre erst dann nicht erbracht worden, wenn erhebliche Mängel feststellbar wären. Dies wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn sie ein Ausmaß erreicht hätten, das unter den Gesichtspunkten der Verkehrssicherheit oder Hygiene nicht hingenommen werden könnte; Und erst wenn solche Zustände über längere Zeit, d. h. zumindest über mehrere Wochen andauern würden, könne sich überdies die Frage nach einer Gebührenermäßigung stellen.

Die Unterhaltungspflicht einschließlich der Verkehrssicherungspflicht habe der Beklagte jedoch erfüllt. Denn selbst der Kläger bestreite nicht, dass er den Friedhof zum Besuch und der Pflege seiner Grabstätte uneingeschränkt nutzen könne. Die Schadstellen auf dem vor dem Grab verlaufenden Grünstreifen und der Unkrautbewuchs im direkten Umfeld seiner Grabstelle stellten lediglich – abhängig vom subjektiven Empfinden des Einzelnen – eine ästhetische Beeinträchtigung dar und rechtfertigten daher keine Einbehaltung der Gebühr.

Die Unterhaltung des Friedhofs und seiner Einrichtungen erfolge überwiegend im Interesse der Allgemeinheit und nicht im Interesse des einzelnen Grabnutzungsberechtigten. Ein individueller Rechtsanspruch auf bestimmte gärtnerische Pflegearbeiten im Bereich seiner Grabstelle stehe ihm daher nicht zu.

(Quelle: Urteil des Verwaltungsgerichts Augsburg vom 27.07.2017, Az.: Au 7 K 16.1393)
(Quelle: Aeternitas e.V.)
 
 
 

Öffentliche Leistungen und Funktionen aktiver Friedhöfe

Bewertungskriterien zur Zukunftssicherung 


Friedhöfe sind multifunktionale Orte, vor allem in Ballungsräumen sind sie wertvolle und oft die einzigen wohnungsnahen Grünflächen. Im Zuge veränderter Rahmenbedingungen im Friedhofs- und Bestattungswesen müssen in zunehmendem Maße öffentliche Haushaltsmittel für die Sicherung der Friedhöfe eingesetzt werden. Unter anderem führt der schon seit vielen Jahren anhaltende Trend zu kleineren und günstigeren Urnengräbern bei vielen Friedhöfen zu nicht mehr für Beisetzungen benötigten Freiflächen und Gebührenmindereinnahmen. Bisher war es jedoch häufig schwierig, den "Mehrwert" der Friedhöfe über den Bestattungsort hinaus nachvollziehbar darzustellen, weil die entsprechenden Bewertungskriterien fehlten oder kaum durchschaubar waren.

Mit dem "Grünpolitischen Wert" gibt es zwar bereits ein Instrument, das den "Mehrwert" der Friedhöfe abbilden und die Gebührenhaushalte entlasten soll. Dieser beschränkt sich jedoch nur auf die Funktionen als Grünflächen, zu Gliederung bebauter Flächen, für das Stadtklima sowie die Naherholung und lässt weitere Faktoren außer Acht. Besonders kritisch zu betrachten ist zudem, dass der "Grünpolitische Wert" als "Zuschuss" zum Gebührenhaushalt häufig eher auf politischen Entscheidungen beruht und nicht auf nachvollziehbaren Fakten. Werte zwischen null und 60 Prozent sind bekannt und deuten auf keine einheitliche Berechnung hin.

Der vorliegende, von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Forschungsbericht erweitert das Blickfeld auf weitere Leistungen und Funktionen der Friedhöfe. Den Forschern um Projektleiter Martin Venne ist es zu verdanken, dass nun anhand qualitativer Bewertungskriterien zu öffentlichen Leistungen und Funktionen von Stadtfriedhöfen nachgewiesen werden kann, dass allgemeine Haushaltsmittel hier sinnvoll angelegt sind und die Zukunftssicherung der Friedhöfe im öffentlichen Interesse ist.

Erstmals kann eine nachvollziehbare Priorisierung verschiedener Friedhöfe entsprechend ihrer Wertigkeit für die Erholungs- und Freizeitnutzung, ihres Denkmalwertes, ihrer stadtklimatischen und ökologischen Funktionen sowie ihrer wirtschaftlichen Bedeutung für kleine und mittlere Unternehmen erfolgen. Ergänzend wurde die Leistung von Friedhöfen bei der Inklusion leistungsgeminderter Menschen als zu definierender Wert erkannt und in die Bewertungsmatrix aufgenommen.

Der Bericht wird hoffentlich Diskussionen auslösen und dazu führen, dass die Ergebnisse auch in der Praxis überprüft werden können. Ein solches Forschungsprojekt befindet sich bereits in der Planung. Daran sollten insbesondere Kommunen Interesse haben, um den "Wert" ihrer Friedhöfe nach objektiven Kriterien beziffern zu können.

Der Forschungsbericht ist erhältlich bei PlanRat, dem Büro für Landschaftsarchitektur und Städtebau in Kassel (E-Mail: info@planrat.de, Telefon: 0561/770797). Auf der Webseite  www.planrat.de finden sich weitere Informationen und eine Leseprobe.

Öffentliche Leistungen und Funktionen aktiver Friedhöfe
ISBN: 978-3-9818690-0-2
387 Seiten, 58,- Euro

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Offener Umgang mit Tod und Trauer am Arbeitsplatz

Ungewohnte Herausforderung nicht unterschätzen 


Sterben Kollegen oder deren Angehörige, gerät das Wunschbild vom produktiven und motivierten Mitarbeiter schnell ins Wanken. Vorgesetzte, Kollegen und Betroffene selbst stehen vor einer ungewohnten Herausforderung. Unternehmen und Mitarbeiter können aber von einer guten Trauerkultur gleichermaßen profitieren.

Schon im privaten Bereich fällt vielen Menschen der Umgang mit Trauernden oder eigener Trauer schwer. Besonders kompliziert wird es häufig im beruflichen Umfeld. Stärke und Leistungsfähigkeit stehen im Mittelpunkt und die Kollegen erwarten Teamfähigkeit und gute Laune. Das führt leicht dazu, dass Trauer versteckt und der Tod als Thema verdrängt wird. Darunter leiden die Betroffenen, aber auch das Arbeitsklima und damit im Ende das ganze Unternehmen. "Auch wenn solche kritischen Lebensereignisse ursächlich nichts mit dem Job zu tun haben, sind sie für Psyche und Körper enorme Stressoren und wirken sich im beruflichen Alltag aus", weiß die Kommunikationsberaterin und Trauerbegleiterin Iris Gehrke aus Köln.

Verschiedene Strategien helfen, damit Mitarbeiter nicht ins Abseits geraten und später auch wieder ihre Leistung bringen können. Aeternitas, die Verbraucherinitiative Bestattungskultur, empfiehlt, das Thema keinesfalls zu verdrängen und eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. Trauernde sollten Rückzugsmöglichkeiten bekommen, aber ebenso ihre Emotionen äußern und über ihre Situation sprechen können. Vorgesetzte bzw. Kollegen können einen Beitrag leisten, indem sie ihre Unterstützung anbieten und rücksichtsvoll eine geringere Leistungsfähigkeit akzeptieren. Insbesondere Vorgesetzte sollten den Kontakt zu trauernden Mitarbeitern intensivieren, um besser einzuschätzen, was diese erwarten und welche Hilfe sie anbieten können. Grundsätzlich können Schulungen für Führungspersonen oder Informationssammlungen zum Thema Trauer, zum Beispiel auch Kontakte zu Beratungsstellen, hilfreich sein.

Eine Art Leitfaden für Betriebe hat Iris Gehrke mit der sogenannten "WARM"-Formel entwickelt. "WARM" steht dabei für W wie wertschätzend, A wie authentisch anteilnehmend, R wie respektvoll und M wie mitfühlend. Wertschätzend bedeutet unter anderem, dass Bewertungen, Ratschläge und oberflächliche Tröstungen unterbleiben und an die einzigartige Persönlichkeit Verstorbener erinnert wird. Authentisch ist Anteilnahme, wenn sie zur Situation und zum Unternehmen passt. Hilfreich ist es dabei, das Team mit einzubeziehen und die Trauer in aufrichtigen Zeichen des Mitgefühls zu äußern. Ein respektvoller Umgang beinhaltet, dass Emotionen ausgedrückt werden dürfen - aber dennoch niemand zur Trauer genötigt wird, der seine Gefühle nicht zeigen möchte. Mitfühlend - nicht mitleidend - meint, dass man Trauernden zugewandt und mit Verständnis begegnet. Vorgesetzte oder Kollegen sind aber weder Trauerberater noch Co-Therapeuten. Gefragt sind vielmehr kleine Gesten der Hilfsbereitschaft, behutsames Nachfragen, ein Verständnis der Gesamtsituation und das Signal: Du gehörst weiterhin zum Team.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Grabsteine dürfen auch bei Ausübung großen Drucks keinen Zentimeter nachgeben

Verwaltungsgerichtshof Bayern sieht Grabnutzungsberechtigte in der Pflicht

In einem aktuell veröffentlichten Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Bayern wurde die Klage einer Grabnutzungsberechtigten auf Einstellung der Zwangsvollstreckung des Friedhofsträgers zurückgewiesen. Da der Grabstein sich durch den vorgeschriebenen Prüfdruck immer noch bewegen lasse, sei sie weiter zur Herstellung von dessen Standsicherheit verpflichtet.

Bereits in einem vorgehenden Verfahren hatten die Gerichte den Bescheid der beklagten Friedhofsverwaltung bestätigt, in dem der Klägerin aufgegeben worden war, die Standsicherheit des Grabmals wiederherzustellen. Infolgedessen hatte letztere ihren Steinmetz damit beauftragt, den Stein zu befestigen. Sie legte der Friedhofsverwaltung zum Beleg die Rechnung des Steinmetzes vor. Bei der nächsten Standsicherheitsprüfung mittels des Kipptesters durch Mitarbeiter des Friedhofes, bewegte sich der Stein jedoch (weiterhin) bei einem Druck von 340 N (entspricht 34 kg) einige Zentimeter. Deshalb wurden von der Friedhofsverwaltung Zwangsvollstreckungsmaßnahmen angedroht und insbesondere ein Zwangsgeld von 1.000,00 € festgesetzt. Die Klägerin war der Auffassung ihrer Verpflichtung genüge getan zu haben und versuchte daher vor dem Verwaltungsgericht Regensburg erfolglos die Einstellung der Zwangsvollstreckung zu erreichen.

Das erstinstanzliche Urteil wurde nun durch den Verwaltungsgerichtshof Bayern bestätigt: Nach der Friedhofssatzung sei vorgeschrieben, dass die Grabmale dauerhaft standsicher zu halten und dabei die Regeln des Handwerks einzuhalten seien. Und nach der damit geltenden Richtlinie für die Erstellung und Prüfung von Grabmalanlagen des Bundesinnungsverbandes des Deutschen Steinmetz-, Stein- und Holzbildhauerhandwerks (BIV-Richtlinie) hätte das Grabmal einen Prüfdruck von 500 N (entspricht etwa 50 kg) regungslos aushalten müssen. Neige sich ein Stein bei einem Kraftaufwand von weniger als 500 N auch nur um wenige Grad, so liege die Vermutung einer nicht fachgerechten Befestigung nahe. Es stehe dann zu befürchten, dass sich durch fortschreitende Materialermüdung oder menschliche Einwirkungen zumindest in näherer Zukunft auch eine konkrete Gefahr des Umstürzens ergeben kann. In einer solchen Situation könne es nicht Sache des Friedhofsträgers sein, durch aufwändige statische oder materialtechnische Untersuchungen eine Ursachenforschung zu betreiben oder die Wahrscheinlichkeit eines Schadenseintritts im Detail zu ermitteln. Er dürfe vielmehr davon ausgehen, dass die Standfestigkeit jedenfalls nicht in der satzungsrechtlich geforderten Weise "dauerhaft" gesichert ist.

(Quelle: Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Bayern vom 23.02.2017, Aktenzeichen 4 B 16.311)
(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Kommunen sparen bei der Bestattung Mittelloser

Ordnungsamtsbestattungen oft fern der Heimat


Aus Kostengründen lagern zahlreiche Kommunen behördlich veranlasste Bestattungen aus. Mittellose Verstorbene werden dann häufig fernab ihres letzten Wohnortes beigesetzt. Derzeit bewegt ein Fall aus Schleswig-Holstein die Gemüter.

Können nach einem Todesfall keine Angehörigen ermittelt werden bzw. kümmert sich niemand um die Bestattung, muss das Ordnungsamt eingreifen. Um die Kosten für die eigene Kommune gering zu halten, geben Ämter üblicherweise eine möglichst günstige Feuerbestattung mit anonymer Beisetzung in Auftrag. Nicht selten sind es Mittellose, die so von Amts wegen bestattet werden.

Vielerorts erhalten Verstorbene bei behördlich veranlassten Bestattungen nicht einmal eine Grabstelle in ihrer Gemeinde. Wegen der hohen Gebühren der örtlichen Friedhöfe werden die Verstorbenen auf einem günstigeren Friedhof beigesetzt, mitunter bis zu hunderte von Kilometern entfernt. Wo sie ihren Lebensmittelpunkt hatten, wird nicht berücksichtigt.

Aktuell berichtet der Holsteinische Courier über einen typischen  Fall aus Bordesholm in der Nähe von Neumünster. Die dort ordnungsbehördlich veranlassten Bestattungen finden anonym auf einem Waldfriedhof im über 100 Kilometer entfernten Wingst in Niedersachsen statt. Laut Ordnungsbehörde habe sich dies durch eine Ausschreibung so ergeben.

Aeternitas, die Verbraucherinitiative Bestattungskultur, kritisiert die Praxis ortsferner, behördlich veranlasster Bestattungen. Der Verein fordert für jeden Verstorbenen den Anspruch auf ein Grab an seinem Wohnort. Sofern kein anderslautender Wille bekannt ist, sollte darüber hinaus eine Grabstätte mit Namensnennung obligatorisch sein. Auch eine vom Verstorbenen gewünschte Sargbestattung muss ermöglicht werden, insbesondere wenn eine Feuerbestattung dessen religiösen Überzeugungen widerspricht. Nicht allein die Kostenfrage darf im Mittelpunkt stehen. Auch Mittellose bzw. Menschen, die in Vergessenheit geraten sind, waren und bleiben Teil der Gesellschaft. Sie haben ein Anrecht auf ein sie würdigendes Andenken.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Neuer Basistext "Trauer und Demenz"

Offener Umgang mit Erkrankten wird empfohlen

Demente Trauernde stellen das Umfeld vor sehr spezielle Herausforderungen. Dies gilt für Verwandte und Freunde, aber auch Fach- oder Pflegekräfte. Grundsätzlich sind an Demenz erkrankte Personen fähig zu trauern. Gerade im frühen Stadium zeigen sie ganz normale Trauerreaktionen. Doch mit Fortschreiten der Krankheit vergessen sie zum Beispiel immer wieder, wer eigentlich gestorben ist.

Bei allen Schwierigkeiten, die sich zeigen, haben auch an Demenz Erkrankte dennoch grundsätzlich ein Recht darauf zu erfahren, dass jemand gestorben ist. Einige hilfreiche Hinweise für Familien, Freunde, Fachkräfte und Pflegekräfte zum Umgang mit Trauer und Demenz finden sich im neuen Basistext "Trauer und Demenz".

Den Text finden Sie unter folgendem Link im Portal www.gute-trauer.de:

 Trauer und Demenz.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Kein Schmerzensgeldanspruch wegen rechtswidriger Umbettung

Landgericht Krefeld weist Klage von Tochter ab

Mit Berufungsurteil vom 24.02.2017 hat das Landgericht Krefeld einen Schmerzensgeldanspruch der Tochter gegenüber der Witwe aufgrund einer Umbettung des Verstorbenen verneint. Die Witwe hatte die Urne ohne Benachrichtigung der Tochter aus einem Familiengrab ausbetten und in den Niederlanden in einem Fluss beisetzen lassen.


In der ersten Instanz hatte die Klägerin Auskunft über den aktuellen Bestattungsort ihres Vaters erstritten, scheiterte aber mit dem Antrag auf Schmerzensgeld. Letzteren verfolgte sie daraufhin im vorliegenden Berufungsverfahren weiter. Das Berufungsgericht wies die Klage mit der folgenden Begründung ab:

Voraussetzung für einen Schmerzensgeldanspruch wäre eine schwerwiegende Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts der Tochter, eine einfache würde also nicht ausreichen. Es genüge weder die unterlassene Mitteilung über die Ausgrabung noch der fehlende (nachweisbare) Wille des Verstorbenen zur Störung seiner Totenruhe. Maßgeblich sei vielmehr zusätzlich, ob sich die Handlung der Beklagten als missbräuchliche, speziell die Rechte der Klägerin verletzende Wahrnehmung ihres Totenfürsorgerechts darstelle. Nur dann, wenn der Totenfürsorgeberechtigte aus sachwidrigen Gründen handele, er also ohne legitime, eigene Interessen den Verlust der Trauerstätte zu Lasten des Angehörigen in Kauf nehme, im äußersten Fall sogar auf deren emotionale Verletzung abziele, gehe mit der Beeinträchtigung des postmortalen Persönlichkeitsrechts des Verstorbenen zugleich eine schwerwiegende Verletzung der Rechte des (engen) Angehörigen einher. Ob das Persönlichkeitsrecht des (engen) Angehörigen so schwerwiegend beeinträchtigt worden sei, sei im Wege einer Gesamtschau zu ermitteln. Dabei könnten Gesichtspunkte wie die Heimlichkeit des Vorgehens, der äußere Anlass sowie das Verhalten des Betroffenen nach der Ausgrabung zu berücksichtigen sein. Ferner könne im Zuge der Gewichtung der Schwere der Beeinträchtigung zu prüfen sein, ob Trauerbekundungen lediglich erschwert oder vielmehr faktisch unmöglich gemacht worden seien. Der Klägerin sei in diesem Zusammenhang zuzugeben, dass das (offensichtlich) heimliche Vorgehen der Beklagten sowie ihre anschließende Weigerung, Auskunft zu erteilen, darauf hindeuten könnten, dass sich die Beklagte von sachwidrigen Erwägungen hat leiten lassen. Allerdings habe die Beklagte immerhin behauptet, ihre Schwester habe den Verbleib des Verstorbenen im Familiengrab infolge eines Streits nicht weiter gebilligt, weshalb sie sich für die Ausgrabung entschieden habe. Hierbei könnte es sich um einen Willensentschluss gehandelt haben, deren Achtung der Klägerin zuzumuten gewesen sein könnte. Die Klägerin hätte, um dies zu widerlegen, nach Ansicht des Gerichts mehr vortragen bzw. beweisen müssen.

Anmerkung:
Aufgrund der für viele Angehörige bestehenden besonderen persönlichen Bedeutung des Trauerortes und der Befolgung des diesbezüglichen Willens des Verstorbenen sollte davon ausgegangen werden, dass grundsätzlich bei einer rechtswidrigen Umbettung auch die Persönlichkeitsrechte der nahen Angehörigen schwerwiegend beeinträchtigt werden. Die Beweislast sollte umgekehrt zugrundegelegt werden: Der Umbettende sollte nachweisen müssen, dass er die (rechtswidrige) Umbettung aus dennoch achtenswerten Motiven vorgenommen hat.

(Quelle: Urteil des Landgerichts Krefeld vom 24.02.2017, Az.: 1 S 68/16 )
(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Kein Schmerzensgeld wegen Urnenumbettung

Landgericht Krefeld weist Klage ab


Nach einem Berufungsurteil des Landgerichts Krefeld hat eine Tochter wegen einer Umbettung der Urne des verstorbenen Vaters keinen Anspruch auf Schmerzensgeld. Die Witwe hatte die Urne ohne Absprache aus dem Familiengrab entfernen und die Asche in den Niederlanden beisetzen lassen.

Nicht selten treten beim Thema Bestattung Konflikte und Zerwürfnisse innerhalb von Familien zutage. So hatte das Landgericht Krefeld kürzlich zu entscheiden, inwieweit bei einem Streit um den Beisetzungsort des Vaters Persönlichkeitsrechte der Tochter beeinträchtigt worden sind. In ihrem Urteil (Aktenzeichen 1 S 68/16) lehnten die Richter die Schmerzensgeldansprüche gegenüber der Witwe ab und bestätigten damit die erstinstanzliche Entscheidung.

Die Ehefrau des Verstorbenen hatte die Urne aus dem Familiengrab entnehmen und die Asche anschließend im Rahmen einer Flussbestattung in den Niederlanden beisetzen lassen. Inwieweit die Umbettung dem Willen des Ehemannes entsprach und überhaupt hätte genehmigt werden dürfen, blieb zweifelhaft. Die Tochter des Verstorbenen erfuhr von der Entnahme der Urne und konnte gerichtlich durchsetzen, über den neuen Beisetzungsort informiert zu werden. Das Gericht erkannte darüber hinaus eine mögliche Verletzung der Persönlichkeitsrechte der Tochter, stufte diese jedoch nicht als schwerwiegend genug für eine Schmerzensgeldzahlung ein.

"In ähnlichen Fällen haben Gerichte Betroffenen jedoch auch schon Schmerzensgeld zugesprochen", weiß Rechtsanwalt und Aeternitas-Rechtsreferent Torsten Schmitt. Grundsätzlich kann in solchen Fällen ein Anspruch also durchaus berechtigt sein. Im vorliegenden Fall hätte nach Ansicht der Richter jedoch nachgewiesen werden müssen, dass die Witwe als Totenfürsorgeberechtigte "aus sachwidrigen Gründen" gehandelt habe. Dies wäre zum Beispiel der Fall, wenn sie ohne legitime, eigene Interessen den Verlust der Trauerstätte zu Lasten des Angehörigen in Kauf genommen oder im äußersten Fall sogar auf deren emotionale Verletzung abgezielt hätte.

Mehr über die Urteilsbegründung können Sie in der entsprechenden Meldung zum Urteil bei unseren "Recht-News" auf dieser Webseite nachlesen.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Friedhofsnutzer muss Steineinfassung beseitigen

OVG Berlin-Brandenburg gibt Friedhofsträger Recht 

Mit Urteil vom 27.04.2017 hat das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg in einem Berufungsverfahren eine Beseitigungsanordnung des Friedhofsträgers bestätigt. Der Grabnutzer war aufgefordert worden, eine Grabeinfassung aus Stein zu entfernen.

Nach § 17 der Berliner Friedhofsordnung sei die Friedhofsverwaltung berechtigt, dem Nutzungsberechtigten „angemessene Maßnahmen“ aufzugeben, wenn die Gestaltung einer Grabstätte nicht dem Belegungsplan entspreche.

Dazu sei entgegen der Auffassung des erstinstanzlichen Gerichts nicht maßgeblich, dass es für den Friedhof einen entsprechend der aktuellen Friedhofsordnung vom Bezirksamt beschlossenen Belegungsplan gebe. Auch vor Inkrafttreten der Friedhofsordnung erstellte Belegungspläne und darin enthaltene Regelungen zur Gestaltung von Grabstätten könnten herangezogen werden. Weder die Friedhofsordnung noch ihre gesetzliche Grundlage, das Friedhofsgesetz Berlin, enthielten nämlich Regelungen, mit denen bisher geltende Belegungspläne aufgehoben würden oder aus denen sich ergebe, dass sie obsolet wären. Mangels einer derartigen Regelung seien Belegungspläne weiterhin gültig, solange die Verwaltung danach verfahre und bis sie durch einen „neuen“, nach Maßgabe des § 19 der Friedhofsordnung beschlossenen Belegungsplan ersetzt würden.


Anmerkung:
Das Urteil erwähnt nicht, dass es in zumutbarer Entfernung auch immer Friedhofsteile ohne besondere Gestaltungsvorschriften geben muss. Nur dann kann es aber zulässig sein, in anderen Bereichen strengere Vorschriften zum Beispiel aus Geschmacksgründen zu erlassen.
In Zusammenschau mit dem erstinstanzlichen Urteil ergibt sich implizit, dass es in dem betroffenen Bezirk auch Friedhofsteile ohne zusätzliche Gestaltungsvorschriften gibt, in denen also insbesondere auch Steineinfassungen zulässig sind. Anderenfalls wäre das Urteil unseres Erachtens nicht vertretbar. Denn es ist ganz herrschende Meinung, dass zum Beispiel Grabplatten in Bereichen, in denen nur allgemeine Gestaltungsvorschriften gelten, lediglich dann verboten werden dürfen, wenn gutachterlich nachgewiesen ist, dass diese zu Verwesungsstörungen führen. Dann dürfte also die kleinere Steineinfassung erst Recht nicht ohne Weiteres verboten werden. In dem Urteil scheint eine noch strengere Rechtsauffassung anzuklingen: Es wird darin nämlich zur weiteren Begründung scheinbar grundsätzlich auf die Möglichkeit Bezug genommen, aus Umweltgesichtspunkten für die gärtnerische Gestaltung verrottbare Gegenstände vorzuschreiben. Dies ist jedoch für eine Steinumrandung nicht passend, für die eher auf die Vorschriften für Grabmale abzustellen wäre, zu denen sie häufig gehört.

(Quelle: Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg v. 27.04.2017, Az.: 12 B 13.15)
(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

 

Hilfe für die Stunde X - vom Umgang mit der Leiche und dem Tod

Impuls- und Frage-Forum in Lünen


Am 17. Mai findet in Lünen das Impuls- und Frage-Forum zum Thema "Hilfe für die Stunde X - vom Umgang mit der Leiche und dem Tod" statt. Beginn ist um 15:30 Uhr im Hansesaal, Kurt-Schumacher-Straße 41, der Eintrittspreis beträgt fünf (Vorverkauf) bzw. sieben Euro (Tageskasse).

Carmen Thomas leitet als Moderatorin und Autorin das Gespräch mit Menschen vor Ort über ein Thema, das alle angeht - das einzig sichere im Leben: den Tod. Und der kennt bekanntlich kein Alter. Deshalb ist es bedeutsam, mehr darüber zu wissen - sowohl über den Tod im direkten Umfeld als auch über den eigenen. Ziel ist es, Fragen zu klären und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Tod und Bestattung bereichernd zu einer Chance für das eigene Leben werden können.

Carmen Thomas hat unter anderem in den 20 Jahren "Hallo Ü-Wagen" 36 der fast dreistündigen Mitmach-Sendungen im WDR zum Thema "Sterben und Tod" moderiert. Sie ist heute geschäftsführende Direktorin der 1. ModerationsAkademie für Medien + Wirtschaft in Köln. Als Autorin des Bestsellers "Berührungsängste? - Vom Umgang mit der Leiche" gibt sie im Impuls-Forum Einblicke in ihre gesammelten Erfahrungen. Im Frage-Forum beantworten Fachleute aus der Praxis alles, was von Interesse ist: ein Bestatter, Christoph Keldenich (Aeternitas-Vorsitzender) und ein Vertreter/eine Vertreterin des Friedhofsamtes Lünen.

Weitere Informationen finden Sie bei nrw-bestatter.de.

(Quelle:Aeternitas e.V.)

 

 

BGH: Bestatter-Preisvergleichsportal muss auf Provisionen hinweisen

Richter bestätigen Urteil des Landgerichts Berlin 

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes vom 27. April 2017 (AZ I ZR 55/16) muss ein Internet-Preisvergleichsportal für Bestatter umfangreicheren Informationspflichten nachkommen, als bisher gehandhabt, speziell zum Thema Provisionen. Der unter anderem für das Wettbewerbsrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat sich mit der Frage befasst, welche Informationspflichten dem Betreiber eines im Internet angebotenen Preisvergleichsportals obliegen.

Der Kläger ist ein eingetragener Verein, der nach seiner Satzung die Förderung der gewerblichen Interessen seiner Mitglieder verfolgt (Bundesverband Deutscher Bestatter). Die Beklagte zu 1, deren Geschäftsführer der Beklagte zu 2 ist, betreibt im Internet ein Preisvergleichsportal für Bestattungsleistungen (www.bestattungsvergleich.de).

Auf dem Vergleichsportal der Beklagten zu 1 wird ein Interessent zunächst aufgefordert, die gewünschten Leistungen einzugeben. Danach werden verbindliche Angebote verschiedener Bestatter angezeigt, aus denen der Interessent drei Angebote auswählen kann. Die Beklagte zu 1 berücksichtigt bei ihrem Preisvergleich nur Anbieter, die mit ihr für den Fall eines Vertragsabschlusses eine Provision von 15 Prozent oder 17,5 Prozent des Angebotspreises vereinbaren. Die Nutzer des Portals werden auf die Provisionsvereinbarung nicht hingewiesen. Sie lässt sich lediglich einem Hinweis im Geschäftskundenbereich der Internetseite entnehmen.

Der Kläger hält den fehlenden Hinweis auf die Provisionspflicht der im Preisvergleich berücksichtigten Anbieter für einen Verstoß gegen § 5a Abs. 2 UWG. Er hat beantragt, der Beklagten zu verbieten, Bestattungsleistungen im Internet anzubieten, ohne den Nutzer darauf hinzuweisen, dass die Beklagte zu 1 im Falle eines Vertragsschlusses zwischen dem Nutzer und dem über den Preisvergleich vermittelten Bestattungsunternehmen eine Provisionszahlung des Bestattungsunternehmens erhält.

Das Landgericht hat die Beklagten antragsgemäß verurteilt. Das Berufungsgericht hat die Klage abgewiesen. Der Bundesgerichtshof hat auf die Revision der Klägerin das Urteil des Berufungsgerichts aufgehoben und das Urteil des Landgerichts wiederhergestellt.

Die Information darüber, dass in einem Preisvergleichsportal nur Anbieter berücksichtigt werden, die sich für den Fall des Vertragsschlusses mit dem Nutzer zur Zahlung einer Provision an den Portalbetreiber verpflichtet haben, ist eine wesentliche Information im Sinne des § 5a Abs. 2 UWG. Eine Information ist wesentlich, wenn sie nach den Umständen des Einzelfalles unter Berücksichtigung der beiderseitigen Interessen vom Unternehmer erwartet werden kann und ihr für die geschäftliche Entscheidung des Verbrauchers ein erhebliches Gewicht zukommt. Der Verbraucher nutzt Preisvergleichsportale, um einen schnellen Überblick darüber zu erhalten, welche Anbieter es für ein bestimmtes Produkt gibt und welchen Preis der jeweilige Anbieter für das Produkt fordert. Dabei geht der Verbraucher, sofern keine entsprechenden Hinweise erfolgen, nicht davon aus, dass in den Vergleich nur solche Anbieter einbezogen werden, die dem Betreiber des Portals im Falle des Vertragsabschlusses mit dem Nutzer eine Provision zahlen. Diese Information ist für den Verbraucher von erheblichem Interesse, weil sie nicht seiner Erwartung entspricht, der Preisvergleich umfasse weitgehend das im Internet verfügbare Marktumfeld und nicht nur eine gegenüber dem Betreiber provisionspflichtige Auswahl von Anbietern. Maßgebliche Interessen des Betreibers stehen der Information darüber, dass die gelisteten Anbieter dem Grund nach provisionspflichtig sind, nicht entgegen. Die Information muss so erteilt werden, dass der Verbraucher sie zur Kenntnis nehmen kann. Ein Hinweis auf der Geschäftskundenseite des Internetportals reicht hierfür nicht aus.

Vorinstanzen:

LG Berlin - Urteil vom 2. September 2014 - 91 O 19/14

Kammergericht - Urteil vom 16. Februar 2016 - 5 U 129/14

(Quelle: Pressemitteilung Nr. 57/2017 des Bundesgerichtshofes)
(Quelle: Aeternitas e.V.)
 

 

Aeternitas-Ratgeber zu Witwen-, Waisen- und Erziehungsrente

Ansprüche der Angehörigen nach einem Todesfall


Nach dem Tod eines Menschen können Angehörige einen Anspruch auf eine "Rente wegen Todes" haben. Die drei verschiedenen Arten von Hinterbliebenenrenten können folgenden Personen zustehen: der Witwe/dem Witwer (Witwenrente), den Kindern der verstorbenen Person (Waisenrente) oder aber auch dem geschiedenen Ehegatten/der geschiedenen Ehegattin (Erziehungsrente).

Über die verschiedenen Varianten von Hinterbliebenenrenten und wem diese unter welchen Umständen, in welcher Höhe und wie lange zustehen, erläutert Aeternitas im neuen Kurzratgeber "Witwen-, Waisen- und Erziehungsrente. Ansprüche nach einem Todesfall". Darüber hinaus finden Sie darin neben Informationen zur Beantragung Verweise auf weitere ausführliche Broschüren zum Thema und auf die notwendigen Formulare.

Der Aeternitas-Ratgeber steht Ihnen unterhalb des Textes zum kostenlosen Download (PDF) zur Verfügung.

Dateien zu diesem Artikel zum Download:
  Ratgeber Witwen-, Waisen- und Erziehungsrente ( 150 Kb )

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

20 Jahre private Krematorien

Kommunen und private Betreiber in hartem Konkurrenzkampf 


Im Jahr 1997 ist im rheinland-pfälzischen Landau das erste rein privatwirtschaftlich betriebene Krematorium hierzulande eröffnet worden. Mittlerweile befindet sich fast jedes zweite Krematorium in privater Hand. Trotz der zunehmenden Zahl an Einäscherungen ist der Markt hart umkämpft.

159 Krematorien bieten in Deutschland Einäscherungen an. Vor zwanzig Jahren waren es noch ungefähr 110, bis auf Einzelfälle durchweg in kommunaler Hand. Mittlerweile werden 72 Standorte privat betrieben, 87 weiterhin kommunal. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die 1997 mit der Eröffnung der ersten privaten Krematorien - erst in Landau, dann unter anderem in Hannover und Lahr - begonnen hatte.

Im gleichen Zeitraum hat sich der Anteil der Feuerbestattungen von knapp unter 40 auf über 60 Prozent erhöht. Dennoch kämpfen manche Krematorien mit Überkapazitäten. Immer mehr Anbieter drängen in den Markt. Um Marktanteile gerungen wird mit niedrigen Preisen, aber auch mit besserem Service, zum Beispiel einer zügigen Abwicklung. Darüber hinaus fließen beim Kampf um Aufträge häufig Provisionen an die Bestatter. Moderne Krematorien verfügen zudem oft, anders als viele ältere Standorte, über besonders große Kapazitäten und arbeiten manchmal sogar rund um die Uhr. Marktführer ist hier das Rhein-Taunus-Krematorium in der Nähe von Koblenz mit knapp über 30.000 Einäscherungen im Jahr.

Manche Kommunen wie Krefeld oder Frankfurt am Main sahen sich in den vergangenen Jahren gezwungen, ihre Krematorien zu schließen. Notwendige Sanierungen waren nicht zu finanzieren oder durch die private Konkurrenz waren die Einäscherungszahlen massiv zurückgegangen. Andere Städte wie Braunschweig oder Saalfeld übergaben ihre Anlagen an private Betreiber. In Braunschweig zum Beispiel handelte es sich hierbei um eine Gruppe von Bestattern. Aktuell suchen unter anderem Köln und Göppingen nach privaten Investoren für ihre städtischen Krematorien. Vielerorts wurden in den letzten Jahren auch bislang von der Friedhofsverwaltung geführte Krematorien in städtische Eigenbetriebe, GmbHs oder ähnliche Rechtsformen ausgelagert, teilweise unter Beteiligung privater Unternehmer. Vereinzelt stiegen Betreiber aus dem benachbarten Ausland in den deutschen Markt ein und eröffneten hierzulande einen Standort.

Aeternitas e.V., die Verbraucherinitiative Bestattungskultur, zeigt unter   http://krematorien.aeternitas.de eine Liste mit allen Anbietern in Deutschland. Standorte und Kontaktdaten wurden aktualisiert. Die Nutzer können bequem nach Postleitzahlen oder Orten sortiert nach Krematorien suchen.

(Quelle: Aetenitas e.V.)

 


"Trauerforschung im Fokus": Neuer Newsletter 01/2017 erschienen

Akutelles aus der internationalen Trauerforschung 


Das Projekt "Trauerforschung im Fokus" hat den neuen Newsletter (Ausgabe 1/2017) veröffentlicht. Folgende Themen und Erkenntnisse der internationalen Trauerforschung finden Sie in der aktuellen Ausgabe:

  • Verlust, Trauer und Positive Psychologie
  • Wann ist Trauer eine psychische Erkrankung? Trauer als diagnostisches Kriterium in der ICD-11 und im DSM-V.
  • Die Bedeutung der Familie bei Verlusten: Entwicklung eines integrativen intra- und interpersonellen Bewältigungsmodells
  • "Es war doch nur ein Freund": Wie junge Erwachsene den Verlust eines engen Freundes durch ein terroristisches Attentat verarbeiten - eine qualitative Studie

Ganz besonders möchten die Herausgeberinnen auf den Beitrag von Birgit Wagner hinweisen. Er beleuchtet die Bestrebungen, die lang anhaltende Trauer als eigenständiges Krankheitsbild in die ICD-11 mitaufzunehmen. Sie fanden den Beitrag wunderbar geeignet für den Newsletter, da dieses Thema gerade viel diskutiert wird und der Beitrag auf ganz sachliche Weise das pro und contra abwägt. Und das Beste: Er liegt in deutscher Sprache vor.

Nachlesen können Sie den aktuellen und alle bisher erschienenen Newsletter auf der Webseite  www.trauerforschung.de. Dort können Sie den Newsletter auch abonnieren.
 

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Verwaltungsgericht Münster: Freie Grabgestaltung auch auf kirchlichen Friedhöfen

Verbote nur bei zumutbaren Ausweichmöglichkeiten zulässig 

Ein katholischer Friedhofsträger in der Stadt Borken verpflichtete eine Grabrechtsinhaberin zur Beseitigung einer Einfassung von dem Grab ihres Mannes. Hiergegen setzte sie sich vor dem Verwaltungsgericht Münster in einem kürzlich durch Urteil beendeten Verfahren erfolgreich zur Wehr.

Das Gericht begründete seine Entscheidung wie folgt:
Zum einen dürfte mit der erteilten Genehmigung für das Grabmal auch die Grabeinfassung genehmigt worden sein. Denn die dem Antrag beiliegenden Zeichnung hätte auch die Einfassung dargestellt.

Zum anderen sei ein Verbot von Grabeinfassungen auf Grund der zu berücksichtigenden allgemeinen Handlungsfreiheit (Artikel 2 Absatz 1 Grundgesetz) nur dann zulässig, wenn in zumutbarer Nähe „gestaltungsfreie Friedhofsflächen“ vorhanden seien, auf denen auch eine von den ästhetischen Vorstellungen des Friedhofsträgers abweichende Grabmalgestaltung zulässig wäre. Gebe es im Ort andere Friedhöfe, so könne es ausreichen, dass auf diesen eine abweichende Gestaltung vorgesehen wird. Dies sei aber vorliegend nicht der Fall. In Borken gebe es keine für alle zugängliche gestaltungsfreien Friedhofsflächen. Der die Grabeinfassungen verbietende Teil der Friedhofssatzung sei daher unwirksam.

Selbst wenn man annähme, dass auf einem der evangelischen Friedhöfe Gestaltungsfreiheit bestünde, würde dies zu keiner abweichenden Beurteilung führen. Zu Gunsten der Klägerin sei nämlich außerdem ihr Grundrecht aus Art. 4 Abs. 1 GG zu berücksichtigen. Dies führe zwar nicht dazu, dass ein Ausweichen auf einen nichtkonfessionellen, städtischen Friedhof unzumutbar wäre. Etwas anderes gelte jedoch dann, wenn die Gestaltungsfreiheit nur auf einem anderen konfessionsgebundenen Friedhof bzw. Friedhofsteil verwirklicht werden könne. In diesem Fall sei ein Ausweichen unzumutbar. Gestaltungsfreie Friedhofsflächen auf einem evangelischen Friedhof würden daher nicht zur Zulässigkeit des Verbots von Grabeinfassungen auf den katholischen Friedhöfen führen.

(Quelle: Urteil des Verwaltungsgerichts Münster vom 16.01.2017, Az.: 1 K 1652/15)
(Quelle: Aeternitas e.V.)
 

 

Tagung "Öffentliche Leistungen und Funktionen aktiver Friedhöfe"

Veranstaltung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt


Am 29. Mai 2017 findet bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (BBU) in Osnabrück die Tagung "Öffentliche Leistungen und Funktionen aktiver Friedhöfe" statt.

Die DBU schreibt dazu:

Friedhöfe sind multifunktionale Orte, vor allem in Ballungsräumen sind sie wertvolle und oft die einzigen wohnungsnahen Grünflächen. Im Zuge veränderter Rahmenbedingungen im Friedhofs- und Bestattungswesen müssen in zunehmendem Maße öffentliche Haushaltsmittel für die Sicherung aktiver Friedhöfe im urbanen Raum eingesetzt werden.

Die DBU förderte im Zeitraum von 2013 bis 2016 hierzu eine interdisziplinäre Forschungsarbeit, die nachweist, dass diese öffentlichen Haushaltsmittel sinnvoll angelegt sind, weil die Zukunftssicherung der Friedhöfe von großem öffentlichem Interesse ist. Erstmals kann anhand definierter Bewertungskriterien zu öffentlichen Leistungen und Funktionen von Stadtfriedhöfen eine nachvollziehbare Priorisierung verschiedener aktiver Stadtfriedhöfe erfolgen.

So wird ihre Wertigkeit bezüglich der Erholungs- und Freizeitnutzung, des Denkmalwerts, der stadtklimatischen sowie der ökologischen Funktion und der wirtschaftlichen Bedeutung der Friedhöfe für kleine und mittlere Unternehmen detailliert in einer Bewertungsmatrix erfasst. Ergänzend wurde die Leistung von Friedhöfen bei der Inklusion leistungsgeminderter Menschen als weitere zu definierende Leistung und Funktion erkannt und ihr Wert in diese Matrix aufgenommen.

Im Rahmen der Tagung werden die wesentlichen Forschungsergebnisse präsentiert und somit eine Diskussion zur Bedeutung aktiver Friedhöfe im urbanen Raum angeregt. Darüber hinaus wird ein Pilotprojekt zur weiteren Validierung der Forschungsergebnisse vorgestellt, das ebenfalls fachlich diskutiert werden soll.

Weitere Informationen und das Programm finden Sie auf der  DBU-Webseite.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Leichnam darf nicht mit umziehen

VG München: Wille der Verstorbenen zur Umbettung ist unbeachtlich

Das Verwaltungsgericht München hat in einem kürzlich veröffentlichten Urteil den Umbettungsantrag des Sohnes einer Verstorbenen abgelehnt. Die gesamte Familie war in einen rund 500 Kilometer entfernten Ort gezogen. Daher wollte der Sohn den Leichnam seiner Mutter auf den Friedhof des neuen Heimatortes bringen lassen.

Das Verwaltungsgericht erteilte diesem Ansinnen eine Absage:
Nur bei Vorliegen eines wichtigen Grundes sei ausnahmsweise eine Umbettung zu genehmigen. Es sei dabei zwar eine Abwägung zwischen dem Interesse des Antragstellers an einer Umbettung und dem Gebot der Totenruhe vorzunehmen. Auszugehen sei aber davon, dass der Totenruhe grundsätzlich Vorrang einzuräumen sei, da der den Schutz der Totenruhe gewährleistende Artikel 1 Absatz 1 des Grundgesetzes einen besonderen Rang habe.

Einen wichtigen Grund würde insbesondere auch nicht ein geäußerter Wille der Verstorbenen darstellen, im Falle eines Umzuges mitgenommen zu werden. Es sei alleine der Wille maßgeblich, wo die Verstorbene zum Todeszeitpunkt habe bestattet werden wollen. Anderenfalls würde angesichts der mobiler werdenden Gesellschaft die Ausnahme zur Regel.

Auch eine schwere Depression des Sohnes der Verstorbenen, die durch seltenere Grabbesuche erschwert werden könne, stelle keinen wichtigen Grund dar. Das Gericht hatte diesbezüglich schon Zweifel an der Aussagekraft des vorgelegten Attestes. Es entspreche außerdem der Lebenserfahrung und zähle somit zum allgemeinen Lebensrisiko, dass es infolge des Todes von Angehörigen zu Depressionen kommen könne. Die Verschlechterung des Gesundheitszustandes falle somit allein in den Risikobereich des Überlebenden. Eine psychische Erkrankung könne nicht auf Kosten der Totenruhe der Verstorbenen behandelt werden.

Kritik:
Insbesondere wird in dem Urteil ein wesentlicher vom Bundesverfassungsgericht festgestellter Grundsatz zu Artikel 1 Grundgesetz in Ausprägung der Totenruhe verkannt (vgl. BVerfG Beschluss v. 09.05.2016 1 BvR 2202/13). Der Rechtsprechung lässt sich nämlich entnehmen, dass bei der Frage, was der Totenwürde entspricht, dem Willen des Verstorbenen ein besonderes Gewicht zukommt. Will der Verstorbene aber im Falle eines Umzuges seiner Familie mitgenommen werden, so wird dessen Würde daher nur mit einer Umbettung genüge getan. Es liegt im Interesse der Verstorbenen, dass Grabbesuche und Grabpflege durch die Angehörigen einfacher und damit besser möglich sind, wohingegen eine Ablehnung zu einer Vernachlässigung der Grabstätte führen kann.
 

(Quelle: Urteil des Verwaltungsgerichts München vom 29.09.2016, Az.: M 12 K 16.1874)
(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Pflegeheim kann Übernahme der Bestattungskosten einer mittellosen Bewohnerin verlangen

Sozialgericht Gießen verpflichtet Sozialhilfeträger

Die Klägerin, ein Pflegeheim, begehrt von dem beklagten Landeswohlfahrtsverband Erstattung der von ihr verauslagten Kosten für die Bestattung einer in ihrem Gießener Pflegeheim am 06.11.2013 verstorbenen Bewohnerin. Der Heimleiter hatte ein Bestattungsunternehmen mit der Durchführung der Bestattung beauftragt. Dieses stellte der Klägerin hierfür 2.857,69 Euro in Rechnung. Die Klägerin verlangte mit Schreiben vom 21.01.2014 von dem Beklagten Erstattung dieses Betrages abzüglich eines noch vorhandenen Vermögens in Höhe von 599,81 Euro. Da der Beklagte diesem Begehren mit den angefochtenen Bescheiden unter Hinweis auf vorrangig in Anspruch zu nehmende Angehörige nicht entsprach, erhob der Heimträger Klage bei dem Sozialgericht Gießen. Die Klägerin führte aus, sie sei nach § 13 Abs. 3 des Hessischen Friedhofs- und Bestattungsgesetzes verpflichtet gewesen, die Bestattung in Auftrag zu geben. Es sei ihr nicht zuzumuten, diese Kosten zu tragen.

Die Klage auf Erstattung der Aufwendungen für die Bestattung hatte Erfolg. Das Gericht nahm zunächst auf § 74 SGB XII Bezug. Danach sind im Rahmen der Sozialhilfe die erforderlichen Kosten einer Bestattung zu übernehmen, soweit dem hierzu verpflichteten nicht zugemutet werden kann, die Kosten zu tragen. Der Klägerin stehe ein solcher Anspruch zu. Ein Anspruch auf Kostenübernahme aus § 74 SGB XII könne auch einer juristischen Person zustehen. Die Klägerin sei "Verpflichtete" im Sinne des § 74 SGB XII gewesen. Die Verpflichtung beziehe sich auf die Tragung der Bestattungskosten und rühre aus den landesrechtlichen Bestattungspflichten des FBG her. Eine solche Pflicht habe für die Klägerin bestanden. Auch könne der Klägerin nicht zugemutet werden, die Kosten zu tragen. Der Begriff der Zumutbarkeit im Sinne von § 74 SGB XII sei nach Maßgabe der Umstände des Einzelfalles ausfüllungsbedürftig. Dabei könnten auch Maßstäbe und Umstände eine Rolle spielen, die als solche im Allgemeinen sozialhilferechtlich unbeachtet seien, denen aber vor dem Hintergrund des Zwecks des § 74 SGB XII Rechnung getragen werden müsse. Dabei sei zum einen an die persönliche und rechtliche Nähe zur Verstorbenen anzuknüpfen und zum anderen daran, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang es dem Verpflichteten möglich sei, selbst für eine anderweitige Entlastung zu sorgen. Im Übrigen dürfe der Sozialhilfeträger dem Bestattungspflichtigen nicht Ausgleichsansprüche gegenüber Angehörigen entgegenhalten, wenn diese selbst hilfebedürftig seien und eine Betreuung bestehe.

(Quelle: Pressemitteilung des Sozialgerichts Gießen vom 06.02.2017; Urteil vom 17.01.2017, Az.: S 18 SO 183/14)
(Quelle: Aeternitas e.V.)
 

Digitaler Nachlass - Haben Sie schon vorgesorgt?

Neuer Bereich auf www.aeternitas.de informiert ausführlich


Immer mehr Menschen, die sterben, hinterlassen auch ein digitales Erbe. Dazu zählen zum Beispiel E-Mail-Accounts, Social-Media- und andere Onlinekonten sowie eigene Homepages und unterschiedlichste digitale Spuren. Der Umgang damit ist für die meisten Hinterbliebenen Neuland. Auch die Branche tut sich noch schwer mit Lösungen, die individuell passen. Hilfreich wäre die entsprechende Vorsorge zu Lebzeiten, so dass die Hinterbliebenen nach dem eigenen Tod wissen, was zu tun ist.

In einem neuen, gesonderten Bereich unserer Webseite stellt Aeternitas die wichtigsten Informationen zum Thema bereit und beantwortet folgende Fragen: Um welche Daten geht es beim digitalen Nachlass eigentlich? Wo liegt der digitale Nachlass? Wie geht man als Erbe mit dem digitalen Nachlass um? Dazu gibt es zahlreiche hilfreiche Tipps für die Praxis.

Hier geht es direkt zum  Digitalen Nachlass.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Keine Änderung des Bestattungsgesetzes in Schleswig-Holstein

Vorstoß der Piratenfraktion gescheitert


In Schleswig-Holstein wird der Friedhofszwang für Urnen nicht gelockert. Ein Vorstoß der Piraten-Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag zu einer Änderung des Bestattungsgesetzes scheiterte, obwohl sich kurz zuvor im Rahmen einer repräsentativen Umfrage die große Mehrheit der Schleswig-Holsteiner offen zeigte für ein liberaleres Bestattungsrecht ( Aeternitas berichtete).

Ausführlich zum Thema berichtet die Katholische Nachrichtenagentur, zum Beispiel hier bei  Domradio.de.

 

(Quelle:Aeternitas e.V.)

 

 

 

Urnentransport durch Angehörige häufig verboten

Nur etwa die Hälfte der Bundesländer kommt Angehörigen entgegen


Fast die Hälfte der Bundesländer verwehrt es Hinterbliebenen, die Urne Verstorbener selbst vom Krematorium zum Friedhof zu transportieren. Offenbar wird Ihnen kein pietätvoller Umgang mit der Asche ihrer Verwandten zugetraut.

Wenn ein Niedersachse die Urne seiner in Hamburg eingeäscherten Mutter selbst zu einem Friedhof in seiner Heimat bringen möchte, hat er ein Problem. Dies ist ihm nach dem niedersächsischen Bestattungsgesetz zwar erlaubt, in Hamburg jedoch verboten. Dort wird er die Urne nicht ausgehändigt bekommen. Auch sechs weitere Bundesländer untersagen den Urnentransport durch Angehörige: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Ein angemessener Umgang mit den sterblichen Überresten wird dort nur Krematoriums- und Friedhofsangestellten sowie Bestattern zugetraut - und darüber hinaus den Mitarbeitern von Paketdiensten.

Nach Ansicht von Aeternitas e.V., der Verbraucherinitiative Bestattungskultur, sollten alle Bundesländer Trauernden diesen Dienst am Verstorbenen ermöglichen. "Womöglich steckt hinter dem Verbot die Sorge um die Totenwürde", sagt der Aeternitas-Rechtsreferent, Rechtsanwalt Torsten Schmitt. Dies wirft jedoch die Frage auf, warum der weithin übliche Postversand von Urnen eher der Totenwürde entsprechen sollte. Wer die Asche Verstorbener persönlich zur Grabstätte befördert, zeigt damit den Wunsch nach aktiver Teilhabe. "Von einem pietätvollen Umgang mit den sterblichen Überresten sollte beim Transport durch die Angehörigen grundsätzlich ausgegangen werden", betont Schmitt. Aus dem Verbot spreche hingegen ein Misstrauen gegenüber Trauernden, das den Bürger bevormunde.

Der Sorge, die sterblichen Überreste könnten auf dem Weg zum Friedhof verschwinden, schieben die entsprechenden Regelungen der jeweiligen Bundesländer einen Riegel vor. An Angehörige ausgehändigt werden dürfen die - versiegelten - Urnen nur, wenn eine ordnungsgemäße Beisetzung sichergestellt ist. In der Praxis bedeutet dies, dass tatsächlich ein Grabplatz auf einem Friedhof nachgewiesen werden muss.

Folgende, unten stehende Tabelle (PDF-Datei) zeigt Ihnen eine Länderübersicht zum möglichen Urnentransport durch Angehörige inklusive vorhandener Ausnahmen und der entsprechenden Quellen in den Gesetzen und Verordnungen:

Dateien zu diesem Artikel zum Download:
  Länderübersicht Urnentransport Angehörige ( 82 Kb )

(Quelle: Aeternitas.e.V.)

 

Zahl der Todesfälle im Jahr 2015 um 6,5 Prozent gestiegen

Statistisches Bundesamt veröffentlicht aktuelle Zahlen

Im Jahr 2015 verstarben in Deutschland insgesamt 925.200 Menschen, davon 449.512 Männer und 475.688 Frauen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, ist damit die Zahl der Todesfälle gegenüber dem Vorjahr um 6,5 Prozent gestiegen. Nahezu die Hälfte der verstorbenen Frauen und ein Viertel der verstorbenen Männer waren 85 Jahre und älter.

Die häufigste Todesursache im Jahr 2015 war, wie schon in den Vorjahren, eine Herz-/Kreislauferkrankung. 39 Prozent aller Sterbefälle waren darauf zurückzuführen. Von den 356.625 Menschen, die an einer Herz-/Kreislauferkrankung verstarben, waren 157.999 Männer und 198.626 Frauen. Vor allem bei älteren Menschen führten diese Erkrankungen zum Tod. 92 Prozent der an einer Krankheit des Herz-Kreislaufsystems Verstorbenen waren 65 Jahre und älter. An einem Herzinfarkt, der zu dieser Krankheitsgruppe gehört, verstarben im Jahr 2015 insgesamt 50.948 Menschen. Davon waren 57 Prozent Männer und 43 Prozent Frauen.

Zweithäufigste Todesursache waren die Krebserkrankungen: Beinahe ein Viertel aller Verstorbenen (226.337 Menschen) erlag im Jahr 2015 einem Krebsleiden, darunter 122.916 Männer und 103.421 Frauen. Bei Männern waren die bösartigen Neubildungen der Verdauungsorgane beziehungsweise der Atmungsorgane (Lungen- und Bronchialkrebs) die am häufigsten diagnostizierten Krebsarten. Frauen waren ebenfalls am häufigsten von einer bösartigen Neubildung der Verdauungsorgane betroffen. Häufigste Einzeldiagnose bei den Krebserkrankungen von Frauen war jedoch der Brustkrebs.

Vier Prozent aller Todesfälle waren auf eine nicht natürliche Todesursache wie zum Beispiel eine Verletzung oder Vergiftung zurückzuführen (36.503 Sterbefälle). In 12.868 Fällen (6.027 Männer und 6.841 Frauen) war ein Sturz die Ursache für den Tod. Durch einen Suizid beendeten 10.080 Menschen ihr Leben, wobei der Anteil der Männer mit 73 Prozent fast dreimal so hoch war wie der Anteil der Frauen mit 27 Prozent.

Quelle: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Friedhofsträger dürfen nur Antragsteller selbst mit Gebühren belasten

VG Saarlouis: Eine Erben belastende Satzungsregelung ist nichtig

Das Verwaltungsgericht Saarlouis hat mit einem kürzlich veröffentlichten Urteil einen Friedhofsgebührenbescheid aufgehoben. In letzterem hatte die beklagte Friedhofsverwaltung die beiden Kinder als Erben ihrer verstorbenen Mutter zur Tragung der Friedhofsgebühren für deren Beisetzung verpflichtet. Nur der Ehemann der Verstorbenen hatte jedoch die Bestattung auf dem Friedhof der Beklagten veranlasst.

Grundlage des Gebührenbescheides war eine Regelung der Friedhofsgebührensatzung, in der Erben als Gebührenschuldner bezeichnet werden. Nach Ansicht des Verwaltungsgerichts ist diese Regelung nichtig. Es handele sich bei den streitigen Friedhofsgebühren um Benutzungsgebühren, die nach dem Kommunalabgabengesetz des Saarlandes nur für die Benutzung einer öffentlichen Einrichtung erhoben werden dürften. Zur Gebührenzahlung sei daher nur derjenige verpflichtet, der die Bestattung selbst oder über einen Beauftragten veranlasst habe. Infolgedessen sei die Satzungsregelung nichtig. Die Erben dürften, da sie die Bestattung nicht beantragt hätten, nicht in Anspruch genommen werden.

Daran ändere auch die Annahme des Gerichts nichts, dass sie als nächste Angehörige gleichzeitig bestattungspflichtig gewesen wären. Bestattungspflicht und Friedhofszwang würden sich schließlich nicht von selbst vollziehen und könnten per se kein Gebühren auslösendes Nutzungsverhältnis begründen.

Ebenso wenig könne ein eventueller Anspruch aus § 1968 BGB, der eine Rechtsgrundlage zur Erstattung von Bestattungskosten gegenüber den Erben darstellt, den Bescheid rechtfertigen. Denn ein solcher Anspruch, sofern er denn bestünde, müsse vom Friedhofsträger im Wege der Zivilklage und nicht mit einem Gebührenbescheid geltend gemacht werden.

Hinzu käme, dass die einschlägige Friedhofsgebührensatzung den Zeitpunkt der Fälligkeit der Gebührenpflicht nicht bestimme. Das Kommunalabgabengesetz schreibe in Paragraph 2 Absatz 1 insoweit vor, dass kommunale Abgaben grundsätzlich nur aufgrund einer Satzung erhoben werden dürfe, die eine Regelung zur Fälligkeit enthalte. Auch aus diesem Grunde sei der Gebührenbescheid aufzuheben.
 

(Quelle: Urteil des VG Saarlouis vom 23.05.2016, AZ.: 3 K 958/15)
(Quelle: Aeternitas e.V.)
 
 

Klare Mehrheit der Bürger Schleswig-Holsteins für liberales Bestattungsrecht

Piratenfraktion veröffentlicht repräsentative Emnid-Umfrage
Nach einer von der schleswig-holsteinischen Piratenfraktion in Auftrag gegebenen repräsentativen Emnid-Umfrage sieht die große Mehrheit der Schleswig-Holsteiner eine Modernisierung des Bestattungsrechts positiv. 75 Prozent unterstützen den Vorschlag, den Friedhofzwang für Urnen bzw. Totenasche zu lockern, wie es der Gesetzesentwurf der Piratenfraktion vorschlägt, der nächste Woche im Landtag beraten werden soll.

Danach soll, wer eine Einäscherung wünscht, schriftlich festlegen können, was mit der eigenen Asche einmal geschehen soll. Man soll seinen Angehörigen erlauben können, die Urne für bis zu zwei Jahre in ihrer Wohnung aufzubewahren. Auch das Verstreuen der Asche außerhalb von Friedhöfen, wie zum Beispiel im eigenen Garten, soll in Zukunft möglich werden, wenn die verstorbene Person dies schriftlich verfügt hat.

Eine ausführliche Meldung zum Thema finden Sie bei  ndr.de. Die Ergebnisse hat die Piratenfraktion  im Detail veröffentlicht.
 
 

Diskussion um Abschaffung des Friedhofszwangs in Schleswig-Holstein

Piraten-Fraktion will am Mittwoch aktuelle Umfrage zum Thema vorstellen

Der schleswig-holsteinische Landtag wird nächste Woche in freier Abstimmung (ohne Fraktionszwang) über die Initiative der Piraten zur Liberalisierung des Bestattungsrechts entscheiden. Deutschlandweit erstmals soll jeder Bürger seinen Angehörigen die Aufbewahrung der Urne zuhause und das Verstreuen der Asche gestatten können.

Die Piratenfraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag hat zum Thema eine repräsentative Meinungsumfrage in Auftrag gegeben, um den Willen der Bürger in dieser Frage zu erheben. Die Ergebnisse werden am Mittwoch, dem 18. Januar, in einem Pressegespräch im Kieler Landtag vom Fraktionsvorsitzenden Dr. Patrick Breyer sowie dem Abgeordneten Uli König vorgestellt.

Hintergrund ist ein Gesetzentwurf der Piratenfraktion zur Liberalisierung des Bestattungsrechts und gegen den Friedhofszwang für Urnen, der bereits im Innen- und Rechtsausschuss beraten wurde. Dazu sagte der Fraktionsvorsitzende der Piraten, Dr. Patrick Breyer: "Jeder Mensch hat ein Recht auf Selbstbestimmung auch über seine sterblichen Überreste. Mit der Bevormundung der Bürger noch über den Tod hinaus muss Schluss sein!"

Drei Punkte wollen die Piraten ändern: Wer eine Einäscherung möchte, soll seinen Angehörigen schriftlich erlauben dürfen, die Urne vor der Bestattung für bis zu zwei Jahre in ihrer Wohnung aufzubewahren. Das Verstreuen der Asche außerhalb von Friedhöfen, wie z.B. im eigenen Garten, soll in Zukunft möglich werden, wenn die verstorbene Person dies schriftlich verfügt hat. Und Muslimen und Juden soll - zur Verhinderung von Sterbetourismus - eine traditionsgemäße Bestattung schon am Folgetag des Todes ermöglicht werden, wenn die Leichenschau durchgeführt worden ist.

Quelle: Pressemitteilung der Piratenfraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag

(Quelle: Aerternitas e.V.)

 

Landgericht Stade verbietet Werbung mit Bestatter-Logo auf Grabkreuzen

Werbungsverbot auf Friedhöfen schützt den Verbraucher

In einem aktuellen Urteil hat das Landgericht Stade einem Bestatter verboten, mit seinem Logo versehene Grabkreuze auf Friedhöfen aufzustellen. Ein Konkurrent hatte ihn auf Unterlassung verklagt.

Der beklagte Bestatter verkaufte seinen Kunden Grabkreuze, die über dem Querbalken mit seinem Logo versehen waren. Diese Holzkreuze wurden nach erfolgter Bestattung meist für mehrere Monate auf den jeweiligen Gräbern aufgestellt. Nach erfolgloser Abmahnung, dies zu unterlassen, hatte ein Konkurrent den Bestatter verklagt. Das Landgericht Stade gab dem Kläger Recht und begründete sein Urteil wie folgt:

Das in der örtlichen Friedhofssatzung enthaltene uneingeschränkte Werbeverbot diene den Friedhofsbesuchern (Verbrauchern), auf dem Friedhof als einem Ort der Trauer und des Gedenkens an Verstorbene von Werbung verschont zu werden. Der vorliegende Verstoß gegen die Satzungsvorschrift sei geeignet, die Interessen von Verbrauchern spürbar zu beeinträchtigen. Die Holzkreuze mit dem Firmenlogo des Beklagten würden auf den Friedhöfen vielfach - zum Teil sogar für Jahre - aufgestellt. Aufgrund der Platzierung des Logos könnten sich Hinterbliebene und sonstige Besucher der grafischen Darstellung nicht entziehen. Die Art der Werbung könne wegen der subtilen Art den einzelnen Verbraucher dazu veranlassen, später einmal dem Beklagten einen Bestattungsauftrag zu erteilen.

Laut Gericht könne das Aufstellen solcher Grabkreuze dem Beklagten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenten verschaffen, die sich an das Werbeverbot hielten.
 

(Quelle: Urteil des Landgerichts Stade vom 10.11.2016, Aktenzeichen 8 O 100/16)
(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Friedhofssatzung darf das älteste Kind als "Graberben" benennen

Oberverwaltungsgericht NRW gibt Friedhofsverwaltung Recht

In einem aktuellen Beschluss hat das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen in Münster dem Sohn eines Verstorbenen die Einräumung eines Grabnutzungsrechts versagt. Die ältere Tochter des Verstorbenen hatte das Nutzungsrecht nach Ansicht der Richter von der Friedhofsverwaltung aufgrund der Friedhofssatzung zu Recht alleine zugesprochen bekommen.

Der Vater hatte vor seinem Tod ein Nutzungsrecht an einer Wahlgrabstelle inne, das als Familiengrab genutzt wurde. Nach der vor Ort geltenden Friedhofssatzung erhält das älteste Kind das Grabnutzungsrecht, wenn zu Lebzeiten kein Nachfolger festgelegt wurde – in diesem Fall die Tochter. Der Sohn, das einzige weitere Kind des Verstorbenen, hatte zunächst außergerichtlich, dann vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf und nun im Berufungszulassungsverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen seinen (vermeintlichen) Anspruch auf Einräumung eines anteiligen Grabnutzungsrechts weiter verfolgt. Das Gericht bestätigte jedoch die Entscheidung der ersten Instanz und lehnte eine Berufungszulassung ab, da die Satzungsregelung mit höherrangigem Recht vereinbar sei. Begründet wurde diese Entscheidung unter anderem folgendermaßen:

Die Friedhofsträger dürften den Übergang der Grabnutzungsrechte abweichend von der Erbfolge regeln. Selbst wenn man davon ausgehe, dass das Grabnutzungsrecht unter den Eigentumsschutz des Art. 14 GG fiele, so wäre das Nutzungsrecht aber von vornherein mit der Beschränkung erworben worden, dass es mangels anderweitiger Bestimmung im Todesfall auf das älteste Kind übergehe.

Auch sei keine Ungleichbehandlung im Sinne des Art. 3 Abs. 1 GG anzunehmen, denn die Ungleichbehandlung sei sachlich gerechtfertigt:
Der Übergang des Grabnutzungsrechts auf nur einen einzelnen Rechtsnachfolger gewährleistet eine eindeutige Zuordnung für den Friedhofsträger insbesondere auch bei einer großen Anzahl gleichrangiger Hinterbliebener. Die Regelung vermeide, dass Streit zwischen den Hinterbliebenen entstehe und ermögliche der Friedhofsverwaltung zügige Entscheidungen.

Hinweis:
Den meisten Bürgern ist nicht bewusst, dass von der Erbfolge nicht auch "automatisch" das Grabnutzungsrecht mit umfasst ist. Wer ein Interesse daran hat, dass sich später eine bestimmte Person um die Grabpflege kümmert, sollte dies mit der betroffenen Person und der Friedhofsverwaltung frühzeitig klären.
 

(Quelle: Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster vom 28.10.2016, Az.: 19 A 2345/15 )
(Quelle: Aeternitas e.V.)
 

WDR "Westpol" berichtet über überteuerte Totenscheine

Auch Aeternitas gibt im Beitrag Stellungnahme ab


Das WDR-Magazin "Westpol" berichtete am Sonntag über das Problem überteuerter Totenscheine. Aeternitas bemängelt schon länger, dass viele Ärzte für eine Leichenschau zu viel abrechnen und sich nicht an die Tarife der maßgeblichen Gebührenordnung halten. Weitere Informationen dazu finden Sie  hier auf unserer Webseite.

Den Beitrag von "Westpol", in dem auch Aeternitas zu Wort kommt, können Sie online auf der  Webseite von WDR "Westpol" ansehen.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

 

"Über die Ungewissheit des Todes und die Angst, lebendig begraben zu werden"

Ausstellung "Vita Dubia" im Sepulkralmuseum in Kassel

Vom 8. Oktober 2016 bis 16. April 2017 findet im Kasseler Sepulkralmuseum die Ausstellung "Vita Dubia - Über die Ungewissheit des Todes und die Angst, lebendig begraben zu werden" statt. Das Musuem schreibt dazu:

Um 1800 n. Chr. wird die Angst vor dem Scheintod zum weit verbreiteten Phänomen. Die Furcht der Menschen lebendig begraben oder eingeäschert zu werden, beschäftigte zwar schon die Ärzte in der Antike, doch nährten gerade die wissenschaftlichen Erkenntnisse und technischen Errungenschaften der Aufklärung die Zweifel daran, ob sich die Grenze zwischen Leben und Tod genau bestimmen lässt.

Dieses zutiefst beunruhigende Problem regte nicht nur Wissenschaftler zu bizarren Experimenten an und veranlasste skeptische Erfinder zum Bau skurriler Rettungsapparate. Es entfachte auch eine Debatte darüber, welche Hinrichtungsmethode "humaner" sei: Köpfen oder Hängen? Gleichzeitig löste die weit verbreitete Verunsicherung einen kreativen Impuls aus. Denn sie inspirierte die Dichter und Schriftsteller der Romantik zu großartigen, bisweilen düsteren und unheimlichen Gedichten, Novellen und Romanen. Zu den bekanntesten literarischen Werken zählen etwa "Schneewittchen" von den Brüdern Grimm oder auch Mary Shelleys "Frankenstein".

Zweifel, Angst und Unsicherheit von damals begegnen uns noch heute. Sie leben auch im Alltag des Bestattungswesens fort, denn trotz eines ärztlich ausgestellten Totenscheins dürfen Verstorbene noch immer nicht vor Ablauf einer bestimmten Frist beigesetzt werden.

Hier der  Flyer zur Ausstellung

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Fragen zu Bestattung und Erbe rechtzeitig klären

Neuer Aeternitas-Ratgeber zu Todesfall und Nachlass


Im Trauerfall muss nicht nur die Bestattung organisiert werden. Im Anschluss tauchen auch immer wieder zahlreiche Fragen zum Thema Erbschaft auf. Wer rechtzeitig und umfassend vorsorgt und Bestattung und Nachlass regelt, hilft den Hinterbliebenen.

Um die eigenen Bestattungswünsche abzusichern, empfehlen Experten die rechtzeitige Vorsorge. Dazu sollten die Wünsche zu Lebzeiten benannt und möglichst auch schriftlich festgehalten werden. Darüber hinaus ist es sinnvoll zu regeln, wer nach dem eigenen Tod die Wünsche umsetzen soll, zum Beispiel Verwandte, Freunde oder aber auch ein bestimmter Bestatter. Haben Verstorbene zu Lebzeiten nicht vorgesorgt, stehen die Hinterbliebenen häufig vor einem Berg offener Fragen. Sie können dann oft nur vermuten, was im Sinne des Verstorbenen wäre. Die immer zahlreicheren Beisetzungsvarianten auf Friedhöfen, aber auch außerhalb, erhöhen zwar die Auswahl, sorgen aber ebenso für Ratlosigkeit.

Wer sich nicht auf die gesetzliche Erbfolge verlassen will, sollte im Rahmen einer umfassenden Vorsorge auch den Nachlass regeln, zum Beispiel in einem Testament. Hier gilt das Gleiche wie für die Bestattungswünsche: Die Angehörigen - im Regelfall auch die Erben - erhalten Klarheit, der Vorsorgende die Gewissheit, dass seine Wünsche umgesetzt werden. Manchmal hängen Fragen der Bestattung auch mit dem Nachlass und den Rechten und Pflichten der Erben direkt zusammen. Zum Beispiel sind Erben gesetzlich verpflichtet, die Bestattungskosten zu tragen. Wichtig ist an dieser Stelle der Hinweis, dass die Bestattungswünsche selbst nicht ins Testament gehören. Dieses wird meist erst Wochen nach dem Tod und der Bestattung geöffnet.

Alle wichtigen Fragen zu Bestattungsvorsorge und Nachlass beantwortet der neu erschienene "Ratgeber Todesfall und Nachlass - Vorsorgen für Erbschaft und Bestattung", herausgegeben von Aeternitas e.V., der Verbraucherinitiative Bestattungskultur. Er vermittelt die notwendige Übersicht in rechtlichen und organisatorischen Fragen. Hilfreich ist der Ratgeber nicht nur für Menschen, die sich im Rahmen der Vorsorge mit Trauerfall und Erbe befassen. Er beantwortet auch die Fragen derjenigen, die sich als Hinterbliebene nach einem Todesfall mit diesen Themen auseinandersetzen müssen. Der 128 Seiten umfassende Ratgeber ist bei Aeternitas zum Preis von zehn Euro (Mitglieder zahlen nur acht Euro) zuzüglich Versandkosten erhältlich.

Den Ratgeber können Sie auf dieser Webseite im Bereich  Publikationen bestellen.

Dateien zu diesem Artikel zum Download:
  Inhaltsverzeichnis des Ratgebers "Todesfall und Nachlass" ( 82 Kb )  

(Quelle: Aeternitas e.V.)

      

Überraschungen bei Bestattungskosten vermeiden

Aeternitas verschafft den notwendigen Überblick


Eine Bestattung kostet viel Geld. Die meisten Menschen kennen jedoch nicht die Vielzahl einzelner Posten und die entsprechenden Preise. Transparenz schaffen unabhängige Preisübersichten und Kostenrechner - am besten schon im Vorfeld einer Bestattung.

Wie viel kostet eine Bestattung in Deutschland? Eine Spanne von 2.000 bis 13.000 Euro Gesamtkosten stellt den üblichen Rahmen dar. Im Schnitt können die Kunden mit 6.000 bis 7.000 Euro rechnen, inklusive Grabmal und Anlage einer Grabstelle - ohne die Grabgestaltung mit ungefähr 4.500 Euro. Zu berücksichtigen sind allerdings regionale Unterschiede bei Preisen und Gebühren sowie die jeweiligen Wünsche und damit der spezifische Leistungsumfang. Auch bestehen zwischen einzelnen Anbietern große Preisunterschiede. Ein extremes Beispiel sind Billigangebote, sogenannte Discountbestattungen, für zum Teil unter 1.000 Euro. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, da häufig nicht alle Leistungen im Preis enthalten sind. Nach oben ist die Preisskala je nach Wünschen und Aufwand offen. In den genannten Werten noch nicht enthalten sind mögliche Kosten für die spätere Grabpflege.

Angesichts der beschriebenen Bandbreite verlieren Hinterbliebene beim Thema Bestattungskosten schnell die Übersicht. Erst beim Eintreffen der Rechnungen werden vielen Betroffenen die Vielzahl einzelner Posten und die entsprechenden Kosten bewusst. Grundlegend sind Bestatterleistungen wie das Abholen, Versorgen und Einsargen des Verstorbenen sowie der vorgeschriebene Sarg. Darüber hinaus müssen je nach Auftragsumfang zum Beispiel auch das Erledigen der Formalitäten, die Gestaltung der Trauerfeier und Trauerkarten bezahlt werden. Dazu kommen eventuell weitere Leistungen des Bestatters wie zum Beispiel eine Urne oder die Überführung des Verstorbenen zu einem Krematorium.

Unausweichlich sind bei jedem Todesfall Gebühren für den Totenschein und meist auch für Sterbeurkunden. Weitere Kosten entstehen zum Beispiel für eine Einäscherung im Krematorium, Blumenschmuck und Trauerkränze, einen Trauerredner, eine Traueranzeige oder die Bewirtung der Trauergesellschaft. Dazu kommen die Kosten für die Grabstelle. Je nach Grabart können dabei allein an Friedhofsgebühren einige tausend Euro fällig werden. Eventuell müssen auch der Friedhofsgärtner für die Grabanlage und der Steinmetz für das Grabmal bezahlt werden. Weitere Ausgaben fallen womöglich für die Grabpflege an, mitunter für 20 Jahre oder mehr.

Aeternitas, die Verbraucherinitiative Bestattungskultur, empfiehlt, sich möglichst frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dazu stellt der Verein online das nötige Wissen über Bestattungskosten bereit. Aeternitas hat auf seiner Webseite die Listen mit Preisübersichten für Bestatter, Steinmetze und Friedhofsgärtner aktualisiert. Angepasst wurden auch die entsprechenden Online-Kostenrechner, mit denen sich jeder die voraussichtlichen Kosten für seine speziellen Wünsche anzeigen lassen kann. Darüber hinaus bietet eine Onlinedatenbank Auskünfte zu den Friedhofsgebühren von ungefähr 1.000 Städten.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Friedhofsträger haftet für Schäden durch Rehe an einem Grab

Landgericht Aurich spricht Grabnutzer Schadenersatz 

Das Landgericht Aurich hat einen kirchlichen Friedhofsträger zur Schadenersatzzahlung verurteilt, weil ein Grab durch Rehe beschädigt worden war. Geklagt hatte der Grabnutzungsberechtigte. Am Grab seiner Familie hatten Rehe unmittelbar nach der Bestattung seines Sohnes die Bepflanzung beschädigt und Kot sowie Hufabdrücke hinterlassen. Die Richter sprachen dem Kläger Schadenersatz für eine Blumendekoration im Wert von 471,50 Euro zu.

Auf dem betreffenden Friedhof hatten in der Vergangenheit bereits mehrfach Rehe und andere Tiere Schäden an den Gräbern verursacht. Die zuständige Kirchengemeinde hatte mit zwei Maßnahmen hierauf reagiert: Sie hatte den Zaun, der nur einen Teil des Friedhofs umgibt, repariert und darüber hinaus hatte sie versucht, das Rehwild mit übelriechenden Chemikalien fernzuhalten. Diese Maßnahmen seien jedoch nach Ansicht der Richter nicht weit genug gegangen.

Die Verhinderung jeglicher Schäden durch Wildtiere, insbesondere durch kleinere Tiere wie Kaninchen und Mäuse sei zwar weder möglich noch dem Friedhofsträger zumutbar. Allerdings hätten die Beschädigungen und Verwüstungen durch größere Wildtiere wie Rehe ein anderes Ausmaß und Gewicht. Sie seien mit Beschädigungen durch kleine Wildtiere nicht vergleichbar. Die Friedhofsverwaltung hätte zur Verhinderung der Schäden durch die Rehe den Friedhof vollständig umzäunen oder aber zeitweise das auf einem Friedhof grundsätzlich bestehende Jagdverbot aufheben können.

Anmerkung:
Im Ergebnis ist dem Gericht zuzustimmen, allerdings kann nach Auffassung von Aeternitas auch zum Beispiel bei Kaninchen eine Schadenersatzleistung berechtigt sein. Denn Aeternitas bezweifelt, dass sich das Gericht einmal eine von Kaninchen umgewühlte, und abgefressene Grabstelle angesehen hat, die sich "qualitativ" kaum von einer Beschädigung durch Rehe unterscheiden dürfte. Auch wenn im Einzelfall sicherlich schwierig zu beurteilen sein kann, welche Maßnahmen dem Friedhofsträger zur Vermeidung von Wildschäden noch zumutbar sind, so gehören aber mindestens Ausnahmegenehmigungen für Jagden und eine entsprechende Einfriedung eines Friedhofs dazu.

(Quelle: Urteil des Landgerichts Aurich vom 28.06.2016)
(Quelle:Aeternitas e.V.)

 

Bestattungsvorsorge: Auffindbarkeit der eigenen Wünsche gewährleisten

Verweis auf Bestattungswünsche stets mit sich führen


Bestattungsvorsorge entlastet Hinterbliebene und verschafft die Sicherheit, dass die eigenen Wünsche berücksichtigt werden. Umgesetzt werden können diese jedoch nur, wenn sie bekannt sind bzw. zumindest nach dem Tod den zuständigen Personen übermittelt werden. Aeternitas empfiehlt stets, die eigenen Wünsche zur Bestattung - zum Beispiel in Form einer Bestattungsverfügung (Vordrucke und Muster dazu bietet auch Aeternitas) oder eines Bestattungsvorsorgevertrages - so zu hinterlegen, dass Sie im Todesfall sicher und schnell aufgefunden werden können. Es bietet sich an, die Angehörigen über den entsprechenden Ort zu informieren und darüber hinaus einen Platz zu wählen, an dem sich auch andere wichtige Unterlagen wie zum Beispiel das Stammbuch befinden.

Hilfreich kann es darüber hinaus sein, eine kleine Karte (ähnlich einem Organspendeausweis oder einer Visitenkarte) immer bei sich zu tragen, auf der der Aufbewahrungsort entsprechender Unterlagen und vielleicht schon die wesentlichen Bestattungswünsche enthalten sind. Das macht es Angehörigen im Zweifelsfall noch einfacher, die Bestattungswünsche des Verstorbenen aufzufinden bzw. umzusetzen.

Interessant ist eine solche Lösung auch für Menschen, die keine Angehörigen haben bzw. nicht wissen, wer später die eigenen Vorstellungen umsetzen will oder kann. Eine solche Karte kann zum Beispiel direkt auf einen bestimmten Bestatter verweisen, bei dem bereits ein Bestattungsvorsorgevertrag hinterlegt ist. Solche Lösungen bieten Bestatterverbände bereits an. Eine andere Variante ist das Modell der sogenannten Conscius-Card, das Menschen entgegenkommen möchte, die zu Lebzeiten den Kontakt zu Bestattern scheuen. Im Todesfall wird der Anbieter der Karte, bei dem die Bestattungswünsche hinterlegt sind, benachrichtigt. Dieser setzt die Wünsche dann um und hilft bei der Beauftragung eines Bestatters.

Mehr zum Thema Bestattungsvorsorge finden Sie auf unserer Webseite im Bereich  "Kosten und Vorsorge".

(Quelle:Aeternitas e.V.)

 

Ein Fest für die Toten - Trauer hat viele Gesichter

Neue Ausgabe der Aeternitas-Vereinszeitschrift "Zeitlos" erschienen


Fröhlich trauern - das geht? Eine Reise um die Welt in der neuen Ausgabe der Aeternitas-Vereinszeitschrift "Zeitlos" zeigt, wie in Mexiko der "Diá de Muertos" gefeiert wird, der Tag der Toten. Berichtet wird auch von Trauerriten in China, Japan und der Türkei.

Außerdem berichtet die "Zeitlos" 3/2016 über die Faszination handgeschriebener Briefe, den 80sten Geburtstag des Dichters und Sängers Wolf Biermann und den Kürbis als beliebtes Herbstgemüse. Die Reiserubrik führt dieses Mal ins sächsische Vogtland, wo die Tradition des Baus von Musikinstrumenten weiter gepflegt wird.

Darüber hinaus präsentiert die aktuelle "Zeitlos" wie immer Neuigkeiten aus der Aeternitas-Arbeit und zum Thema Friedhof und Bestattung, stellt Bücher vor, beantwortet aktuelle Fragen und bietet den Aeternitas-Mitgliedern im Kreuzworträtsel attraktive Preise.

Aeternitas-Mitglieder bekommen die "Zeitlos" kostenfrei zugeschickt. Sie können ein Probeexemplar der Zeitschrift (Einmalabgabe frei) aber auch  bei Aeternitas bestellen.

"Zeitlos" können Sie ebenso online lesen. Unter  www.zeitlos-zeitschrift.de finden Sie im Archiv ältere, bereits erschienene Ausgaben.

(Quelle:Aeternitas e.V.)

 

Schwere Straftaten lassen Pflicht zur Kostentragung entfallen

Bestattungspflichtiger muss die Straftaten nicht mittels Urteils nachweisen 

In einem kürzlich ergangenen Urteil hat das Verwaltungsgericht Ansbach den belastenden Bescheid einer Stadt (Beklagte) aufgehoben, der den Sohn einer Verstorbenen zur Tragung der Bestattungskosten verpflichtete. Der Bescheid war nach Ansicht des Gerichts zu Unrecht erlassen worden, da schwere Straftaten zulasten des Bestattungspflichtigen nicht nur durch Urteile nachgewiesen werden können. Im vorliegenden Fall war der Sohn der Kostentragungspflicht mit einer Klage entgegengetreten, in der er auf Misshandlungen und Missbrauch durch seine Mutter verwies.


Schon im Vorfeld hatte der Kläger außergerichtlich sowohl die Vornahme der Bestattung als auch die Kostentragung abgelehnt. Dazu hatte er detailliert geschildert, wie er von der Verstorbenen als jahrelanger Alkoholikerin regelmäßig geschlagen wurde und diese ihn sogar gemeinsam mit einem Lebensgefährten missbraucht hatte, dessen Missbrauch sie bereits vorher unter anderem im gemeinsamen Bett geduldet hatte. Er sei wegen dieser Vorkommnisse heute noch in psychotherapeutischer Behandlung.

Die beklagte Stadt hatte die Bestattung durchgeführt und dann mittels Bescheid die dabei entstandenen Kosten von dem Sohn verlangt. Sie begründete dies damit, dass die Geschehnisse nicht durch Gerichtsurteile belegt seien.

Dieser Argumentation folgte das Verwaltungsgericht nicht. Zwar können Bestattungskosten nach Art. 14 Absatz 2 Satz 2 des bayerischen Bestattungsgesetzes dem Bestattungspflichtigen auferlegt werden. Auch entspreche es dem Interesse der Allgemeinheit an der wirtschaftlichen und sparsamen Verwendung von Steuergeldern, durch die Gemeinde verauslagte Bestattungskosten vom Bestattungspflichtigen zurückzufordern. Deshalb sei ein Absehen von der Rückforderung lediglich im Fall außergewöhnlicher Umstände gerechtfertigt. Dass aber nur schwere Straftaten des Verstorbenen zulasten des an sich Bestattungspflichtigen, die zu einer Verurteilung des Verstorbenen geführt haben, eine Ausnahme rechtfertigten, sei falsch. Diese Annahme ergäbe sich weder aus dem Wortlaut der Vorschrift noch sei sie nach Auffassung des Gerichts aufgrund des Zwecks des Gesetzes zwingend geboten. Vielmehr seien durchaus weitere Fallkonstellationen denkbar, in denen dem Interesse des an sich Bestattungspflichtigen gegenüber dem Interesse der Allgemeinheit Vorrang einzuräumen sei und in denen infolgedessen die Auferlegung der Bestattungskosten eine unbillige Härte begründen würde. Das Gericht war daher der Auffassung, dass auch im Falle einer fehlenden strafrechtlichen Verfolgung bzw. Verurteilung außergewöhnliche Umstände anzunehmen sein könnten, wenn der an sich Bestattungspflichtige die Straftat des Verstorbenen auf andere Weise zur Überzeugung der Behörde bzw. des Gerichts nachweisen kann. Hierzu verwies das Gericht insbesondere auf den Behandlungsbericht einer Klinik, wonach bei dem Kläger zunehmende posttraumatische Belastungssyndrome aufgrund der Missbrauchserfahrungen in der Kindheit diagnostiziert wurden.


Hinweis: Immer wieder wird darüber gestritten, ab wann das Verhalten von Verstorbenen gegenüber dem Bestattungspflichtigen zu einem Entfallen der Bestattungspflicht bzw. der Kostentragungspflicht gegenüber dem Ordnungsamt führt. Neben dem Vorgehen gegenüber dem Bescheid des Ordnungsamts (der Stadt/Gemeinde) sollte auch daran gedacht werden, einen Antrag auf Erstattung der Bestattungskosten gemäß § 74 SGB XII beim Sozialamt zu stellen. Denn nicht nur bei mangelndem Einkommen und Vermögen hat das Sozialamt für die Bestattungskosten einzustehen, sondern auch wenn dem Pflichtigen die Tragung der Bestattungskosten aus persönlichen Gründen nicht zumutbar ist. Die Schwelle hierbei ist niedriger, als die, die meist für das Entfallen der Bestattungspflicht angelegt wird.

(Quelle: Urteil des Verwaltungsgerichts Ansbach vom 24.08.2016)
(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

 

 

Urnen dürfen beim Umzug nicht mit

VG Ansbach: Totenruhe steht Umbettung entgegen

Ansbach hat die Klage einer Tochter auf die Genehmigung einer Umbettung der Asche ihrer Mutter abgelehnt. Die Tochter (Klägerin) war aus Ansbach nach Thüringen umgezogen und wollte die sterblichen Überreste mit in ihre neue Heimat nehmen, um dort das Grab pflegen zu können.

Das Verwaltungsgericht begründete die Ablehnung wie folgt:
Geriete wie im vorliegenden Fall der Grundsatz der Totenruhe in Konflikt mit dem Totenfürsorgerecht, so genieße der Schutz der Totenruhe regelmäßig Vorrang. Vor Ablauf der Ruhefrist könne daher nur aus ganz besonderen Gründen die Umbettung beansprucht werden.

Dies wäre in drei Fallgruppen anzunehmen:
1) Wenn die Verstorbene Person zu Lebzeiten ihr ausdrückliches Einverständnis mit der Umbettung erklärt habe,
2) wenn Tatsachen und Umstände gegeben seien, aus denen der diesbezügliche Wille der Verstorbenen mit hinreichender Sicherheit gefolgert werden könne und
3) im Einzelfall, wenn das Recht auf Totenfürsorge (insbesondere Grabpflegemaßnahmen/-besuche) in unzumutbarer Weise erschwert oder gar unmöglich gemacht würden.

Ein ausdrücklich geäußerter Wunsch der Verstorbenen lag im hier geschilderten Fall nicht vor.

Der mutmaßliche Wille der Verstorbenen habe aus den Darstellungen der Klägerin ebenfalls nicht mit "hinreichender Sicherheit" gefolgert werden können. Dass die Mutter immer wieder geäußert habe, im Falle eines Umzuges in ihre alte Heimat nach Thüringen mitgenommen werden zu wollen, genüge nicht. Denn daraus folge nicht, dass die Verstorbene auch nach ihrem Ableben die Nähe zu ihren Angehörigen unbedingt gewünscht und deshalb gewollt hätte, dass ihre Urne unter Störung ihrer Totenruhe umgebettet würde. Ebenso gut könne die Bitte der Verstorbenen als Wunsch dahingehend verstanden werden, ihre Angehörigen sollten sie (lediglich) zu Lebzeiten bei einem etwaigen Umzug mitnehmen.

Desweiteren sei die Totenfürsorge auch nicht unzumutbar erschwert:
Die Klägerin habe nicht nachgewiesen, dass sie nicht mehr in der Lage wäre, eine Reise von wenigen Stunden Dauer (270 km) zu bewältigen. Selbst wenn es ihr nicht mehr möglich wäre, alleine nach Thüringen zum Urnengrab ihrer verstorbenen Mutter zu reisen, sei ihr zumutbar, den Grabbesuch in Begleitung z. B. ihres Sohnes durchzuführen. Entsprechendes gelte für die Grabpflege, wobei sich die Klägerin hierfür zusätzlich der (Mit-)Hilfe Dritter (etwa einer Friedhofsgärtnerei) bedienen könne. Der verständliche und durch Art. 2 Abs. 1 Grundgesetz(allgemeine Handlungsfreiheit) geschützte Wunsch der Klägerin, das Grab ihrer Mutter selbst pflegen und möglichst oft besuchen zu können, müsse daher gegenüber der Totenruhe der Verstorbenen aus Art. 1 Abs. 1 (Unantastbarkeit der Menschenwürde) Grundgesetz zurückstehen.

Kritik von Aeternitas: Die Entscheidung bestätigt die konservative Rechtsprechung der letzten Jahrzehnte. Die Bedürfnisse der Hinterbliebenen werden dabei regelmäßig zu wenig berücksichtigt. Aeternitas tritt schon lange für die Erleichterung von Umbettungen ein. So hat der Verein mit der Studie "Liberalisierung der Umbettungspraxis" bereits vor Jahren Stellung bezogen. Glücklicherweise gibt es heute auch Friedhofsverwaltungen, die bürgerfreundlich handeln und Umbettungen, insbesondere von Urnen, einfacher zulassen.

(Quelle: Urteil des Verwaltungsgerichts Ansbach vom 03.08.2016; Pressemitteilung des VG Ansbach vom 25.08.2016)
 
(Quelle:Aeternitas e.V.)
 

Wann wird Trauer kompliziert?

Selbst Wissenschaftlern fällt klare Abgrenzung schwer


Von "Komplizierter Trauer" sprechen Wissenschaftler, wenn diese über das übliche Maß hinaus geht und die Trauernden professionelle Behandlung benötigen. Wo aber die Grenze zur normalen Verlustreaktion zu ziehen ist, ist nicht klar definiert. So besteht die Gefahr, dass Trauernde zu schnell als krank eingestuft werden.

Trauer äußert sich sehr verschieden. Zum Beispiel trauert der eine nach einem Todesfall eines geliebten Menschen weitaus länger als viele andere, ohne dass dies problematisch wäre. Manche Menschen leiden jedoch auffällig lange und intensiv unter einem Verlust. Bei ihnen tritt auch mit der Zeit keine Besserung ein. Trauerforscher sprechen dann von "Komplizierter Trauer". Sie empfehlen professionelle Hilfe, da sich der Schmerz über den Tod eines geliebten Menschen zu einer behandlungsbedürftigen, psychischen Erkrankung ausgewachsen haben könnte.

Die Definition der Komplizierten Trauer fällt aber selbst Experten schwer", erläutert die Trauerberaterin Heidi Müller vom Beirat des Trauerportals www.gute-trauer.de. Eine eher weit gefasste Begriffsbestimmung zielt auf den von der Norm abweichenden Zustand ab, den man so nicht erwarten würde. Als Kriterien gelten die besondere zeitliche Dauer und Intensität der Trauersymptome sowie die Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit in wesentlichen Lebensbereichen wie soziales Umfeld oder Arbeitsplatz. In einem gewissen Ausmaß betrifft dies jedoch jeden, der trauert.

Schwer fällt es auch dem sozialen Umfeld, die Situation richtig einzuschätzen. Es liegt nahe, sich den trauernden Menschen wieder "normal" zu wünschen. Schnell wird dann Trauer als krankhaft eingestuft, obwohl sie keiner Behandlung bedarf. Auch das Empfinden und Ertragen von Leid ist schließlich Teil des Lebens. Gleichzeitig sollte dennoch denjenigen Menschen Hilfe zuteilwerden, die diese tatsächlich benötigen. Jeder Einzelfall muss also für sich betrachtet werden, die angesprochenen Kriterien können dabei helfen.

Mit dem Thema "Komplizierte Trauer" befasst sich ausführlich das Portal www.gute-trauer.de, das von der Verbraucherinitiative Aeternitas ins Leben gerufen wurde. Es stellt dazu eine leicht verständliche Zusammenfassung aktueller, wissenschaftlicher Erkenntnisse und eine Reihe von Vortragsfolien zur Verfügung. Im Portal finden Internetnutzer darüber hinaus umfassende Informationen zum Thema Trauer und Anlaufstellen für Hilfesuchende. Die Besucher der Seite werden darin unterstützt, eigenverantwortlich und natürlich mit Lebenssituationen wie Tod und Trauer umzugehen.

Die Vortragsfolien und den ausführlichen Aufsatz zum Thema finden Sie auf  www.gute-trauer.de.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Tagung: "Krematorium - Abgas und Asche"

Zahlreiche Vorträge verschiedener Experten zum Thema


Am 26./27. September 2016 findet bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Zentrum für Umweltkommunikation eine Tagung zum Thema "Krematorium - Abgas und Asche" statt. Die DBU schreibt dazu:

Krematorien haben in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern einen sehr hohen Qualitätsstandard erreicht. Mitverantwortlich sind hierfür die vom Gesetzgeber vorgegebenen Emissionsvorschriften gemäß der 27. Bundes-Immissions-Schutz Verordnung (27. BImSchV) sowie die vom Verein Deutscher Ingenieure für Krematorien entwickelte Richtlinie VDI 3891. In der Aktualisierung der VDI 3891 sind Regelungen für die Messung und Einhaltung der CO-Emissionen enthalten. Ein Tagungsschwerpunkt beschäftigt sich mit den hierfür erforderlichen technischen und betrieblichen Maßnahmen sowie mit der Auswertung der Emissionsmessprotokolle.

Darüber hinaus hat sich Deutschland als Mitunterzeichner der OSPAR- und MINAMATA-Konvention verpflichtet, Quecksilberemissionen relevanter Quellen zu messen und den Eintrag in die Umwelt zu begrenzen. Infolge möglicher Amalgambelastung der Verstorbenen wurden Krematorien als eine mögliche Emissionsquelle identifiziert. Da derzeit jedoch keine gesetzliche Verpflichtung zur Quecksilberemissionsmessung besteht und insbesondere kaum Messwerte im Rohgas vorliegen, ist die Datenbasis über den zu erwartenden Eintrag unzureichend. Im Rahmen der Tagung werden daher neue Forschungsergebnisse präsentiert und mögliche Abgasreinigungsstrategien diskutiert. Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung beschäftigt sich mit der Qualität der Urnenasche, insbesondere vor dem Hintergrund der dauerhaften Verbringung in Böden.

Angesprochen sind alle, die sich mit Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb von Krematorien beschäftigen. Hierzu zählen unter anderem Ingenieure, Kämmerer und Verwaltungsfachleute aus den Hochbau-, Garten- und Friedhofsämtern, private Investoren, Bestatter, Planer, Hersteller sowie Vertreter von Behörden, Ministerien, Fach- und Hochschulen und Messinstituten.

Programm und Anmeldung finden Sie auf der  Webseite der DBU.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Geld aus Bestattungsvorsorgevertrag verschwunden?

Hinterbliebene aus Hessen verklagt Bestatter

Gegen ein Gießener Bestattungsunternehmen ist Strafanzeige wegen Veruntreuung gestellt worden, wie die  Gießener Allgemeine berichtet. Anderthalb Jahre nach der Bestattung sei noch keine endgültige Abrechnung mit dem Guthaben aus einem Vorsorgevertrag erfolgt. Die Hinterbliebene moniert, dass bisher nur 4.000 Euro abgerechnet worden seien, obwohl zur Vorsorge 9.000 Euro beim Bestatter hinterlegt worden waren.

Entgegen der üblichen Gepflogenheiten hat der Bestatter im vorliegenden Fall das Geld für die Bestattungsvorsorge wohl nicht bei einer Treuhandstelle hinterlegt, weshalb die Klägerin nun vermutet, der Bestatter habe das Geld veruntreut.

Solche Fälle, wie der aus Gießen geschilderte, ereignen sich so oder ähnlich immer wieder. Bestatterkunden sollten beim Abschluss eines Vorsorgevertrages deshalb stets immer darauf achten, dass das entsprechende Geld bei einer Treuhandstelle hinterlegt wird. Solche Treuhandstellen, wie sie die verschiedenen Bestatterverbände eingerichtet haben, verwalten das Geld sicher, bis es im Todesfall ausgezahlt wird.
Quelle Aeternias e.V.

 

 

Sozialamt rät zum Abschluss eines Bestattungsvorsorgevertrags


Nur zweckgebundene Gelder eines Treuhandkontos oder einer Sterbegeldversicherung sind vor dem Zugriff des Sozialamtes bei Pflegebedürftigkeit geschützt
Immer mehr Pflegebedürftige brauchen zusätzliche Sozialleistungen. So stieg die Zahl der Empfänger von Hilfe zur Pflege im Vergleich zum Vorjahr um 9.000 auf 453.000, das teilte das Statistische Bundesamt mit. Nach den jüngsten Daten von 2014 waren 292.000 Frauen und 161.000 Männer betroffen. Auch die Ausgaben für die Hilfe zur Pflege wuchsen, von 2,6 Milliarden Euro 2005 auf zuletzt 3,5 Milliarden. Die Zahl der Pflegebedürftigen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, auf zuletzt 2,6 Millionen Menschen. Aus diesen massiv steigenden Zahlen resultiert auch, dass beim Versterben dieser Menschen keine finanziellen Mittel zur Beauftragung einer Bestattung vorhanden sind und damit auch der letzten Weg durch das Sozialamt und die öffentliche Hand finanziert werden muss. Die mit viel Liebe und über ein langes Berufsleben erarbeitete Immobilie wurde bereits vorher längst für die Bezahlung einer notwendigen Heimunterbringung aufgezehrt.
Umso wichtiger ist es nach einhelliger Expertenmeinung, bereits ab der Lebensmitte für die dereinstige Bestattung Vorsorge zu treffen und sich nicht auf die Haltung zurückzuziehen, dass diese Aufgabe den Kindern obliege. In einer Stellungnahme des Amts für Soziales im Rheinisch-Bergischen Kreis betont in diesem Zusammenhang der Landkreis, dass zur Sicherung des Vorsorgebetrages eine treuhänderische Hinterlegung des Geldes erfolgen sollte. Die Deutsche Bestattungsvorsorge Treuhand, die vom Bundesverband Deutscher Bestatter und dem Kuratorium Deutsche Bestattungskultur zur Absicherung der Gelder gegründet worden ist, legt diese mündelsicher und verzinslich an. Sie bewahrt die Einlage somit vor Wertverlust. Da dieses Kapital einem besonderen Zweck gewidmet ist, steht es noch unter einem weiteren Schutz: Dritten ist der Zugang zum Kapital verwehrt.
Bei einer angemessenen Bestattungsvorsorge erkennen die Kommunen und Landkreise in ganz Deutschland relativ unterschiedliche Beträge an, die über den Betrag des sogenannten Schonvermögens von 2600 € für Alleinstehende hinaus für eine verbindlich vereinbarte Bestattungsvorsorge statthaft sind. Anerkannt werden Beträge bis zu 10.000 €, im Rheinisch-Bergischen Kreis werden etwa 6000 € als angemessen anerkannt. Bei höheren Vorsorgen wird eine Einzelfallprüfung durchgeführt, die vor allem die persönlichen Wünsche des Vorsorgenden berücksichtigt und nach dem Umfang der durchzuführenden Bestattung fragt.
Über die Bestatter, die Mitglieder im Bundesverband Deutscher Bestatter sind, können Bestattungsvorsorgeverträge abgeschlossen werden, bei denen der voraussichtliche Betrag der Bestattung in einem zweiten Schritt finanziell durch ein Treuhandkonto abgesichert wird. Im Falle des Todes wird nach Vorlage der Sterbeurkunde und der Rechnung der Rechnungsbetrag des Bestatters aus diesem zweckgebundenen Vermögen beglichen. Etwaige verbleibende Gelder werden den Erben ausbezahlt. Justiziarin Antje Bisping, die im Bundesverband Deutscher Bestatter auch die Schlichtungsstelle für strittige Bestattungen zwischen Kunden und Bestattern leitet, weiß aus vielfältiger Erfahrung davon zu berichten, dass entgegen gerichtlicher Entscheidungen und geltende
Rechtslage Sozialämter immer wieder Pflegebedürftige zur Auflösung zweckgebundener Gelder
drängen. Beim Verlangen nach der Auflösung zweckgebundener Gelder für die dereinstige
Bestattung ist daher der Bundesverband Deutscher Bestatter für Vorsorgende zu einer kursorischen
Prüfung von Ablehnungsbescheiden für Sozialleistungen bereit und übernimmt für Kunden der
Deutschen Bestattungsvorsorge Treuhand AG auch etwaige Prozesskosten. Der Geschäftsführer des
Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur Oliver Wirthmann ergänzt mit Blick auf
Sterbegeldversicherungen, dass für sie der gleiche Schutz vor dem Zugriff des Sozialamtes gilt und
diese ebenfalls nicht gekündigt werden müssen, um Forderungen des Sozialamtes zu befriedigen
oder Leistungen überhaupt zu erhalten. Gänzlich abzuraten ist von Rücklagen auf Sparkonten oder
gar von Barbeträgen, die für die Bestattung gedacht sind. Diese unterliegen nicht dem rechtlichen
Schutz vor dem Sozialamt. Weiterhin besteht das Risiko, dass bei fehlender Vereinbarung einer
Bestattungsvorsorge nicht der Wille des Verstorbenen zur Geltung kommt, sondern eine sehr
dürftige Bestattung durchgeführt wird.

(Quelle: Bundesverband Deutscher Bestatter)

 

Kostensteigerung im Friedhofswesen durch Zunahme von Überhangflächen

Studie zeigt, wie sich das Problem nicht benötigter Flächen weiter verschärft


Der Nachfragewandel hin zu kleineren Urnengräbern und pflegefreien Gräbern bedingt einen weiteren Anstieg der Überkapazitäten und der Gebührensätze für die Bürger.

Im  Institut für Kommunale Haushaltswirtschaft werden die Friedhofskalkulationen zahlreicher deutscher Städte, Gemeinden und Kirchengemeinden gerechnet. Hier liegen qualifizierte und übertragbare Kennzahlen vor. Die aktuelle Auswertung bestätigt den Trend zu kleineren Gräbern und die dadurch erwachsenden Probleme durch Flächenüberkapazitäten.

Die Gräberfelder sind aktuell durchschnittlich nur noch zu etwa 20 Prozent direkt mit Gräbern belegt. Wenn heute 100 Gräber aus der Laufzeit der Nutzungsrechte auslaufen, kommen nur noch 79 Gräber neu hinzu. Davon sind 68 Gräber Standardgräber und 11 Sondergrabtypen mit noch geringerem Flächenbedarf.
Wenn dabei berücksichtigt wird, dass die auslaufenden Grabtypen weit überwiegend größere Sarggräber sind und die neu hinzu kommenden Gräber zu großen Teilen kleinere Urnengräber, so gilt die Feststellung, dass etwa nur noch jeder zweite Quadratmeter der auslaufenden Flächen für Neubelegungen wieder gebraucht wird. Die Hälfte dieser frei werdenden Flächen wird nicht mehr gebraucht. Allein in zehn Jahren werden 20 Prozent der bisherigen Flächen zu Überhangflächen.

Bei einem Kostensatz von jetzt 2,22 Euro je Quadratmeter zu pflegender Fläche und somit etwa 860 Millionen Euro jährlicher Unterhaltungskosten in Deutschland, kostet dieser Überhang jährlich zusätzlich 17 Milionen Euro. Allein über diesen kumulierenden Effekt wird der Finanzbedarf für diese Überkapazitäten innerhalb der nächsten zehn Jahre um etwa 950 Millionen Euro ansteigen.

Das Institut für Kommunale Haushaltswirtschaft hat berechnet, dass die Leistungsverbindlichkeiten aus bestehenden Grabnutzungsrechten (Vorauszahlungen) für die deutschen Friedhofsträger nunmehr auf etwa 12 Milliarden Euro angewachsen sind.

Quelle: Pressemitteilung des Instituts für Kommunale Haushaltswirtschaft

Eine umfangreichere Datenanalyse des IKH und die Tabelle der Kennzahlen finden Sie in unten stehender PDF-Datei.

Dateien zu diesem Artikel zum Download:
  Tendenz der Vergleichskennzahlen im deutschen Friedhofswesen (IKH) ( 186 Kb )

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

 

Immer weniger Bestattungen werden kirchlich begleitet

Stetiger Rückgang bei beiden großen Kirchen


Der Anteil katholischer und evangelischer Bestattungen in Deutschland ist auf unter 60 Prozent gesunken. Im Jahr 2000 waren es noch über 70 Prozent. Auch im Bestattungswesen schlägt sich damit der Bedeutungsverlust religiöser Bindungen nieder.

Der Anteil der Bestattungen, die von kirchlichen Würdenträgern begleitet werden, nimmt stetig weiter ab. 510.535 Verstorbene wurden nach aktuellen Angaben im vorletzten Jahr - neuere Zahlen liegen nicht vor - im Rahmen eines kirchlichen Ritus bestattet. Das entspricht 58,8 Prozent aller Todesfälle des Jahres 2014 (868.356). Damit setzt sich der Rückgang sowohl bei der Katholischen als auch bei der Evangelischen Kirche weiter fort. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag der Anteil bei 71,5 Prozent (599.829 von 838.797 Verstorbenen), wie die Statistiken der Deutschen Bischofskonferenz bzw. der Evangelischen Kirche in Deutschland zeigen.

Während viele Bestattungen ganz ohne Trauerfeier stattfinden, werden Abschiedsfeiern vermehrt auch von weltlichen Trauerrednern begleitet. "Es zeigt sich deutlich, wie sich gesellschaftliche Entwicklungen immer wieder auch im Bestattungswesen widerspiegeln", sagt Christoph Keldenich, Vorsitzender von Aeternitas e.V., der Verbraucherinitiative Bestattungskultur. Religiöse, speziell kirchliche Bindungen und lange gepflegte Traditionen verlieren an Bedeutung. Lebensentwürfe wie Bestattungswünsche fächern sich weiter auf. Aeternitas geht davon aus, dass der Anteil der kirchlichen Bestattungen auch in Zukunft weiter sinken wird.

Eine ausführliche Tabelle mit detailierten Zahlen finden Sie in unten stehender PDF-Datei.

Dateien zu diesem Artikel zum Download:
  Tabelle Kirchliche Bestattungen 2000 bis 2014 ( 21 Kb )

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Sozialamt darf Verwertung einer Sterbegeldversicherung nicht verlangen

Sozialgericht Gießen: Eine angemessene Bestattungsvorsorge ist geschützt 

Im zugrundeliegenden Fall hatte das Sozialamt (der Kreis) die Bewilligung von Grundsicherung für eine 68-jährige Frau abgelehnt, da ihre Sterbegeldversicherung vor einer Leistungsbewilligung zu verwerten wäre. Dem erteilte das Sozialgericht Gießen eine Absage.

Das Gericht bezog sich zunächst auf § 90 Abs. 2 SGB XII. Danach sei das gesamte verwertbare Vermögen (§ 90 Abs. 2 SGB XII) mit Ausnahme des in § 90 Abs. 3 SGB XII im Einzelnen aufgeführten Schonvermögens einzusetzen, soweit dies keine Härte bedeutet (§ 90 Abs. 3 SGB XII):
Vermögenswerte, die zur Absicherung der Kosten einer angemessenen Bestattung angespart worden seien, würden durch die Härteregelung des § 90 Abs. 3 SGB XII geschützt. Diese Privilegierung sei dann gerechtfertigt, wenn sichergestellt sei, dass der angesparte Vermögenswert tatsächlich für die Bestattungskosten verwendet werde. Dies sei bei einer zweckgebundenen Sterbegeldversicherung der Fall. Die bloße Absicht des Betroffenen, ein angespartes Guthaben im Falle des Todes für die Bestattungskosten zu verwenden, ohne einen entsprechenden Teil seines Vermögens aus dem übrigen Vermögen auszugliedern, genüge dagegen nicht.

Im Übrigen hielt das Gericht die Verwertung der Sterbeversicherung für offensichtlich unwirtschaftlich. Der mit der Verwertung zu erzielende Gegenwert i.H.v. 2.980,34 € stehe in einem deutlichen Missverhältnis zum wirklichen Wert der Sterbeversicherung i.H.v. 4.203,20 €. Das Bundessozialgericht habe eine derartig hohe Verlustquote, in dem ohne Ermittlung weiterer Umstände von einer offensichtlichen Unwirtschaftlichkeit auszugehen sei, bei einer Verlustquote von 26,9 % und höher anerkannt. Im entschiedenen Fall betrug die Verlustquote sogar 29,1 %, so dass auf der Grundlage der höchstrichterlichen Rechtsprechung ohne weiteres eine offensichtliche Unwirtschaftlichkeit der Verwertung vorlag.

(Quelle: Pressemitteilung des Sozialgerichts Gießen vom 27.06.2016)
(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Überhöhte Rechnungen für Leichenschau

Immer wieder verlangen Ärzte zu viel


In vielen Fällen erhalten Hinterbliebene überhöhte Rechnungen für die Leichenschau und das Austellen des Totenscheins. Summen von über 100,-, manchmal sogar über 200,- Euro sind nicht unüblich - obwohl die Höchstgrenze bei knapp 77,- Euro liegt. Selbst dieser Betrag wird nach korrekter Berechung nur in Ausnahmefällen erreicht.

Aktuell hat die Stuttgarter Zeitung das Thema aufgegriffen. Sie  berichtet über einen Fall, bei dem die Rechnung schon mehrfach korrigiert wurde und dennoch weiterhin als zu hoch eingestuft wird.

Jeder Verstorbene muss im Rahmen einer Leichenschau von einem Arzt untersucht werden. Anschließend werden im Totenschein (auch Leichenschauschein oder Todesbescheinigung genannt) die Personalien und Zeitpunkt und Ort des Todes festgehalten. Dazu vermerkt der Arzt - wenn möglich - eine Todesursache und die Todesart, also ob es sich um einen natürlichen oder unnatürlichen Tod handelt. Für den Totenschein werden Gebühren fällig, die sich nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) richten. Entgegen der Praxis vieler Ärzte fallen darunter keine Leistungen, die eigentlich am lebenden Patienten erbracht werden. Diese müssen über die Krankenkasse abgerechnet werden.

Immer wieder monieren Ärzte, dass die Tarife der GOÄ für die Leichenschau extrem niedrig seien. Diese Ansicht ist durchaus nachzuvollziehen, darf aber keine Rechtfertigung liefern, um nicht erbrachte Leistungen abzurechnen. Die Ärzteschaft sollte sich stattdessen vehementer für eine Reform der GOÄ einsetzen.

Wie sich die Rechnung für einen Totenschein im Einzelnen zusammensetzt und wie viel sie höchstens zahlen müssen, können Sie hier auf unserer Webseite ausführlich nachlesen:

 Kosten für Todesbescheinigung

( Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Trauer und Demenz - Für alle Beteiligten schwierig

Themengebiet ist noch weitgehend unerforscht


Wenn ein Mensch an Demenz erkrankt, dann sind nicht nur Angst und Sorge, sondern auch Trauer ständige Begleiter des Erkrankten, aber auch der Familien und Freunde. Denn erkennt die betroffene Person was mit ihr passiert, dann wird sie erahnen können, welche Verluste die Erkrankung für sie mit sich bringt. Die Angehörigen und Freunde wiederum erleben, wie die geistigen Fähigkeiten eines ihnen nahestehenden Menschen zunehmend schlechter werden und sich die ganze Persönlichkeit verändert. Schon vor dem eigentlichen Tod sind das soziale Umfeld und der Erkrankte von Trauer betroffen.

Doch wie verhält es sich, wenn Demenzkranke in ihrem sozialen Umfeld zusätzlich vom Tod eines nahen Angehörigen betroffen sind? Auch dies ist eine Situation, die für den Erkrankten und die Angehörigen gleichermaßen eine Herausforderung darstellen. Wie Therese Rando, eine international anerkannte Trauerforscherin, sagt, sind Demenzkranke zu Trauer fähig. In einem frühen Stadium zeigen sie ganz normale Trauerreaktionen. Mit Fortschreiten der Erkrankung können sie jedoch kognitiv zu stark beeinträchtigt sein, um ihre Reaktionen auf den Verlust als Trauer erleben und ausdrücken zu können. Eine unbestimmte Wahrnehmung davon, dass etwas nicht stimmt, begleitet von innerer Anspannung, kann sich in Verhaltensauffälligkeiten äußern. Denn auch wenn die kognitiven Fähigkeiten abnehmen, bleiben Gefühle und das Erleben von emotionalem Schmerz erhalten.

Sind die kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt, kann es für die Hinterbliebenen zu einer doppelten Herausforderung kommen. Zum einen müssen sie den Verlust selbst verarbeiten, zum anderen kann es vorkommen, dass sie vom Erkrankten wieder und wieder nach dem Verstorbenen gefragt werden. So berichtete eine Frau, dass ihre Mutter bei jedem Treffen den erst kürzlich verstorbenen Ehepartner der Frau immer wieder erwähnte. Sie hat sich schweren Herzens dazu entschieden, die Besuche bei ihrer Mutter etwas einzuschränken, weil sie die Gespräche über den verstorbenen Partner zu sehr belasteten.

Das Themengebiet Demenz und Trauer ist bisher noch weitgehend unerforscht, vor allem wenn es darum geht, wie man Demenzkranken die Nachricht vom Tod eines Angehörigen überbringt beziehungsweise ihm beibringt, sich daran zu erinnern was passiert ist. Es gibt keine festen Regeln dafür. Angehörige sollten ausprobieren und gut beobachten was hilfreiche Strategien für ihre Angehörigen sein können. In jedem Falle haben die Erkrankten aber ein Recht darauf zu erfahren, wenn jemand verstorben ist. Sie sollten solange es die Erkrankung zulässt auch an der Trauerfeier teilnehmen und am familiären Trauerprozess teilhaben.

Der aktuelle Newsletter "Trauerforschung im Fokus" (Nr. 2/2016) greift dieses Thema auf und stellt eine Studie mit dem Titel "Die besonderen Herausforderungen für ältere Trauernde mit Demenz: Fallbeschreibungen und Schlussfolgerungen für die Praxis" vor.

Außerdem finden Sie in der aktuellen Ausgabe folgende Themen:

  • Wenn Verstorbene zu Engeln werden: Trauer im Kontext volkstümlicher religiöser Vorstellungen
  • Leben mit einem Verlust: Eine muslimische Witwe erzählt die Geschichte ihrer Trauer
  • Medienpräsenz und Komplizierte Trauer: Eine Untersuchung an hinterbliebenen Eltern und Geschwistern nach dem Massaker auf der norwegischen Ferieninsel Utøya im Jahr 2011
  • Nach dem Tod eines Kindes: Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Verlustverarbeitung der Eltern und der von Geschwisterkindern? Und welchen indirekten Einfluss hat ein positives Erziehungsverhalten auf die Verlustverarbeitung bei den Kindern?

Alles weitere zum Newsletter (und die Möglichkeit, diesen zu abonnieren) finden sie unter  www.trauerforschung.de.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Gemeinde muss keine Wahlgräber zur Verfügung stellen

Verwaltungsgericht weist Klage ab

Nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Koblenz besteht kein Anspruch auf ein Wahlgrab, dessen Ruhefrist erweitert werden kann. Im zugrundeliegenden Fall beantragte die Tochter (Klägerin) des Verstorbenen, das Grabnutzungsrecht an dessen Reihengrab verlängern zu lassen. Die Gemeinde (Beklagte) hatte jedoch die Einebnung des Grabes verlangt. Das Verwaltungsgericht Koblenz erteilte dem Verlängerungsantrag eine Absage.

Auf dem betreffenden Friedhof stellt die beklagte Gemeinde lediglich Reihengräber zur Verfügung, bei denen satzungsgemäß gerade keine Verlängerung des Nutzungsrechts zugelassen ist. Trotz des Ablaufs der Nutzungszeit bereits im Jahr 2002 hatte die Verwaltung erst Anfang 2015 die Abräumung gefordert. Zwischenzeitlich - ebenfalls nach Ablauf der Ruhezeit - hatte die Beklagte die Klägerin sogar noch einmal zur Befestigung des dort befindlichen Grabmals aufgefordert. Die Klägerin beantragte nun die Verlängerung des Nutzungsrechts, die durch die Beklagte abgelehnt wurde. Im vorliegenden Klageverfahren verfolgte die Klägerin nach erfolglosem Widerspruchsverfahren den Antrag auf Nutzungsrechtsverlängerung weiter. Das Verwaltungsgericht lehnte diesen jedoch ab.

Das Gericht begründete seine Entscheidung wie folgt:
Die Friedhofssatzung bestimme ausdrücklich, dass der Wiedererwerb eines Nutzungsrechts bzw. die Verlängerung an einem Reihengrab nicht zulässig ist.

Auch aus § 2 Abs. 3 des Bestattungsgesetzes in Rheinland-Pfalz ergebe sich kein Verlängerungsanspruch. Der Friedhofsträger könne nach dieser Vorschrift Wahlgrabstellen mit Verlängerungsmöglichkeit zur Verfügung stellen, er müsse es aber nicht. Der Bestattungsanspruch des Bürgers gegen den Friedhofsträger habe grundsätzlich nur die Bereitstellung eines Reihengrabes zum Inhalt.

Es ergebe sich auch kein anspruchsbegründender Vertrauensschutz daraus, dass die Klägerin ohne Hinweis auf die Abräumpflicht vor ca. drei Jahren zur Instandsetzung des Grabmals aufgefordert worden war. Grabmale seien ohnehin satzungsgemäß dauernd in verkehrssicherem Zustand zu halten. Durch die Aufforderung sei jedenfalls kein Vertrauen auf ein unbegrenztes Fortbestehen des Nutzungsrechts geschaffen worden. Überdies hätte es der Klägerin freigestanden, statt der Standsicherung die Räumung des Grabes durchzuführen.

Zusammenfassender Hinweis:
Grundsätzlich besteht weder ein Anspruch auf Einrichtung von verlängerbaren Gräbern (Wahlgräbern) noch darauf, das Nutzungsrecht an einem Reihengrab verlängern zu lassen. Der Ablauf des Nutzungsrechts nach der Nutzungszeit ohne Verlängerungsmöglichkeit ist gerade ein kennzeichnendes Merkmal eines Reihengrabes. Umso wichtiger ist es, dass die Angehörigen sich bewusst und aufgeklärt entscheiden, ob ihnen das Nutzungsrecht an einem Reihengrab genügt. Sowohl Friedhofsverwaltung als auch Bestatter haben hier wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten.
 

(Quelle: Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz vom 31.05.2016)

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Mensch und Tier im Tod vereint

Gemeinsame Bestattungen als Trend für die Zukunft?


Nachdem vor einem Jahr erstmals die gemeinsame Beisetzung für Mensch und Tier angeboten worden ist, zeigt sich wachsendes Interesse an solchen Grabstätten. Die enge persönliche Bindung vieler Menschen an ihr Haustier findet ihren Ausdruck zunehmend auch im Bestattungswesen. Für Friedhöfe könnte dies eine Chance für die Zukunft sein.

Viele Tierbesitzer fühlen sich ihren Haustieren so eng verbunden, dass sie mit ihnen auch nach dem Tod vereint sein wollen. Bis vor knapp einem Jahr war dies offiziell nicht möglich. Seitdem werden unter dem Namen "Unser Hafen" in Essen und Braubach bei Koblenz gemeinsame Gräber für die Asche von Menschen und Tieren angeboten. Auch im niederrheinischen Grefrath sind solche Beisetzungen mittlerweile erlaubt. Pläne für entsprechende Grabstätten bestehen nach verschiedenen Berichten zum Beispiel in Aschersleben, Forst, Hamburg, Pinneberg und Viersen. Vielerorts wird über ein solches Angebot diskutiert. In der Mensch-Tier-Bestattung zeigt sich die zunehmende Bedeutung der Beziehung zwischen Mensch und Tier auch über den Tod hinaus. Über 200 Tierbestatter und mehr als 20 Tierkrematorien in Deutschland zeugen ebenso davon.

Aeternitas e.V., die Verbraucherinitiative Bestattungskultur, erwartet, dass sich langfristig zunehmend mehr Friedhöfe der Mensch-Tier-Bestattung öffnen werden. Das Konzept vergrößert eine schon seit Jahren wachsende Angebotsvielfalt und hilft möglicherweise, neue Zielgruppen zu erschließen. Dem auf vielen Friedhöfen bestehenden Problem nicht mehr benötigter, ungenutzter Flächen und sinkender Bestattungszahlen könnte so begegnet werden. Nach einer von Aeternitas beauftragten Emnid-Umfrage aus dem März 2016 befürworten 49 Prozent der Bundesbürger gemeinsame Gräber für Menschen und Tiere. 48 Prozent hingegen halten nichts davon. Jüngere Menschen gehören mit 69 Prozent mehrheitlich zu den Befürwortern, bei Älteren ab 60 Jahren ist mit 72 Prozent die Ablehnung dagegen stark ausgeprägt.

Angesichts der zunehmenden Relevanz von Tierbestattungen und Mensch-Tierbestattungen hat Aeternitas auf seiner Webseite einen eigenen  Bereich zum Thema erstellt. Interessierte finden dort alle wichtigen Informationen.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Bestattungsrecht in der Praxis

Handbuch in neuer Auflage erschienen


Kein Erbfall ohne Bestattung. Häufig genug ist die Bestattung erster Anlass für Streit zwischen den Angehörigen. Sei es, dass es um die Interpretation der letzten Wünsche des Verstorbenen hinsichtlich der Form der Bestattung geht oder Streit darüber entsteht, wer von den Angehörigen die Kosten zu tragen hat, wenn der Totenfürsorgeberechtigte und der Erbe nicht identisch sind. Wie bindend ist der zu Lebzeiten geschlossene Bestattungsvorsorgevertrag für die Angehörigen und welche Preise sind in dem Bestattungsvertrag wie auszuweisen?

Sowohl Rechtsanwälte als auch Bestatter beraten zu Rechtsfragen rund um die Bestattung. Zusätzlich zur Behandlung streitiger Fragen bietet dieses Buch deshalb auch Gestaltungsvorschläge für sinnvolle und eindeutige Lösungen zu Lebzeiten.

Für die 2. Auflage ist zahlreiche, neue Rechtsprechung eingearbeitet worden. Beispiele für Klageanträge sind im Kapitel "Rechtsschutz" zu finden. Um den zunehmenden Auslandsberührungen gerecht zu werden, wurde dazu in die Neuauflage ein eigenes Kapitel aufgenommen.

Folgende Schwerpunkte werden ausführlich und praxisorientiert behandelt:

Kostentragung

  • in der Erbengemeinschaft
  • beim Alleinerben
  • beim Pflichtteilsberechtigten
  • im überschuldeten Nachlass
  • bei der Sozialbestattung

Praxis

  • Testamentsvollstrecker, Nachlasspfleger, Betreuer
  • Friedhof
  • Bestattungsvorsorgevertrag
  • Bestattungsformen
  • Auslandsbezüge

Totenfürsorgerecht

  • Bestattungspflicht
  • Einstweiliger Rechtsschutz
  • Umbettung

Muster

  • Klageanträge
  • Grabpflege
  • Bestattungsverfügung
Dietmar Kurze/Desiree Goertz :
Bestattungsrecht in der Praxis
Zerb-Verlag
Preis: 49,00 Euro
Erschienen: März 2016
ISBN: 978-3-95661-051-6
312 Seiten

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

"Game Over" - Neue ungewöhnliche Grabsteine

Soziologen veröffentlichen zweites Buch mit gesammelten Kuriositäten

Nach "Gestatten Sie, dass ich liegen bleibe" haben Thorsten Benkel und Matthias Meitzler nun Band 2 ihrer Sammlung amüsanter, erschreckender, mysteriöser, rührender oder schlichtweg verblüffender Gräber vorgelegt – ausgewählt auf über 900 Friedhöfen, die die Autoren, beide im Hauptberuf Soziologen, besucht haben. Das Thema sozialer Wandel in der Bestattungs- und Abschiedskultur, dass die beiden auch als Wissenschaftler seit Jahren beschäftigt, wird einmal mehr mit einem Augenzwinkern aufgegriffen.

Der Leser staunt darüber, wie man einen gekonnten Abgang hinlegt ("Ich bin dann mal weg") und wo die Grenzen der Zuneigung verlaufen ("Kein Geld, keine Liebe"). Es wird deutlich, dass man manchen Familienmitgliedern einfach nicht entkommen kann ("Schatz, anbei dein Schwiegervater"), wie ungewöhnlich Liebkosungen sein können ("Hier liegt meine Dicke") und dass der Tod offenbar nicht immer zu früh zuschlägt ("Endlich!"). Außerdem ist auch diesmal alles im Angebot, was man auf dem Totenacker heutzutage erwarten kann: Bratpfanne, Schwebebahn, DJ-Pult, Affen, Ratten, Krümelmonster, Cannabis-Pflanzen und Handschellen. Von wegen "Ort der Stille".

Thorsten Benkel und Matthias Meitzler:
Game Over - Neue ungewöhnliche Grabsteine
Verlag Kiepenheuer & Witsch
Preis: 9,90 Euro
Erschienen: April 2016
ISBN: 978-3-462-04905-3
248 Seiten
(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Sozialamt muss Lebensgefährten Bestattungskosten nicht ersetzen

Landessozialgericht Baden-Württemberg weist Berufung zurück

Das Landessozialgericht Baden-Württemberg hat die Berufung eines (angeblichen) Lebensgefährten einer Verstorbenen wegen der Erstattung von Bestattungskosten zurückgewiesen. Der Berufungskläger wäre letztendlich nicht zur Tragung der Bestattungskosten verpflichtet gewesen. Er sei die finanziellen Verpflichtungen gegenüber Bestattungsunternehmen und Friedhof freiwillig eingegangen.

Im zugrundeliegenden Sachverhalt hinterließ die Verstorbene eine Mutter und einen Bruder in Belgien. Der Kläger und nach seiner Behauptung Lebensgefährte der Verstorbenen gab deren Bestattung in Auftrag. Infolgedessen beantragte er die Erstattung der Kosten beim Sozialhilfeträger (Beklagte). Nach der Ablehnung verfolgte er den Antrag zunächst beim Sozialgericht Mannheim weiter, welches ebenfalls einen Anspruch verneinte. Die Entscheidungen von Sozialbehörde und erstinstanzlichem Gericht wurden mit dem vorliegenden Berufungsurteil bestätigt.
Ein Lebensgefährte, der weder Erbe geworden sei noch mit der Verstorbenen zu Lebzeiten die Übernahme der Bestattungskosten vereinbart habe, sei in Baden-Württemberg nicht zur Tragung der Bestattungskosten verpflichtet. Denn in der Liste der Bestattungspflichtigen nach dem Landesbestattungsgesetz würden Lebensgefährten nicht genannt. Mit Lebenspartnern im Sinne des § 31 Abs. 1 i.V.m. § 21 Abs. 1 Bestattungsgesetz Baden-Württemberg seien nur die gleichgeschlechtlichen Lebenspartner nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz gemeint. Alleine eine sittliche Verpflichtung, die der Kläger empfunden haben mag, würde nicht genügen. Der Betroffene hätte letztendlich rechtlich zur Tragung der Bestattungskosten verpflichtet sein müssen. Nur dann wäre der Sozialhilfeträger zum Kostenersatz nach § 74 SGB XII („Sozialbestattung“) verpflichtet gewesen.


Hinweis: Das Urteil war vollkommen vorhersehbar und richtig. Soll ein an sich nicht zur Tragung der Bestattungskosten Verpflichteter später die Möglichkeit haben, Bestattungskosten vom Sozialamt ersetzt zu bekommen, kann er als Erbe eingesetzt werden. Denn dann muss er als Kostentragungspflichtiger angesehen werden. Unserer Auffassung nach sollten auch entsprechende vertragliche Vereinbarungen z.B. zwischen den Lebensgefährten ausreichen, doch dies ist leider strittig. Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass in einigen Bundesländern die Lebensgefährten in den Landesbestattungsgesetzen als Bestattungspflichtige angesehen werden, sodass Sie dort mangels anderer Kostentragungspflichtige auch ohne Erbe zu sein, einen Anspruch nach § 74 SGB XII haben können.

(Quelle: Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg vom 25.02.2016)
(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

 

Ein letzter Gruß - Die neue Vielfalt der Bestattungs- und Trauerkultur

Neues Buch von Reiner Sörries


Die Bestattungskultur in Deutschland hat sich in den letzten zwanzig Jahren radikal verändert. Neben der traditionellen Beisetzung auf dem Friedhof haben sich Baum- und Seebestattungen ebenso weiter etabliert wie weitere Varianten außerhalb von Friedhöfen, die nur im Ausland möglich sind. Auch auf den Friedhöfen selbst werden immer mehr verschiedene Beisetzungsmöglichkeiten wie Kolumbarien oder Gemeinschaftsgräber angeboten. Und der Trend zum kreativen Umgang mit Trauer, Sterben und Tod hält an. Immer mehr Menschen suchen entsprechend persönlicher Merkmale wie zum Beispiel Alter, Geschlecht, Rasse, Herkunft, Religion, Weltanschauung und sexueller Orientierung neue Möglichkeiten, ihren "letzten Weg" aktiv mitzugestalten.

Reiner Sörries zeigt, welches Potenzial eine plurale Gesellschaft auch in Hinblick auf den "letzten Weg" entfalten kann und dass ein Comeback der traditionellen kirchlichen Bestattung durchaus möglich ist. Vorurteilsfrei beschreibt der ehemalige Leiter des Kasseler Sepulkralmuseums und der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, wie sich die die Veränderungen in der Bestattungs- und Trauerkultur in andere gesellschaftliche "Megatrends" einfügen.

Das Buch bietet einen verständlich geschriebenen, spannenden Einblick in die Veränderungen der Bestattungskultur und erklärt anschaulich die Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte und deren Ursachen. Sörries diagnostiziert keine "Regellosigkeit", sondern spricht von einer "geregelten, allerdings differenzierten Vielfalt". Veränderungen beschreibt er als "Chance für eine zeitgemäße und menschliche Trauerkultur" und widerspricht damit denjenigen, "die Abweichungen von der (bisher) geltenden Norm und Veränderungen als Verfall interpretieren".

Reiner Sörries:
Ein letzter Gruß
Die neue Vielfalt der Bestattungs- und Trauerkultur
Verlag Butzon & Bercker
Preis: 17,95 Euro
Erschienen: Februar 2016
ISBN: 978-3766622327
192 Seiten

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Großteil der Bürger toleriert Wandel im Bestattungswesen

Aeternitas fragte die Bundesbürger nach ihrer Meinung zu Bestattungstrends


Nach einer aktuellen Umfrage hätte eine große Mehrheit der Bundesbürger wegen einer Urne beim Nachbarn kein ungutes Gefühl. Die Meinung zur gemeinsamen Beisetzung von Mensch und Tier ist hingegen gespalten. Mehrheitlich als wichtig eingestuft wird der verstärkt diskutierte ökologische Aspekt von Bestattungen.

Trotz der immer wieder aufflackernden Diskussion um den bestehenden Friedhofszwang ist es in Deutschland weiterhin verboten, eine Urne zuhause aufzubewahren. Diese Vorschrift entspricht jedoch nicht dem Pietätsempfinden des Großteils der Bevölkerung. 83 Prozent der Bundesbürger hätten kein ungutes Gefühl, wenn der Nachbar eine Urne im Garten oder Wohnzimmer aufbewahren würde. Das ergab eine repräsentative Umfrage, beauftragt von Aeternitas e.V., der Verbraucherinitiative Bestattungskultur. Die Toleranz gegenüber einer Urne beim Nachbarn hat damit deutlich zugenommen. In einer Studie aus dem Jahr 2001 bekundeten 57 Prozent der Befragten, dass sie kein ungutes Gefühl hätten.

Dennoch untersagen deutsche Gerichte Urnenbeisetzungen auf privaten Grundstücken immer wieder auch mit dem Hinweis darauf, dass das sittliche Empfinden weiter Teile der Bevölkerung dem entgegenstehe. "Die Justiz bedient sich hier überholter Wertmaßstäbe, die einer kritischen Überprüfung nicht standhalten", kritisiert der Rechtsanwalt Torsten Schmitt, Rechtsreferent von Aeternitas. Auch die Politik hat bisher nur in Bremen reagiert. Hier ist zumindest die Beisetzung von Totenasche verstorbener Bremer Bürger auf Privatgrundstücken möglich.

Die gemeinsame Beisetzung von Mensch und Tier wird seit letztem Jahr auf einzelnen Friedhöfen in Deutschland angeboten. Knapp die Hälfte (49 Prozent) der Befragten befürwortet gemeinsame Gräber für Tiere und Menschen. Die andere Hälfte (48 Prozent) hält nichts davon. Jüngere Menschen gehören mit 69 Prozent mehrheitlich zu den Befürwortern, bei Älteren ab 60 Jahren ist mit 72 Prozent die Ablehnung dagegen stark ausgeprägt.

Die in vielen Lebensbereichen diskutierten Fragen der Ökologie und Nachhaltigkeit hält laut Umfrage eine knappe Mehrheit von 54 Prozent auch bei Bestattungen für wichtig (18 Prozent für sehr wichtig, 38 Prozent für eher wichtig). Vier von zehn Befragten sehen dies dagegen als eher oder sehr unwichtig an. Damit scheint die Bestattungsbranche richtig zu liegen, die seit einigen Jahren zunehmend mehr Angebote für ökologisch einwandfreie Bestattungen macht. Auch zeigt sich, dass die Diskussion um nachhaltige Produktion in der Bestattungsbranche wie zum Beispiel bei Grabmalen weiter geführt werden sollte.

Für die Studie befragte das Institut TNS-Emnid im Auftrag von Aeternitas Ende März 2016 im Rahmen einer repräsentativen Stichprobe 1.005 Bundesbürger.

Grafiken zu den jeweiligen Ergebnissen finden Sie unten auf dieser Webseite.

Dateien zu diesem Artikel zum Download:
  Mensch-Tier-Bestattung 2016 (Grafik PDF) ( 15 Kb )
  Ökologie/Nachhaltigkeit 2016 (Grafik PDF) ( 15 Kb )
  Urne beim Nachbarn 2001-2016 (Grafik PDF) ( 15 Kb )
  Friedhof Bedeutung 2016 (Grafik PDF) ( 15 Kb )

(Quelle: Aeternitas e.V.)

Grabpflegekosten sind nicht vom Sozialamt zu übernehmen

Bundessozialgericht sieht Rechtsfrage als geklärt an |

Nach einem aktuellen Beschluss des Bundessozialgerichts in Kassel müssen Grabpflegekosten bei einer sogenannten Sozialbestattung nicht vom Sozialamt übernommen werden. Sie seien nämlich nicht untrennbar mit der Bestattung an sich verbunden. Im vorliegenden Fall hat ein Antragsteller (Kläger) in der zweiten Instanz vor dem Landessozialgericht Hessen Bestattungskosten nach § 74 SGB XII zugesprochen bekommen, da ihm die Begleichung aus eigener Tasche nicht zumutbar war. Bezüglich der Grabpflegekosten wurde das Sozialamt jedoch nicht in die Pflicht genommen. Diese Rechtsansicht bestätigt der vorliegende Beschluss des Bundessozialgerichts.

Bei dem Kläger handelt es sich um einen Träger einer stationären Einrichtung für behinderte Menschen, der einen eigenen Friedhof betreibt. Dieser Träger war gemäß dem vorinstanzlichen Urteil als bestattungs- und bestattungskostentragungspflichtig für den verstorbenen Heimbewohner anzusehen. Mit dem vorliegenden Revisionszulassungsantrag verfolgte der Kläger den Erstattungsanspruch bezüglich der Grabpflegekosten weiter. Er hielt die Rechtsfrage für klärungsbedürftig, ob Kosten für die Grabpflege zu den vom Sozialhilfeträger zu erstattenden Bestattungskosten im Sinne des § 74 SGB XII gehörten, falls die Bestattung nach dem geltenden Friedhofs- und Bestattungsgesetz nur bei für die Dauer der Ruhezeit gesicherter Grabpflege erlaubt sei. Das Bundessozialgericht habe schließlich in einem früheren Urteil entschieden, dass all die Kosten als Bestattungskosten anzusehen seien, die aus öffentlich-rechtlichen Vorschriften resultierend notwendigerweise entstünden, damit die Bestattung überhaupt durchgeführt werden könne. Das Hessische Friedhofs- und Bestattungsgesetz sehe bei Bestattungen außerhalb von öffentlichen Friedhöfen aber vor, dass die Bestattung nur erlaubt werden könne, wenn die ordnungsgemäße Grabpflege während der Ruhefrist gesichert sei.

Der Argumentation des Klägers folgte das Bundessozialgericht nicht. Die aufgeworfene Rechtsfrage sei im Hinblick auf sein früheres Urteil (Senatsentscheidung vom 25.8.2011, BSGE 109, 61 ff) nicht mehr klärungsbedürftig.

Zu ersetzende Bestattungskosten seien hiernach zwar all die Kosten, die aus öffentlich-rechtlichen Vorschriften resultierend notwendigerweise entstehen, damit die Bestattung überhaupt durchgeführt werden kann oder darf. Hieraus ergebe sich aber auch, dass Kosten für die nach der Bestattung anfallende Grabpflege keine Kosten im Sinne des § 74 SGB XII darstellten, weil sie gerade nicht final auf die Bestattung selbst ausgerichtet seien. Sie setzten vielmehr eine solche Bestattung und die erste Grabherrichtung gerade erst voraus. Dass der Kläger als privater Friedhofsbetreiber, also nicht in seiner - insoweit unterstellten - Eigenschaft als Bestattungspflichtiger, landesrechtlich zur Grabpflege der auf dem von ihm betriebenen Friedhof liegenden Grabstellen verpflichtet sei, rechtfertige keine andere Beurteilung. Diese öffentlich-rechtliche Regelung stehe nicht im Zusammenhang mit der Bestattungspflicht, sondern mit der Erlaubnis, Bestattungen auch außerhalb öffentlicher Friedhöfe durchzuführen. Dem Kläger stünde es folglich in jedem Fall frei, den Verstorbenen auch auf einem öffentlichen Friedhof beerdigen zu lassen, um seiner möglichen Bestattungspflicht zu genügen. Die Entscheidung für die Bestattung auf dem von ihm betriebenen Friedhof, obwohl die Kosten der Grabpflege nicht durch Dritte gesichert seien, könne deshalb sozialhilferechtlich zu deckende Kosten nicht auslösen.

Kritik:
Das Urteil berücksichtigt nicht, dass Kosten für eine Grabpflege bei rechtmäßigem Handeln nicht zu vermeiden sind. Denn in (nahezu) jeder Friedhofssatzung ist bei einem vom Sozialamt zu bezahlenden Reihengrab die Verpflichtung des Grabnutzungsberechtigten enthalten, für eine Grabpflege zu sorgen. Diese Pflege ist kostenlos nicht möglich. Insofern geht die Begründung fehl, dass es dem Kläger auch frei stünde, die Bestattung auf einem öffentlichen Friedhof bestatten zu lassen. Denn auch in diesem Falle wären schließlich Kosten für eine Grabpflege zu übernehmen gewesen. Deshalb sind die Kosten gerade auch Folge der Bestattungspflicht.

Hinweis:
Da angesichts der höchstrichterlichen Rechtsprechung das Durchsetzen der Übernahme der Grabpflegekosten durch das Sozialamt schwierig ist, ist es umso wichtiger, möglichst bereits zu Lebzeiten für die Grabpflege vorzusorgen. Eine angemessene Grabpflegevorsorge ist nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts neben einer angemessenen Vorsorge für die Bestattung und neben dem "normalen" Schonvermögen vor dem Sozialamt sicher. Hierzu müssen vertragliche Vereinbarungen getroffen werden, die eine andere Zweckverwendung als zur Grabpflege (und Bestattung) ausschließen oder zumindest wesentlich erschweren.

(Quelle: Beschluss des Bundessozialgerichts vom 24.02.2016)
(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Feuerbestattungen weiter auf dem Vormarsch

Aeternitas fragte die Bundesbürger nach ihren Bestattungswünschen


Nur noch jeder vierte Bundesbürger bevorzugt das klassische Sarggrab auf einem Friedhof. Einäscherungen und damit verbundene, pflegefreie Beisetzungsmöglichkeiten gewinnen hingegen weiter an Beliebtheit. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Verbraucherinitiative Aeternitas.

Wünschten sich im Jahr 2004 noch 39 Prozent für die eigene Bestattung ein klassisches Sarggrab auf dem Friedhof, bevorzugen dies 2016 nur 24 Prozent der Bundesbürger. 2013 waren es noch 29 Prozent. Für das übliche Urnengrab auf dem Friedhof würden sich derzeit 19 Prozent entscheiden.

An Beliebtheit gewonnen haben pflegefreie bzw. Grabangebote, in denen die Pflege bereits enthalten ist. 47 Prozent favorisieren diese im Vergleich zu 39 Prozent im Jahr 2013. In diese Kategorie fallen zum Beispiel Beisetzungen in Bestattungswäldern, Seebestattungen oder Ascheverstreuungen in der Natur, aber auch Gemeinschaftsgräber, Urnenwände, anonyme Gräber oder Baumbestattungen auf Friedhöfen. Voraussetzung ist hier üblicherweise eine Einäscherung.

Der Anteil derer, die sich eine Urnenbeisetzung zuhause bzw. im eigenen Garten wünschen, ist im Vergleich zu 2013 von neun auf fünf Prozent gesunken. "Vielleicht zeigt sich hier eine Folge der zunehmenden Angebotsvielfalt, auch auf Friedhöfen", vermutet Christoph Keldenich, Vorsitzender von Aeternitas.

Trotz der zunehmenden Präferenz für pflegefreie Grabformen schätzen weiterhin 47 Prozent der Befragten Grabpflege für sich selbst als Bereicherung ein - und 44 Prozent als Belastung. Menschen mittleren Alters zwischen 40-49 Jahre sehen dabei besonders die Belastung im Vordergrund (58 Prozent). Für Ältere ab 60 Jahren ist es hingegen häufiger eine Bereicherung, wenn sie sich um ein Grab kümmern können bzw. könnten (55 Prozent). Als belastend empfindet dies in dieser Altersgruppe nur ein Drittel.

Auch bei der Frage nach dem bevorzugten Grabmalmaterial schlagen sich die Veränderungen der Bestattungskultur hin zu mehr Vielfalt nieder. Eine klare Mehrheit von 64 Prozent präferiert zwar weiterhin Stein. In einer Umfrage von 1996 waren es allerdings noch 85 Prozent. Holz und Materialkombinationen konnten seitdem an Zustimmung zulegen, von vier auf zwölf bzw. von vier auf zehn Prozent.

Aeternitas wollte von den Bundesbürgern auch wissen, ob der Friedhof für sie mehr als einen Bestattungsort darstellt. 52 Prozent der Befragten bejahten dies, insbesondere Menschen ab 60 Jahren (59 Prozent). Am häufigsten genannt wurden in diesem Zusammenhang der Friedhof als Ort der Ruhe, der Besinnung oder inneren Einkehr und als Ort zum Spazierengehen und zur Erholung.

Für die Studie befragte das Institut TNS-Emnid im Auftrag von Aeternitas Ende März 2016 im Rahmen einer repräsentativen Stichprobe 1.005 Bundesbürger.

Grafiken zu den jeweiligen Ergebnissen finden Sie unten auf dieser Webseite.

Dateien zu diesem Artikel zum Download:
  Bevorzugte Bestattungsform 2016 (Grafik PDF) ( 16 Kb )
  Friedhof Bedeutung 2016 (Grafik PDF) ( 15 Kb )
  Friedhof Bedeutung Nennung 2016 (Grafik PDF) ( 16 Kb )
  Bevorzugtes Grabmalmaterial 1996 zu 2016 (Grafik PDF) ( 15 Kb )
  Bevorzugtes Grabmalmaterial 2016 (Grafik PDF) ( 15 Kb )
  Grabpflege 2016 (Grafik PDF) ( 15 Kb )
  Sarggrab klassisch 2004 bis 2016 (Grafik PDF) ( 15 Kb )

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Trauer nach dem Tod eines Kindes

Ausgabe 1/2016 des Newsletters "Trauerforschung im Fokus" erschienen

Letzte Woche ist der neueste Newsletter "Trauerforschung im Fokus" (Nr. 1/2016) erschienen. Dieses Mal haben die Redakteurinnen das Thema "Verlust eines Kindes" schwerpunktmäßig in den Blick genommen. Darüber hinaus wird eine aktuelle Studie vorgestellt, die in Deutschland zum Thema Verlusterleben durchgeführt und in einer deutschsprachigen Zeitschrift veröffentlicht wurde.

Diese Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe:

  • Zum Verlauf "normalen" Trauerns. Verlusterleben in Abhängigkeit von seiner Dauer
  • Nach dem Tod eines Kindes: Der partnerschaftliche Umgang mit der Trauer
  • Nach dem Tod eines Kindes: Was denken Eltern über ihre Beziehung?
  • Nach dem Tod eines Kindes: Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Verlustverarbeitung der Eltern und der von Geschwisterkindern? Und welchen indirekten Einfluss hat ein positives Erziehungsverhalten auf die Verlustverarbeitung bei den Kindern?

Außerdem wird das neue Buch der Redakteurinnen vorgestellt: "Trauer: Forschung und Praxis verbinden. Zusammenhänge verstehen und nutzen", herausgegeben 2016 vom Verlag Vandenhoeck & Ruprecht. Darin werden vier spannende Themen, die aktuell in der Trauerforschung diskutiert werden, so für Praktiker aufbereitet, dass sie einfach und verständlich sind und wertvolle Impulse für die praktische Arbeit bieten können.

Alles weitere zum Newsletter (und die Möglichkeit, diesen zu abonnieren) finden sie unter
 www.trauerforschung.de.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Neue Broschüre zu historischen Friedhöfen in Deutschland

Kulturerbe entdecken und gestalten


Der Bund Heimat und Umwelt (BHU) hat die Broschüre "Friedhöfe in Deutschland - Kulturerbe entdecken und gestalten" veröffentlicht. Darin enthalten sind die Beiträge der Tagung "Historische Friedhöfe in Deutschland" (Juni 2015 im Museum für Sepulkalkultur in Kassel), aber auch weitere Beiträge, die sich mit diesen interessanten Orten befassen. Unterteilt ist die 180-seitige Broschüre in folgende Themenbereiche, in denen sich jeweils eine Reihe von Aufsätzen findet:

  • Engagement und Umgang mit historischen Friedhöfen
  • Vermittlung
  • Planung und Entwicklung
  • Jüdische Friedhöfe
  • Kriegsfriedhöfe
  • Grüfte

Alle Veröffentlichungen des BHU können Sie beim BHU kostenfrei bestellen. Eine Spende wird erbeten, um die weitere Arbeit des BHU zu unterstützen. Weitere Informationen finden Sie auf der  Webseite des BHU.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Ökologie und Nachhaltigkeit bei Bestattungen

Auch den letzten Schritt mit gutem Gewissen machen


Ökologie und Nachhaltigkeit sind in aller Munde. Auch die Bestattungsbranche hat den Trend erkannt und macht zunehmend mehr Angebote für ökologisch einwandfreie Bestattungen.

Anders als zum Beispiel in Großbritannien ist der Markt für "Ökobestattungen" hierzulande noch überschaubar, beobachtet Aeternitas. Doch zunehmend mehr Menschen ist es nicht gleichgültig, welche Folgen ihr Handeln für die Umwelt hat und unter welchen Bedingungen Produkte hergestellt werden. "Da sich die Bestattungskultur als Abbild gesellschaftlicher Entwicklungen stets wandelt, werden Ökologie und Nachhaltigkeit auch in diesem Bereich an Bedeutung gewinnen", prognostiziert der Aeternitas-Vorsitzende Christoph Keldenich.

In der Lebensmittelbranche haben Öko-Siegel längst Einzug gehalten, kaum ein Händler verzichtet auf eine umfassende Palette an Bioprodukten. Auch Anbieter von Bestattungsbedarf setzen verstärkt auf das grüne Gewissen der Kunden und den ökologischen Fußabdruck ihrer Waren. Ein Rundgang auf Bestattungsmessen zeugt davon: Die Schlagworte Ökologie und Nachhaltigkeit sind stets präsent. Bio-Urnen oder Särge aus nachhaltiger Produktion zum Beispiel finden sich in großer Zahl.

Das Thema zieht weitere Kreise: Während Krematoriumsbetreiber über verbesserte Schadstoffemissionen informieren, werben Anbieter von Baumbestattungen mit dem langfristigen Erhalt der Bestattungswälder. Kommunen und Kirchen stellen die Funktion der Friedhöfe als grüne Lunge und Refugium für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten heraus. Auch wird über die Arbeitsbedingungen bei der Grabmalproduktion in Asien diskutiert - ebenso über die weiten, ökologisch fragwürdigen Transportwege solcher Steine für den deutschen Markt.

Um interessierten Bürgern einen Überblick zu verschaffen, hat Aeternitas auf seiner Webseite einen eigenen Bereich  "Bestattungsthemen vor dem Hintergrund von Ökologie und Nachhaltigkeit"

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Amt darf bei Sozialbestattungen auch Bedürftigkeit der Ehegatten prüfen

Landessozialgericht: Finanzen des Partners des Antragstellers müssen offengelegt werden

Das Landessozialgericht Baden-Württemberg hat die Klage eines Mannes abgewiesen, der für die Bestattung seines Bruders die Übernahme der Kosten beim Sozialamt (nach § 74 SGB XII) beantragt hatte. Die Stuttgarter Richter folgten der Argumentation des Sozialhilfeträgers, der darauf verwies, dass dem Antragsteller die Tragung der Kosten aus Nachlass und eigenem Vermögen zumutbar bzw. die Unzumutbarkeit nicht nachgewiesen sei. Unter anderem seien keine Angaben über das Einkommen und damit die Bedürftigkeit der Ehefrau gemacht worden, was jedoch nach Ansicht des Amtes Voraussetzung gewesen wäre. Der Antragsteller (im folgenden Kläger) erhob gegen die Ablehnung zunächst erfolglos Klage beim Sozialgericht Heilbronn und verlor den Prozess nun auch in der Berufung vor dem Landessozialgericht Baden-Württemberg.

Im Einzelnen urteilten die Richter folgendermaßen: Die Berufung wurde schon als unzulässig verworfen, da der Kläger diese verspätet eingelegt hatte. Dennoch befasste sich das Gericht auch noch in der Sache mit der Berufung. Der Kläger habe nach wie vor nicht nachvollziehbar aufgezeigt, dass ihm die Aufbringung der Mittel aus seinem Einkommen und Vermögen sowie demjenigen seiner Ehefrau unzumutbar sei (§§ 2, 19 Abs. 3 SGB XII). Er habe sich nicht dazu erklärt, über welche Vermögenswerte er im maßgeblichen Zeitraum verfügt hat, obwohl insbesondere Hinweise auf Grundeigentum, ein Kraftfahrzeug und Geschäfts- oder Gesellschaftsanteile bestünden. Auch unklare Aufenthaltsverhältnisse mit Haupt- und Nebenwohnsitz sowie die nach seinen Angaben erfolgte Übernahme der Wohnung seines Bruders sprächen für Einkommens- und Vermögensressourcen, die bisher nicht offengelegt worden seien. Schließlich sei auch eine Einkommensberechnung nach der maßgeblichen Vorschrift des § 85 SGB XII schon deshalb nicht möglich, weil das Einkommen der Ehefrau des Klägers und die Aufwendungen für die Unterkunft unbekannt seien.


Kritik:
Auch wenn dieser Punkt für die Entscheidung nicht tragend war, hat das Landessozialgericht die Streitfrage aufgegriffen, ob auch das Einkommen des Ehegatten des Kostentragungspflichtigen bei der Zumutbarkeitsprüfung mit zu berücksichtigen ist. Im amtlichen Leitsatz des Urteils wurde dies bejaht. Würde man dieser Rechtsansicht folgen, müsste dies wohl nach § 20 SGB XII auch für die Personen gelten, die in eheähnlicher oder lebenspartnerschaftsähnlicher Gemeinschaft mit dem Kostentragungspflichtigen leben. Nach Meinung von Aeternitas ist dies jedoch abzulehnen, denn die Kostentragungspflicht trifft nur den jeweils Verpflichteten und nicht ein weiteres Mitglied der Einstandsgemeinschaft. Diese einschränkende Auslegung ergibt sich insbesondere daraus, dass im Rahmen vom § 74 SGB XII nicht nur wirtschaftliche, sondern eben auch persönliche Gründe gegen eine Zumutbarkeit sprechen können: Je enger das Verwandtschaftsverhältnis war, desto höher ist regelmäßig der zumutbare Einkommens- und Vermögenseinsatz. Schwiegersohn und Schwiegertochter der Verstorbenen bzw. die Lebensgefährten der Kinder sind mit dem Verstorbenen aber überhaupt nicht verwandt und würden bei einer Anrechnung ihres Einkommens/Vermögens dann entgegen dieser zu berücksichtigenden Wertung im Ergebnis in die Haftung genommen. Es bleibt zu hoffen, dass das Bundessozialgericht sich dieser Auffassung doch noch –- entgegen eigener Andeutung - anschließen wird.
 

(Quelle: Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg vom 25.02.2016)
(Quelle: Aeternitas e.V.)
 
 

Bundesgerichtshof fordert von Bestattern mehr Preistransparenz

Kunden müssen Überführungskosten abschätzen können

In einem Anfang des Jahres erlassenen Urteil hat der Bundesgerichtshof einen Bestattungsbetrieb verpflichtet, anfallende Überführungskosten transparenter darzustellen. Im vorliegenden Fall hatte ein anderes Bestattungsunternehmen den Konkurrenten wegen seiner Preisdarstellung in einem Werbeflyer auf Unterlassung in Anspruch genommen und bezüglich der fehlenden näheren Darstellung der Überführungskosten Recht bekommen. Der Rechtsstreit ging mit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs bis zur dritten Instanz, nachdem die Angelegenheit schon vor dem Landgericht Traunstein und dem Oberlandesgericht München verhandelt worden war.

Das Ergebnis stellt der Bundesgerichtshof in einem der amtlichen Leitsätze deutlich dar:
"Ein Bestattungsunternehmer, der für seine Dienstleistungen unter Angabe von Preisen für einzelne Bestattungsarten wirbt, hat im Hinblick auf die bei jeder Bestattung anfallenden, entweder in Form von Entfernungspauschalen oder anhand eines Kilometerpreises berechneten Überführungskosten die hierfür maßgeblichen Berechnungsparameter und deren Höhe anzugeben."

Seine Rechtsauffassung leitet der Bundesgerichtshof im Wesentlichen wie folgt her:

Zwar ergebe sich alleine aus dem Wortlaut von § 1 Abs. 1 Satz 1 PAngV (Preisangabenverordnung) nicht, dass die Art der Preisberechnung mitzuteilen sei wenn ein End- oder Gesamtpreis nicht angegeben werden könne. Dies folge aber aus einer richtlinienkonformen Auslegung (also einer Auslegung die das EU-Recht gebietet) von § 1 Abs. 6 PAngV anhand von Art. 7 Abs. 4 Buchst. c der Richtlinie 2005/29/EG. Danach müssten nämlich Preisangaben der allgemeinen Verkehrsauffassung und den Grundsätzen von Preisklarheit und Preiswahrheit entsprechen. Wenn mit der Entscheidung für ein Produkt eine (nicht ohne weiteres abänderbare) Entscheidung für ein damit zusammenhängendes anders Produkt getroffen würde, müssten vom Anbietenden oder Werbenden die für dieses andere Produkt entstehenden Kosten deutlich kenntlich gemacht werden. Ein solches einheitliches Leistungsangebot liege in aller Regel dann vor, wenn die Inanspruchnahme der beworbenen Leistung zwangsläufig die Inanspruchnahme einer anderen Leistung voraussetze. Nicht bezifferbare Kosten für Einzelleistungen müssten hier hinreichend deutlich kenntlich gemacht werden.

Bezüglich der immer bei einer Bestattung anfallenden Überführungskosten sei infolgedessen die Grundlage der Preisberechnung mitzuteilen.
 

(Quelle: Urteil des Bundesgerichtshofs vom 14.01.2016)
(Quelle: Aeternitas e.V.)
 
 

 

 

Trauer: Forschung und Praxis verbinden

Neues Buch hilft, Zusammenhänge zu verstehen und zu nutzen


Das Thema Trauer hat auch in Deutschland Konjunktur. Professionelle, die mit Trauernden zu tun haben, informieren über ihre Erfahrungen in den Medien. Vieles von diesem Wissen beeinflusst die gesellschaftlichen Vorstellungen von Trauer. Doch welchen Nutzen hat das Erfahrungswissen? Hilft es wirklich zu verstehen, wie die Mehrheit der Menschen Verluste verarbeitet, oder erfahren wir eher, wie der Einzelne mit seinem Schicksal umgeht? Warum finden zentrale Themen, die international zum Standardrepertoire von Fachkräften gehören, hierzulande kaum Anwendung? Häufig liegt es an der fehlenden Kenntnis über aktuelle Entwicklungen in der internationalen Trauerforschung.

Das Buch schließt diese Lücke und stellt zentrale Themen vor, die aktuell von Wissenschaftlern und Praktikern auf der ganzen Welt diskutiert werden. Damit gibt es Antworten auf Fragen wie zum Beispiel: Wieso leiden einige Menschen mehr unter einem Verlust als andere? Unter welchen Bedingungen ist eine fortgesetzte Bindung zum Verstorbenen ungünstig oder hilfreich? Erst wenn Erfahrungswissen und wissenschaftliche Erkenntnisse miteinander verbunden werden, können Menschen realistische Vorstellungen davon entwickeln, wie Betroffene Verluste verarbeiten. Und vor diesem Hintergrund lässt es sich besser entscheiden, wie wir ihnen hilfreich zur Seite stehen können.

Die beiden Autorinnen betreuen schon seit Jahren das Newsletter-Projekt  www.trauerforschung.de und sind beide Mitglied im Beirat des Trauerportals  www.gute-trauer.de.

Heidi Müller, Hildegard Willmann:
Trauer: Forschung und Praxis verbinden
Zusammenhänge verstehen und nutzen
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht
Preis: 15,- Euro
Erschienen: März 2016
ISBN: 978-3-525-40260-3
116 Seiten

(Quelle: Aeternias e.V.)

 

Urteil: Sozialamt muss für Bestattungsvorsorge zahlen

Sozialgericht Karlsruhe stärkt Rechte von Leistungsempfängern


Ein kürzlich veröffentlichtes Urteil des Sozialgerichts Karlsruhe verpflichtet das Sozialamt, die monatlichen Kosten einer Sterbegeldversicherung zu übernehmen. Die Richter hielten diese Leistung im Rahmen der Grundsicherung im Alter für erforderlich, um die Bestattung der Antragstellerin abzusichern.

Das Karlsruher Sozialgericht hat die Rechte für die Bestattung Vorsorgender gegenüber Sozialämtern weiter gestärkt. In vor kurzem veröffentlichten und bereits Ende letzten Jahres gefällten Entscheidung (Aktenzeichen S 4 SO 370/14) wurden die Beiträge für eine Sterbegeldversicherung im Rahmen der Grundsicherung im Alter als zusätzlicher Bedarf eingestuft. Um die Bestattung der Antragstellerin abzusichern, müsse der verklagte Sozialhilfeträger die monatlichen Raten übernehmen - in diesem Fall ungefähr 84 Euro. Damit solle die geplante und als angemessen eingestufte Bestattungsvorsorge in Höhe von 5.001 Euro weiter gewährleistet werden. Das Gericht verwies auf Paragraph 33 Absatz 2 des Zwölften Sozialgesetzbuches, nach dem die erforderlichen Aufwendungen für ein angemessenes Sterbegeld übernommen werden können.

Im vorliegenden Fall hatte die Betroffene zwei Jahre zuvor eine Sterbegeldversicherung abgeschlossen. Es bestand also kein Verdacht, dass die Versicherung nur abgeschlossen wurde, um das Sozialamt zu belasten. Entscheidend war auch die klare Zweckbestimmung: Bei dem Abschluss einer Sterbegeldversicherung sei objektiv erkennbar, dass diese zur Vorsorge im Todesfall abgeschlossen werde. Darüber hinaus sahen die Richter im vorliegenden Fall eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Sozialamt ansonsten später im Todesfall ohnehin für die Bestattungskosten aufkommen hätte aufkommen müssen.

Aeternitas begrüßt das Urteil. Möglichst jedem soll ein letzter Abschied nach eigenen Vorstellungen ermöglicht werden. Und wer rechtzeitig für seine Bestattung vorsorgt, entlastet damit sich selbst und seine Angehörigen - emotional und finanziell. Dies hat das Sozialgericht Karlsruhe erkannt.

(Quelle:Aeternitas e.V.)

 

Werbung mit der „Urne zu Hause“ ist illegal - gleich vier Landgerichte haben dies entschieden!


Immer wieder ist die Werbung einzelner Bestattungsunternehmer mit der „Urne zu Hause“, „Urne daheim“ oder auch „Urne an Angehörige“ Gegenstand der Diskussion. Jedem in der Branche ist sie ein Begriff und - Hand aufs Herz - wer war nicht schon selbst der Versuchung nahe, dem Wunsch einzelner Kunden nachzugeben? Schließlich wirbt der Konkurrent vor Ort doch auch damit. Schnell kommt dann das Gefühl auf, so ganz verboten könne die Werbung doch nicht sein.
Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Gleich vier Landgerichte bundesweit (in Kiel, Lüneburg, Leipzig und Bonn) haben kürzlich durch Urteil entschieden, dass das Angebot „Urne zu Hause“ gegen geltendes Recht verstößt. Die beklagten Unternehmen sind ausnahmslos zur Unterlassung dieser Werbung verurteilt worden.
Irreführend und verboten
Unter der Werbung „Urne zu Hause“ werden Angebote verstanden, die Angehörigen in Deutschland ermöglichen, die Urne ihres Verstorbenen zeitlich unbefristet zu Hause aufzubewahren. Da dies in Deutschland verboten ist, wird die Urne ins Ausland zu einem Partnerunternehmen versendet, das dann eine Rücküberführung nach Deutschland gestaltet.
Die Landgerichte in Bonn, Lüneburg und Leipzig beurteilten die Werbung sämtlich als irreführend gem. § 5 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 UWG. Danach enthält das Angebot „Urne zu Hause“ unwahre Angaben über wesentliche Merkmale der Dienstleistung, insbesondere hinsichtlich Vorteilen, Risiken und Verwendungsmöglichkeiten. Denn mit dieser Werbung wird dem durchschnittlichen Verbraucher suggeriert, er habe, nutze er das Angebot, die Möglichkeit, die Urne auf unbestimmte Zeit bei sich zu Hause aufzubewahren. Dies entspricht jedoch nicht der Rechtslage, da in Deutschland nach wie vor die Beisetzungs- und Friedhofspflicht gilt.
Auch ein Hinweis zum Vorliegen einer Ordnungswidrigkeit im Rahmen des Angebots „Urne zu Hause“ ändert an der Unzulässigkeit des Angebots nichts. Die Werbung, so das Landgericht Bonn, erweckt bei den angesprochenen Verkehrskreisen, also den Angehörigen von Verstorbenen, den Eindruck, dass man nach Wiederverbringung der Urne nach Deutschland frei darüber verfügen könne. Dies gestatte aber im konkreten Fall das Bestattungsgesetz NRW (§§ 13, 15 BestG NRW) nicht.
Ein Verstoß gegen höherrangiges EU-Recht, wie die Beklagten vor dem LG Lüneburg einwandten, liegt ebenfalls nicht vor. Dies scheidet schon mangels einer entsprechenden EU-Verordnung aus. Selbst wenn man den Gedanken des freien Warenverkehrs heranziehen wollte, so vertrat das Gericht zu Recht die Auffassung, dass es sich bei der menschlichen Asche nicht um eine Ware handelt, deren freier Verkehr über Ländergrenzen hinweg gewährleistet werden müsse.
Verleitung zum Gesetzesverstoß
Das LG Kiel bewertete das Angebot „Urne zu Hause“ sogar als eine geschäftliche Handlung, die geeignet ist, die Entscheidungsfreiheit der Verbraucher oder sonstiger Marktteilnehmer durch einen unangemessenen unsachlichen Einfluss zu beeinträchtigen (§ 4 Nr. 1 UWG), indem sie das Potential hat, zu einem Gesetzesverstoß zu verleiten. Bereits das Aufzeigen der Möglichkeit, auf welche Weise interessierte Angehörige über die Schweiz auf legalem Weg in den Besitz der Urne gelangen können, ohne der behördlichen Aufsicht und Bestattungspflicht in Deutschland ausgesetzt zu sein, und dadurch zumindest die tatsächliche Möglichkeit zu erhalten, die Urnen ohne Aufsicht nach Deutschland zurückzuüberführen und sie zu Hause aufzubewahren, ist danach unzulässig. Die Schaffung des beschriebenen Anreizes wird nach Auffassung des Landgerichts Kiel nicht durch den Hinweis auf die Begehung einer Ordnungswidrigkeit rechtlich „neutralisiert“.
Fazit: Geltendes Recht ist zu beachten
Die Entscheidungen zeigen, dass es sich bei der Werbung „Urne zu Hause“ nicht um ein Kavaliersdelikt handelt. Geltendes Recht ist zu beachten. Die Urne im heimischen Umfeld ist in Deutschland rechtlich nicht vorgesehen. Dies hat im Übrigen auch der Bremer Gesetzgeber in seiner Motivation zur Lockerung des Friedhofszwangs grundsätzlich so bewertet. Wer dies nicht beachtet und wissentlich gegen geltendes Recht verstößt, handelt nicht nur wettbewerbs- und ordnungswidrig, sondern verleitet darüber hinaus seine Kunden zur Begehung einer Ordnungswidrigkeit. Dies steht mit dem Anspruch unseres Berufsstandes, das berufliche Ansehen nachhaltig zu kräftigen und der kontinuierlichen Anhebung des Qualitätsstandards bei der Dienstleistungserbringung nicht im Einklang. Gibt es doch auch neben der dargestellten Rechtslage und der Notwendigkeit eines rechtskonformen Verhaltens gute Gründe, die Urne auf einem Friedhof oder auf See beizusetzen und damit jedem Angehörigen die Möglichkeit zu geben, Abschied zu nehmen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Urne mit dem Umzug oder Versterben des die Urne Aufbewahrenden nicht schlicht mit dem Hausmüll entsorgt wird.
Gegen die Entscheidung des LG Lüneburg wurde Berufung eingelegt. Die Entscheidungen aus Leipzig und Bonn werden voraussichtlich in Rechtskraft erwachsen.
Antje Bisping

(Quelle: Bundesverband Deutscher Bestatter e.V.)

 

 

Urnenasche - Gefahr für Boden und Grundwasser?


Ob Urnenasche eine Gefahr für Boden und Grundwasser darstellt, wird kontrovers diskutiert. Die jüngst mit zunehmender Schärfe geführte Auseinandersetzung der Friedhofsgewerke (Friedhofsgärtner, Steinmetze, Bestatter, Friedhofsträger) mit den Anbietern alternativer Bestattungsangebote hat auch zur Folge, dass Nutzer wie Genehmigungsbehörden mitunter Klärungsbedarf sehen.

Vor diesem Hintergrund organisiert die DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) in Osnabrück am Montag, dem 11.01.2016 eine Fachtagung zum Thema "Urnenasche - Gefahr für Boden und Grundwasser?", in deren Rahmen auch möglicher Forschungsbedarf ermittelt werden soll.

Zu dieser Fachtagung werden nicht nur die betroffenen Fachkreise, sondern auch die interessierte Öffentlichkeit eingeladen. Nach einführenden wissenschaftlichen Vorträgen von Prof. Prof h. c. Dr. Dr. h. c. Rainer Horn und Prof. Dr. Dr. Tade Matthias Spranger soll der Stellungnahme von Friedhofsträgern, Verbänden, Unternehmen und einer anschließenden offenen Diskussion Raum und Zeit gegeben werden.

Im Nachgang zur Tagung werden die Vorträge als Download zur Verfügung gestellt.

Weitere Informationen auf der  Webseite der DBU.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

 

Verwaltungsgericht München: Trauerfeier gehört zu einer würdigen Bestattung

Ordnungsamt darf und muss Trauerfeier durchführen lassen 

In dem zugrundeliegenden Fall weigerten sich die beiden erwachsenen Kinder einer Verstorbenen, für deren Bestattung zu sorgen. Infolgedessen ließ das zuständige Ordnungsamt die Bestattung durch das städtische Bestattungsinstitut durchführen. Dabei wurde auch eine Trauerfeier mit beauftragt. Die Kosten der Bestattung machte das Ordnungsamt dann bei einem der Brüder geltend, der sich gegen diese Inanspruchnahme zur Wehr setzte. Dies führte zu dem vorliegenden Gerichtsverfahren. Der Kläger machte geltend, der Beklagten (also der Stadt bzw. Gemeinde) sei durch seine Information bekannt gewesen, dass sich die Kosten einer Bestattung im Rahmen einer einfachen Feuerbestattung mit einfacher Urnenaussegnung zu bewegen habe. Es sei auch unverständlich, weshalb er allein zur gesamten Übernahme der Bestattungskosten herangezogen werden solle, obwohl noch ein Sohn existiere.

Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht.
Der Kläger und sein Bruder seien beide als Gesamtschuldner zur Zahlung der vollen Bestattungskosten verpflichtet, weshalb es im Ermessen der Behörde gestanden habe, von wem sie das Geld forderte. Die Ermessensentscheidung sei weder willkürlich noch offenbar unbillig.

Auch die Höhe der geltend gemachten Kosten beanstandeten die Richter nicht. Der Kläger ist nach dem Bestattungsgesetz (Art. 14 Abs. 2 Satz 2) zur Erstattung der notwendigen Kosten der Bestattung verpflichtet. Notwendige Kosten der Bestattung seien sämtliche Kosten der Gemeinde, die diese zur Erfüllung ihrer im Bestattungsgesetz vorgeschriebenen Aufgaben (Art. 14 Abs. 2 Satz 1) aufwenden musste, um eine angemessene Bestattung in einfacher, aber würdiger und ortsüblicher Form zu gewähren.

Vorliegend handele es sich durchweg um notwendige Kosten, die auch gemäß § 74 des Zwölften Sozialgesetzbuches (§ 74 SGB XII: Übernahme der Bestattungskosten im Rahmen einer sogenannten Sozialbestattung) erstattungsfähig wären. Soweit die zuständige Behörde auf Kosten des Bestattungspflichtigen die Bestattung selbst veranlasst, habe sie in eigener Regie und in dem nach § 74 SGB XII erstattungsfähigen Kostenrahmen grundsätzlich eine angemessene Bestattung in einfacher, aber würdiger und ortsüblicher Form zu gewähren. Diesem Erfordernis habe die Gemeinde vorliegend durch die Durchführung einer kleinen Trauerfeier unter Anwesenheit eines Pfarrers entsprochen.

Laut Verwaltungsgericht gehe im Falle einer durchzuführenden ordnungsamtlichen Bestattung auch das Bestimmungsrecht hinsichtlich der Gestaltung der Bestattung auf die Gemeinde über. Die Veranlassung der Bestattung durch die Gemeinde stelle insofern mehr als eine bloße Ersatzvornahme dar. Sie habe im Rahmen der Ausübung dieses Bestimmungsrechts die bestattungsrechtlichen Vorgaben zu beachten und sei – wie jeder öffentliche Hoheitsträger – an die Grundrechte gebunden. Gemäß Art. 5 Satz 1 des Bayerischen Bestattungsgesetzes darf mit Leichen und Aschenresten Verstorbener nur so verfahren werden, dass keine Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere für die Gesundheit und für die Belange der Strafrechtspflege, zu befürchten sind und die Würde des Verstorbenen und das sittliche Empfinden der Allgemeinheit nicht verletzt werden. Neben den gesundheitlichen Aspekten seien demnach sehr wohl auch der Schutz der Würde des Verstorbenen basierend auf der Menschenwürde gemäß. Art. 1 Abs. 1 des Grundgesetzes und der Schutz des sittlichen Empfindens der Allgemeinheit Zweck des Bayerischen Bestattungsgesetzes.

Dass sich dieser Schutz ausschließlich darauf beschränken sollte, dass zum einen überhaupt eine (möglichst kostengünstige) Bestattung stattfinde und zum anderen eine Verletzung des Gebots der Pietät verhütet werde, die typischerweise durch den fortschreitenden Verwesungsprozess nicht bestatteter menschlicher Leichen drohe, sei der Vorschrift nicht zu entnehmen. Vielmehr gehöre es zu einem die Würde des Verstorbenen berücksichtigenden Vorgehen eines Hoheitsträgers auch, dass ein Verstorbener nicht nur gesundheitspolizeilich ordnungsgemäß „beseitigt“ und bei den dafür erforderlichen Verrichtungen würdevoll behandelt wird, sondern auch, dass die Bestattung selbst in würdevoller Form geschieht. Diesem Erfordernis werde nicht allein dadurch Rechnung getragen, dass die Bestattung auf einem Friedhof erfolge, was allein schon aufgrund des Friedhofzwangs eine Selbstverständlichkeit sei.

Vielmehr seien seitens der Gemeinde hierbei auch das religiöse Bekenntnis des Verstorbenen und die ortsüblichen Bestattungszeremonien zu berücksichtigen. Denn es könne mangels Nachweises eines entgegenstehenden Willens eines Verstorbenen davon ausgegangen werden, dass ein Angehöriger einer Religionsgemeinschaft in Begleitung eines Geistlichen dieser Religionsgemeinschaft zu Grabe getragen werden möchte und dass dies auch im Rahmen der ortsüblichen Bestattungszeremonien erfolgen sollte. Dies entspreche auch dem sittlichen Empfinden der Allgemeinheit. Dieses wäre verletzt (Art. 5 Satz 1 BestG), wenn Verstorbene, deren Verwandte sich nicht um die Bestattung kümmern oder nicht zu ermitteln sind, seitens der Gemeinden ohne ortsübliche Bestattungszeremonie und ohne religiöse Begleitung bestattet würden. Es würde von der Allgemeinheit so empfunden werden, als würden diese Menschen lediglich möglichst kostengünstig „verscharrt“ werden. Auch diesem Vorwurf müsse und dürfe sich ein Hoheitsträger wie die beklagte Gemeinde im Rahmen einer von ihr in Auftrag gegebenen Bestattung nicht aussetzen.


Anmerkung:
Die Argumentation des Verwaltungsgerichts ist auch auf andere Bestattungsdienstleistungen auszudehnen. So ist es nach Meinung von Aeternitas rechtswidrig, wenn Menschen -– ohne dass es ihr ausdrücklicher Wunsch war –- anonym von den Ordnungsämtern bestattet werden. Noch schlimmer ist es, wenn dies weit entfernt vom Wohnort der Verstorbenen geschieht, um Geld zu sparen.
 

(Quelle: Aeternitas e.V.)

(Quelle: Urteil des Verwaltungsgerichts München vom 28.08.2014)

 

Wackeliger Grabstein darf nicht nur verklebt werden

Oberverwaltungsgericht Schleswig-Holstein: Das Grabmal ist zu dübeln 

Im zugrundeliegenden Sachverhalt wackelte ein Grabstein mit einem geschätzten Gewicht von knapp 300 kg. Da der Grabnutzungsberechtigte Kläger den Stein nicht befestigte, legte der Friedhofsträger (Beklagter) den Stein um. Der Kläger verlangte von dem Beklagten zunächst in erster Instanz und dann vorliegend mit Hilfe eines Antrages auf Zulassung der Berufung, den Stein wieder aufzustellen. Die seiner Ansicht nach ungefährlichen Bewegungen des Steines hätten laut Kläger auf der Bauweise beruht: Der Stein sei durch zwei im Fundament verankerte massive Eisenstangen gehalten worden, auf die der mit passgenauen Bohrungen versehenen Grabstein gehoben worden sei. Der Grabstein habe zwar gewackelt, "allerdings nur in dem von den Stahlträgern zugelassenen Rahmen". Es habe aber keine Kippgefahr bestanden.

Dies bewertete das Oberverwaltungsgericht Schleswig-Holstein unter Bezug auf die technischen Regelungen anders: Es sei nämlich auch aus der Beschreibung der Konstruktion nicht erkennbar, dass der Grabstein den Anforderungen der einschlägigen Regelwerke (insbesondere der TA Grabmal 2012 oder der Richtlinie für die Erstellung und Prüfung von Grabmalanlagen des Bundesverbands Deutscher Steinmetze) entsprach. Im Gegenteil hätte nach dem Vortrag des Klägers eine akute Gefahr durch den Grabstein bestanden. Die vom Kläger gegebene Beschreibung lasse nämlich nicht den Schluss zu, dass die Aufstellung des Grabsteins und seine Verankerung den technischen Anforderungen entsprochen hatten. So sei mit keinem Wort die Rede davon gewesen, dass das Grabmal in der erforderlichen Weise konstruktiv in seiner Lage gesichert worden wäre. Im Gegenteil zeige der Vortrag, dass der Grabstein "„in dem von den Stahlträgern zugelassenen Rahmen" gewackelt habe, dass die erforderliche Dübelung nicht vorgenommen worden sei. Außer bei Kissensteinen oder Büchern, bei denen keine Kippgefahr bestehe, seien Grabmäler aber mit Dübeln zu sichern. Der Kläger verkenne und verharmlose die Gefahren, die durch das Umkippen eines Grabsteins bestehen.

Die Verklebung des Grabsteins mit der Fundamentplatte deute zusätzlich auf eine technisch unsachgemäße Aufstellung hin. Da die fachgerechte Reparatur mit höheren Kosten verbunden sei, werde oftmals versucht, Kleber in die Fuge zu spritzen. Die Klebung verhindere, dass es zu Kantenpressungen und Abplatzungen am Grabstein komme, trage zur Standsicherheit des Grabsteins jedoch nicht bei. Da in diesem Falle die Dübeltragwirkung nicht vorhanden sei und deshalb eine nicht vorhandene Standsicherheit vorgetäuscht werde, sei ein solches Verkleben sowohl nach der Richtlinie des Bundesinnungsverbandes wie auch nach der TA Grabmal die Lastübertragung verboten.

Mithin ging von dem Stein eine Gefahr aus, die die Friedhofsverwaltung durch das Umlegen beseitigen durfte. Ein Anspruch des Klägers auf das Wiederaufstellen des Grabmals bestand nicht.
 

(Quelle: Aeternitas e.V.)

(Quelle: Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Schleswig-Holstein vom 26.03.2015)

 

Der Wille des Verstorbenen bestimmt den Bestattungsort

OLG Sachsen-Anhalt: Verwandtenstreit findet in der Achtung der Totenruhe seine Grenzen

In einem Berufungsverfahren hat das Oberlandesgericht Sachsen-Anhalt eine einstweilige Verfügung gegen die Witwe eines Verstorbenen bezüglich des Bestattungsortes erlassen und damit eine Umbettung zumindest vorerst untersagt. Beantragt hatte die Verfügung der Zwillingsbruder des Verstorbenen, der diesen in Berlin hatte bestatten lassen. Die Witwe war hingegen der Auffassung gewesen, dass ihr verstorbener Mann an einem anderen Ort, wohl dem früheren gemeinsamen Wohnort, bestattet werden wollte. Vor diesem Hintergrund war der Zwillingsbruder vor Gericht gezogen, um der Ehefrau das Veranlassen einer Umbettung bei Androhung eines Ordnungsgeldes untersagen zu lassen. Außerdem hatte er die einstweilige Übertragung des Totensorgerechts auf sich beantragt.

Den Antrag auf das Verbot einer Umbettung hielt das Gericht in Naumburg für begründet. Verwandtenstreit finde an der Achtung vor der Ruhe der Toten seine Schranken. Eine Umbettung könne nur aus ganz besonderen Gründen veranlasst werden. Diese Gründe müssten feststehen. Bis dahin sei durch eine vorläufige Regelung zu verhindern, dass der Verstorbene durch mehrfache Umbettung dem Streit der Parteien ausgesetzt würde.

Es sei vom Bruder außerdem glaubhaft gemacht worden, dass er dem Willen des Verstorbenen entsprochen habe. Dies schließt das Gericht insbesondere aus einer eidesstattlichen Versicherung des Bruders, nach der der Verstorbene in seiner letzten Lebensphase zum Ausdruck gebracht habe, in Berlin bestattet zu werden. Darüber hinaus lägen verschiedene unstreitige und in der Entscheidung genannte Indizien vor, die belegten, dass sich der Verstorbene angesichts des bevorstehenden Todes einerseits immer weiter seinem Bruder angenähert und ihm anvertraut, andererseits von seiner Ehefrau immer weiter entfernt hatte.

Der Antrag auf Übertragung des Totensorgerechts wurde hingegen abgelehnt. Wer die Totenfürsorge innehabe, bestimme sich nach dem zu Lebzeiten geäußerten Willen des Verstorbenen. Beherrschender Grundsatz des Totenfürsorgerechts sei die Maßgeblichkeit des Willens des Verstorbenen. Das Recht zur Totenfürsorge könne nicht gegen den irgendwie geäußerten Willen des Verstorbenen ausgeübt werden. Deshalb seien die nächsten Angehörigen und vor den Verwandten die Ehegatten totenfürsorgeberechtigt, wenn der Verstorbene keine andere Person mit dieser Aufgabe betraut habe. Das hieße für den Verfügungskläger im vorliegenden Fall, entweder habe ihm sein Zwillingsbruder die Totenfürsorge übertragen oder das Recht stehe unübertragbar der Beklagten zu. Lasse sich aus den Umständen ein ihn bestimmender Wille des Verstorbenen zuverlässig (mit Sicherheit) entnehmen, sei der Bruder Inhaber der Totenfürsorge, sodass es einer Übertragung nicht bedürfe.

Habe sich der Verstorbene nicht in diese Richtung geäußert, bleibe es bei den gewohnheitsrechtlichen Grundsätzen, also bei der Totenfürsorge der Witwe. Eine Rechtsgrundlage zur gerichtlichen Übertragung der Totenfürsorge auf andere Personen gebe es nicht. Der Bruder kann sich in Ermangelung des eigenen Totenfürsorgerechts dann nur gegen einzelne Maßnahmen der Witwe wenden, wenn diese dem (mutmaßlichen) Willen des Toten widersprechen. Außerdem gelte der Grundsatz, dass im einstweiligen Rechtsschutz die Hauptsache nicht vorweggenommen werden darf. Das bedeutet, dass vor einer abschließenden Entscheidung keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden sollen.


Anmerkung: Von verschiedenen Juristen wird behauptet, dass das Befolgen der Wünsche des Verstorbenen nur eine sittliche Pflicht sei. Das Oberlandesgericht Sachsen-Anhalt hat im vorliegenden Verfahren die Rechtsauffassung von Aeternitas bestätigt, dass nahe Angehörige, auch ohne (primär) totensorgeberechtigt zu sein, Maßnahmen verhindern können, die dem Willen eines Verstorbenen widersprechen. Dies war zwar im Urteil nur ein Nebenaspekt, ist aber besonders herauszuheben, da der Wille des Verstorbenen als Ausdruck seiner postmortalen Würde ein grundlegender Maßstab im Bestattungsrecht ist.

(Quelle: Aeternitas e.V.)

(Quelle: Urteil des Oberlandesgerichts Sachsen-Anhalt vom 08.10.2015)

 

Sozialamt muss Bestattungskosten ohne Auskunft zum Nachlassvermögen erstatten

Durch Ausschlagen des Erbes keine Verwertbarkeit des Nachlasses gegeben

Das Sozialgericht Karlsruhe hat die Rechte Betroffener bestätigt, die im Rahmen einer Bestattung finanzielle Unterstützung beim Sozialamt beantragen. Im vorliegenden Fall hatten die Richter über einen Sachverhalt zu urteilen, in dem die einkommens- und vermögensarme Schwester (Klägerin) das Erbe ihres verstorbenen Bruder ausgeschlagen und einen Antrag auf Erstattung der Bestattungskosten beim Sozialhilfeträger (Beklagter) gestellt hatte. Das Gericht sprach der Klägerin die Bestattungskosten zu. Die Sozialbehörde hatte die Kostenerstattung deshalb abgelehnt, weil die Klägerin nicht bewiesen hätte, dass kein Nachlassvermögen vorhanden sei. Dieses wäre zuerst für die Bestattung einzusetzen.

Das Sozialgericht gab aber der Klägerin mit ihrer Argumentation Recht. Zwar sei grundsätzlich der Nachlass für eine Bestattung vorrangig aufzuwenden. Durch die Ausschlagung des Erbes sei die Klägerin jedoch von Anfang an nicht als Erbin zu betrachten gewesen, sodass ihr der Nachlass niemals als „bereites Mittel“ zur Verfügung gestanden habe.

Dass die Klägerin dem Beklagten gegenüber - trotz wiederholter Aufforderung - keine Angaben zum Nachlasswert gemacht habe, stehe der sozialhilferechtlichen Bedarfslage nicht entgegen. Denn sie habe ihrem glaubhaften Vortrag gemäß seit Jahren keinen persönlichen Kontakt zu ihrem Bruder mehr gehabt und deswegen weder über seine Lebensführung noch seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse Kenntnis. Infolge der Ausschlagung habe sie auch keinen Rechtsanspruch auf Auskunft über den Nachlassbestand.

Zwar habe das Sozialamt die Erbausschlagung eines Hilfebedürftigen bzw. Hilfesuchenden zu Lasten der Allgemeinheit nicht in jedem Fall hinzunehmen, doch seien Ausnahmen auf Fälle der Sittenwidrigkeit nach § 138 BGB beschränkt. Die Prüfung der Sittenwidrigkeit müsse dabei zurückhaltend erfolgen. U.a. seien die Werthaltigkeit der Erbschaft, die Motive des Hilfesuchenden für die Ausschlagung, sowie die Frage zu prüfen, ob er in der Absicht, sozialhilfebedürftig zu werden, mit direktem Vorsatz gehandelt habe. Insbesondere für einen direkten Vorsatz, die Sozialhilfebedürftigkeit herbeizuführen, bestünden aber angesichts der mangelnden Kenntnisse der Klägerin vom Nachlassvermögen keine Anhaltspunkte. Auch sprächen die bekannten Fakten nicht für ein tatsächlich vorhandenes, nennenswertes Vermögen.

Ein Vorgehen gegen das Land Baden-Württemberg als Erbe des verstorbenen Bruders (nach Ausschlagung aller sonst in Betracht kommenden Erben), um eine Auskunft über eventuelles Vermögen zu erhalten, sei der Klägerin ebenso wenig zumutbar, wie das Einfordern eines eventuell tatsächlich vorhandenen Vermögens von dem Bundesland. Der Sozialhilfeträger könne den entsprechenden Anspruch auf sich überleiten und im eigenen Namen geltend machen.

Unstreitig waren im Sinne des § 74 SGB XII die geltend gemachten Bestattungskosten erforderlich und die Klägerin zur Tragung der Bestattungskosten verpflichtet. Deshalb sprach das Sozialgericht der Klägerin die volle Kostenerstattung in Höhe von 2.610,50 € zu.
(Quelle: Aeternitas e.V.)

(Quelle: Urteil des Sozialgerichts Karlsruhe vom 30.10.2015)

 

Keine Umbettung wegen Einsamkeit in letzter Ruhestätte

OVG Niedersachsen weist Klage des Sohnes eines Verstorbenen ab 

Nach einem Urteil des niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts in Lüneburg reicht der Wunsch, nicht alleine bestattet zu sein, nicht für die Genehmigung einer Umbettung der sterblichen Überreste aus. Im zugrundeliegenden Fall wollte der Sohn eines Verstorbenen dessen Umbettung erreichen, da der Tote entgegen seiner Vorstellung dort „auf alle Zeiten“ alleine, getrennt von seiner Familie läge.

Der Verstorbene hatte sich in einer Wahlgrabstätte beisetzen lassen. Dabei war er davon ausgegangen, dass seine Frau ihm eines Tages dorthin folgen würde. Infolge der zerrütteten Beziehung entschied sich die Witwe jedoch kurz nach dem Tod des Ehemanns für einen anderen Bestattungsort. Vor diesem Hintergrund begehrte der Sohn eine Umbettung der sterblichen Überreste seines Vaters in eine Familiengrabstätte, in der unter anderem seine frühere, geschiedene Frau bestattet worden war.

Dies lehnte das Oberverwaltungsgericht Niedersachsen nun in letzter Instanz ab und bestätigte damit ein Urteil des Verwaltungsgerichts Stade aus August 2015.

Als Begründung führten die Richter aus, dass ein wichtiger Grund, der eine Umbettung begründe, nur dann vorliege, wenn das ihn tragende Interesse den Schutz der Totenruhe überwiege. Dies könne angesichts der verfassungsrechtlichen Verortung des Schutzes der Totenruhe nur in Ausnahmefällen angenommen werden. Dies sei etwa dann der Fall, wenn die Umbettung die Würde des Verstorbenen besser wahre und seinem Willen besser Rechnung trage. Dies sei zum Beispiel dann anzunehmen, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten sein ausdrückliches Einverständnis mit der Umbettung erklärt habe oder zumindest Tatsachen und Umstände gegeben seien, aus denen ein dahingehender Wille des Verstorbenen mit hinreichender Sicherheit gefolgert werden könne, oder wenn der Ehepartner des Verstorbenen wünscht, in der gleichen Grabstelle beigesetzt zu werden und dieser Wunsch nur durch eine Umbettung des Verstorbenen realisiert werden kann. Hieran gemessen liege hier kein Ausnahmefall vor, in dem der Schutz der Totenruhe zur Wahrung der Würde und Durchsetzung des Willens des Verstorbenen zurückzutreten habe.

Wahrscheinlich hätte der Verstorbene zwar seinen gewünschten Bestattungsort noch einmal überdacht, hätte er von dem Sinneswandel seiner Ehefrau erfahren. Es fehle aber an Tatsachen und Umständen, aus denen ein Wille des Verstorbenen, nun in eben der Familiengrabstätte neben seiner Tochter, seiner geschiedenen Ehefrau und deren Eltern und Großeltern bestattet werden zu wollen, mit hinreichender Sicherheit gefolgert werden könne.

Jedenfalls könne nur aus einem Wunsch des Verstorbenen, nicht ewig allein in einer Grabstätte bestattet zu sein, noch nicht darauf geschlossen werden, dass er in der vom Kläger angeführten Familiengrabstätte bestattet werden wollte. In dieser liege zwar bereits seine verstorbene Tochter, aber eben auch seine geschiedene Ehefrau und deren Eltern und Großeltern. Im Übrigen sei die Bestattung in dieser Familiengrabstätte auch nicht ersichtlich die einzige Möglichkeit, neben oder bei Familienangehörigen die letzte Ruhe zu finden. Denn die Eltern und Großeltern seien nur circa zehn km entfernt beigesetzt und es seien keine Gründe ersichtlich, dass sich der Verstorbene nicht auch für eine Bestattung auf oder in der Nähe dieser Grabstätte hätte entscheiden können.
(Quelle: Aeternitas e.V.)

(Quelle: Beschluss des Oberverwaltungsgericht Niedersachsen vom 30.11.2015)
 

Von Heiligen, Reformern und Rübengeistern

Sie alle drängen sich zwischen den Monaten Oktober und November eng an eng, und dies schon seit dem achten Jahrhundert: die katholischen Heiligen, die evangelischen Reformer und die heidnischen Geister.

Turbulent geht es am 31. Oktober zu. Fast im gleichen Alter wie das katholische Allerheiligen ist Halloween – oder eigentlich „All Hallow´s Eve“: ein ursprünglich heidnisches und von irischen Katholiken übernommenes Fest zur Vertreibung der Geister und zum Schutz gegen Tod und Verderb. Ein heute in allen Varianten verdrehtes Fest, das mit seinen Ursprüngen rein gar nichts mehr zu tun hat. Selbst die einstige Rübe ist zum Kürbis geworden.

„Unbeirrbare Geister“ und vor allem altertümliche und unbelehrbare Handlungsweisen der Kirche wollte auch Luther vertreiben, als er an der Schlosskirche zu Wittenberg seine 95 Thesen aufhängte. 1517 war dies und es bescherte später dem evangelischen Christentum einen hohen Gedenktag: den Reformationstag, ebenfalls am 31.10., dem Tag vor Allerheiligen.

Die katholische Kirche gedenkt am 1. November all jener Menschen, die heiliggesprochen oder heilig genannt wurden. Papst Gregor III. beschloss, einen Tag zum Gedenktag für alle Heiligen zu erheben – noch heute ist dies in vielen Ländern der stillste katholische Feiertag überhaupt.

Katholische Heilige, Reformer und Rüben miteinander in Beziehung zu setzen scheint gewagt, aber es sei hier erlaubt, denn in unserer Zeit feiert die christliche und weltliche Gesellschaft alle diese Gedenktage. Ein jeder so, wie er mag – ob mit festem Glauben und Gedenken, ob still oder schrill, ob mit Freude an einem gesetzmäßig arbeitsfreien Tag oder ganz profan, nur aus Spaß an „Süßem oder Saurem“.

Erasmus. A. Baumeister

 

Was ist eigentlich TRAUER?

Laut knapper Definition nach DUDEN ist Trauer a) ein (tiefer) seelischer Schmerz über einen Verlust oder ein Unglück ‒und b) die (offizielle) Zeit des Trauerns nach einem Todesfall.

Wikipedia meint immerhin schon: „Der Begriff Trauer bezeichnet die durch ein betrübendes Ereignis verursachte Gemütsstimmung und deren Kundgebung nach außen, etwa durch den Verlust nahestehender oder verehrter Personen oder Tiere, durch die Erinnerung an solche Verluste oder auch zu erwartende Verluste. Das Trauern kann auf Grund der zuvor genannten Ursachen auch ein Überwinden von Leid und Schmerz bedeuten.“

Aber Trauer ist vielschichtiger. Immer ganz persönlich und immer anders. Ein Feuerwerk aus spontan nicht lenkbaren Gefühlen, die je nach Verfassung und Persönlichkeit des Trauernden ganz unterschiedliche Formen annehmen können.

Trauer äußert sich vielseitig. Körperlich wahrnehmbare Gefühle und Zustände, wie Magenschmerzen, Übelkeit und Kreislaufschwäche, sind Ausdruck von Trauer. „Nein ‒ das kann nicht sein. Es ist bloß ein Albtraum ...“, so schildern Eltern, die ein Kind verloren haben, ihre Wahrnehmung, der Tod wird verneint. Parallel dazu verspüren sie oft körperliche Schmerzen.

Zorn und unbändige Wut über den nicht rückgängig zu machenden Tod einer sehr nahestehenden Person ist Ausdruck von Trauer. Wir suchen instinktiv Dinge oder sogar auch Personen, die wir zur Verantwortung ziehen können. Gedanken wie: „Warum hat es nicht jemand anderen getroffen? Hätte er oder sie es verhindern können?“ sind Ausdruck von Trauer und Verzweiflung.

Langsam beginnende Einsicht und das Erkennen des „Nicht ändern Könnens“ ist Ausdruck von Trauer. Die Suche nach dem Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschen beginnt. Zaghaft, zögerlich und noch nicht gewollt.

Irgendwann holt uns die Realität ein, das Verdrängen funktioniert nicht mehr. Oft stellen sich Mutlosigkeit und ein Unvermögen, das eigene Leben wieder aufzunehmen, ein. Depression ist Ausdruck von Trauer.

Überwinden wir diese Depression, gelangen wir an einen Punkt, an dem die Bereitschaft wieder da ist, ein neues Kapitel im Leben zu beginnen. Neues zu erfahren und Altes in schöner Erinnerung zu bewahren.

Wann dieser Punkt der Akzeptanz einsetzt, wie lange die unterschiedlichen Trauerprozesse dauern und wie intensiv sie sind ‒ all das ist abhängig von der Persönlichkeit eines jeden. Haben wir Menschen an unserer Seite, die uns geduldig unterstützen, haben wir eine gute Chance, den Trauerprozess zu durchleben. Jeder in seinem eigenen Tempo. Denn was Trauer immer braucht, ist Zeit!

Für Menschen, die alleine sind, gibt es heute eine vielfältige und professionelle Trauerbegleitung etwa von ausgebildeten Bestattern und Psychologen. Auch hier sind Zeit und Geduld die ausschlaggebenden Faktoren für die Trauerbewältigung.

Erasmus A. Baumeister

 

Vollmachten und Verfügungen

Die Zukunft zu planen und zu sichern macht Sinn – nicht nur und erst im hohen Alter, so „kurz vor knapp“, sondern vielmehr dann, wenn man mitten im Leben steht. Denn was passiert, wenn der 45 jährige Familienvater bei einem Autounfall schwer verletzt wird, im Koma liegt und keinerlei Wünsche formulieren kann? Was passiert, wenn die 60-jährige Tante einen Schlaganfall erleidet und sich nicht mehr regen und äußern kann? Wissen wir als Angehörige, was sich der Patient gewünscht hätte? Versorgung zu Hause oder im Pflegeheim? Lebenserhaltende Maßnahmen, ja oder nein? Im äußersten Fall Erd- oder Feuerbestattung? Wer kümmert sich um alles, wer trifft Entscheidungen? Wer darf überhaupt Entscheidungen treffen?

Vollmachten und Verfügungen helfen, wenn man selber nicht mehr handeln kann. Sie helfen dabei, die eigenen Wünsche durchzusetzen. Sie helfen aber auch den Angehörigen dabei, zu erkennen, was für die betroffene Person infrage kommt. Denn diese Entscheidungen zu treffen, ist oftmals ein sehr schwieriger Prozess.

Was man wissen muss über Vorsorge für Alter, Krankheit und Unfall:

Die Vorsorgevollmacht

Mit dieser Vollmacht kann bestimmt werden, wer überhaupt Entscheidungen treffen darf. Ist dies nicht schriftlich festgelegt, übernimmt der Staat von Amts wegen die rechtliche Vertretung und bestimmt einen Betreuer. Ehepartner, Kinder und weitere nahe Verwandte sind in dieser Hinsicht anderen Personen rechtlich gleichgestellt, sind also nicht automatisch Vertreter oder Betreuer. Die Vollmacht berechtigt die dort festgelegte Person, in fast allen Rechtsbereichen zu handeln.

Die Betreuungsverfügung

Mit dieser Verfügung wird eine gewünschte Person zum rechtlichen Betreuer bestimmt. Sie wird dann vom Gericht offiziell eingesetzt, ist aber nicht mit Vollmachten ausgestattet , sondern abhängig und kontrolliert vom Gericht.

Die Patientenverfügung

Mit ihr trifft man Entscheidungen der medizinischen Versorgung für den Fall, dass man später nicht mehr in der Lage dazu ist. Vor allem die Frage nach lebensverlängernden Maßnahmen bei unheilbaren Krankheiten wird hier im Voraus beantwortet. Diese Verfügung richtet sich nicht nur an die Angehörigen, sondern eben auch an Ärzte und Pfleger, die rechtlich dazu verpflichtete sind, den Patientenwillen – wenn bekannt – durchzusetzen.

Die Bestattungsvorsorgevollmacht

Sie legt fest, welche Bestattungsart im Falle des Todes gewünscht wird. Für den Fall einer Feuerbestattung ist eine schriftliche Willenserklärung nötig. Auch können in der Vollmacht alle Details der Bestattung, wie z. B. die Ausstattung der Abschiedsfeier und natürlich auch der Bestattungsort, bestimmt werden.

Für alle Verfügungen und Vollmachten gilt die schriftliche Form, idealerweise mit notarieller oder rechtsanwaltlicher Bestätigung. Die Vollmachten sollten eindeutig sein und möglichst keinen Entscheidungsspielraum geben.

Konkrete Hilfe zu allen Verfügungen bieten Ärzte, Krankenkassen, Notare und natürlich auch Bestattungsunternehmen an – kostenlos!

Informieren Sie sich, damit nicht andere über Sie entscheiden.

 

Erasmus A. Baumeister

 

 

„Der Tod gehört zum Leben dazu“

Bestatter im Gespräch: Früher haben sich Schreiner im Ort zusammengeschlossen – Anzahl der Einäscherungen nimmt zu – Serie „Berufe damals und heute“ Teil XVI

Von Martina Weyrauch

Eberbach. Särge und Urnen, Decken und Trauerwäsche, Kreuze, schwere Bücher, Sinnsprüche zum Tod – auf den ersten Blick kann einen in den Räumen in der Odenwaldstraße, die man nicht alltäglich betritt, schon Beklemmung befallen „Aber der Tod gehört zum Leben dazu“, sagt Gerd Wuscher (46).

Und so beklemmend ist es auch beim Bestatter nicht: Rundherum ist alles in hellen und freundlichen Farben gestaltet. „Die Sache an sich ist schon traurig genug, da muss es nicht noch eine düstere Umgebung sein“, so der Bestattermeister, der täglich mit dem Sterben konfrontiert ist. „Hier wird auch viel gelacht, es ist nicht immer nur ernst bei uns“, sagt seine Mitarbeiterin Tonia Keßler (45).

Heiter wird es zuweilen, wenn jemand seine Wünsche vorträgt, die dann vom Ehepartner kommentiert werden. Oft ist es aber auch ein „Lachen aus Erleichterung“, das Thema hinter sich gebracht zu haben. „Wenn der Tod nicht überraschend kommt, ist es oft positiv, wenn keine lange Leidenszeit vorangegangen ist“, bestätigt Wuscher.

Eigentlich kann sich heute jeder Bestatter nennen, auch ohne eine Ausbildung zu haben. Wuscher hat eine Ausbildung und auch noch den Meistertitel absolviert. Seine Mitarbeiterin Keßler hat zwar keine Ausbildung zur Bestatterin abgeschlossen, aber der Umgang mit dem Sterben war der gelernten Heilerziehungspflegerin, die viele Jahre als Pflegekraft in einem Wohn- und Pflegezentrum gearbeitet hat, nicht fremd: „In einem Altenheim gibt es immer mehr Palliativarbeit“, sagt sie.

Früher ging es beim Bestatten rustikaler zu: „In den 50er- und 60er-Jahren haben sich Schreiner im Ort zusammengeschlossen. Die Tätigkeit beschränkte sich auf den Sargverkauf, die Überführung und eventuell noch auf das Ankleiden“, weiß Wuscher aus Erzählungen seines Schwiegervaters. Särge und Kreuze wurden meist von den damaligen „Bestattern“ selbst hergestellt. Wer einsteigen wollte, musste fünf Särge produzieren und vorzeigen. Dann wurde entschieden, ob er dabei ist.

Im Jahr 2003 startete laut Wuscher eine „Erprobungsphase“ mit der Ausbildung zur „Bestattungsfachkraft“. Dann kamen auch immer mehr Auszubildende. Erst 2007 ist die Verordnung zur Berufsausbildung in Kraft getreten. Heute gehört einiges mehr zum dem Beruf des Bestatters als damals: „Beratung im Sterbefall und in Versorgungsangelegenheiten – immer unter Berücksichtigung der jeweiligen persönlichen Situation und vor dem Zugriff Dritter gesichert – Überführung, Waschen und Ankleiden des Verstorbenen.“ Dazu kommt allerhand Organisation. Laut Wuscher gehört dazu die Organisation der gesamten Trauerfeier: „Absprachen mit Friedhofsamt, Pfarrer, Trauerredner, Steinmetz, Organist, Solisten“. Zudem wird der Trauerdruck organisiert, ebenso Blumenschmuck, Fotoarbeiten, Dekoration und Trauerkaffee sowie die Danksagungen. Alles natürlich nur insoweit, wie die Angehörigen das wünschen.

„Früher waren die Angehörigen viel aktiver“, so der Bestattermeister. Die Verstorbenen wurden meist zu Hause gewaschen und angezogen; „das ist heute nur noch selten der Fall, wobei wir es auch zusammen mit den Angehörigen in den eigenen vier Wänden anbieten“. Zudem sterben die meisten Menschen heute in Krankenhäusern und Altenheimen, früher war der Anteil zu Hause größer.

Häufig sind Wuscher und Keßler auch mit Vorsorgearbeiten beschäftigt. „Oft wird die Vorsorge getroffen, wenn Angehörige von älteren oder schwer kranken Menschen in Urlaub gehen. Oder ältere Menschen – in der Regel ab etwa 70 Jahren aufwärts – kommen vorbei, um ihre Beisetzung ,zu planen’“.

Wenn seine Kunden zum Vorsorgegespräch zu ihm kommen oder er sie zu Hause besucht, geht es erst mal darum, welche Art der Bestattung gewünscht wird: Erdbestattung oder Einäscherung.

Bei der Erdbestattung kann nach der Auswahl des Sarges ein Termin mit dem Pfarrer und je nach Wunsch die gesamte Trauerfeier bis zum Trauerkaffee organisiert werden.

Wenn der Tote eingeäschert und im Wald bestattet werden soll, kann seine Asche nach dem Krematorium direkt in den Wald oder vorab noch zu einer Trauerfeier gebracht werden. Wuscher und Keßler regeln auch den Kontakt mit einem Friedwald. In der näheren Umgebung wären das der Ruhehain in Reichartshausen, der Ruheforst in Erbach oder die Friedwälder in Michelstadt und Heilbronn. „Zuerst eine Trauerfeier im Sarg, dann die Einäscherung und später die Beisetzung ist vielen zu hektisch“, sagt der Bestattermeister. Deshalb werden die meisten Verstorbenen direkt ins Krematorium – nach Pforzheim, manchmal auch Osterburken – gebracht.

Natürlich gibt es noch ganz andere Möglichkeiten der Bestattungen. Etwa Seebestattungen. „Die gibt es bei uns maximal fünfmal im Jahr. Wir organisieren dann die Überführung zur Reederei und wenn Angehörige dabei sein wollen, können wir für sie auch Zimmer buchen.“

Die Möglichkeiten der Einäscherungen sind vielseitig. Unter anderem kann die Asche in der Schweiz im Gebirge verstreut werden, in Spanien in Oliven- oder Orangenhainen und sogar in Pinienwäldern. Frankreich bietet Streuwiesen an, im Elsass sind Ballonbestattungen möglich. „Wir hatten auch schon Überführungen in die USA oder eine Urnenbeisetzung in Schottland, wo ein riesiger Rosenstrauch mit der Asche gedüngt wurde.“ Oft gibt es auch Auslandsrückholungen, etwa bei Auswanderern nach Ungarn oder Tschechien. Über den „Bundesverband deutscher Bestatter“ ist auch ein Urnenversand per Post möglich.

In den vergangenen Jahren hat laut Wuscher die Anzahl der Einäscherungen immer mehr zugenommen: „Inzwischen sind es etwa zwei Drittel aller Sterbefälle, die eingeäschert werden“. Gründe: „Die Angehörigen wollen nicht mehr so viel Grabpflege übernehmen und jeden Tag gießen; außerdem läuft ein Grab nur 15 Jahre.“

Laut Keßler muss man immer überlegen, was man an Kosten im Jahr hat und wie hoch der Pflegeaufwand ist. Einen Ort zum Trauern zu haben, hält sie bei allem für den wichtigsten Aspekt.

Wuscher pflichtet bei: „Es ist mir wichtig, dass jeder dort beigesetzt wird, wo er will – solange es nicht anonym ist. Wenn man nicht weiß, wo der Verstorbene liegt, fehlt ein Ort zum Trauern.“

Bestimmte Arbeitskleidung haben Wuscher und Keßler nicht. Wuscher trägt meist schwarz, bei Beratungsgesprächen verzichtet er aber auf einen schwarzen Anzug: „Das wollen viele gar nicht“. – „Ordentlich gekleidet ist wichtig“, sagt Keßler; sie trägt meist schwarz-weiß.

„Der Beruf ist sehr abwechslungsreich“, sagt der Bestattermeister. Auch handwerkliches Geschick ist gefragt, etwa beim Auskleiden der Särge. „Man darf keine Berührungsängste haben, wenn man die Verstorbenen zurecht macht und vor allem wichtig ist Respekt. Die Natürlichkeit der Verstorbenen sollte erhalten bleiben; sie müssen sauber sein. Auf die Fingernägel muss geachtet werden, die Haare sollten frisch gewaschen sein, Augen und Mund geschlossen.“ Mit Massagen und Cremes erklärt er, könne man auch den Gesichtsausdruck verändern: „Es ist ein Bild, dass den Angehörigen ewig in Erinnerung bleibt, so sollte der Verstorbene entsprechend aussehen.“

Daneben spielt in dem Beruf auch das Kaufmännische eine große Rolle. Wareneinkauf und Verkauf – das alles war für Keßler zu Beginn Neuland, doch sie hat sich „durchgekämpft“. Daneben all’ die Serviceangebote: Regelung der Übergangsrente, Anschreiben an die Versicherungen, Sterbegelder beantragen, GEZ informieren, Vereinsmitgliedschaften kündigen und vieles mehr. „Wir sprechen immer darüber, manche Angehörige wolle diese Dinge auch selbst erledigen – wer zu dieser Zeit aber einfach keinen Kopf für solche Dinge hat, bekommt es abgenommen.“ Der persönliche Kontakt ist für Keßler sehr wichtig und „es ist immer ein gutes Gefühl zu wissen, da kommt jemand, dem ich helfen kann“. Außerdem haben die Bestatter viel mit Betreuern zu tun, sie suchen Blumen bei den Gärtnern aus und entwerfen Danksagungen und Zeitungsannoncen.

Wichtig für den Beruf ist laut Wuscher eine „eine gewisse persönliche Reife; ich würde eher einen 30-Jährigen als einen 20-Jährigen einstellen“, sagt er. Keßler: „Als junger Mensch hätte ich mir diese Arbeit niemals vorstellen können.“ – „Teamarbeit ist wichtig; Vertrauen und Diskretion das oberste Gebot“, so die beiden. Die Arbeit dürfe nicht nur professionell aussehen, sie muss es auch sein. „Es ist wichtig, dass man mit den Verstorbenen ordentlich umgeht“, sagt der Bestattermeister.

Und auch wenn es besonders für Angehörige nicht leicht ist, ihn zu akzeptieren: Der Tod gehört zum Leben.

Eberbacher Nachrichten vom Donnerstag, 9. Juli 2015, Seite 5 (2 Views)
 

 

Bis dass der Tod uns scheidet, oder über den Tod hinaus? Menschen und ihre Begleiter auf vier Pfoten

Im nordrheinwestfälischen Essen ist der erste Friedhof für Mensch und Tier entstanden. Betreiber ist die „Deutsche Friedhofsgesellschaft“, ein privates Familienunternehmen, das derzeit (laut eigenen Angaben) 15 Friedhöfe betreibt. Zwei davon nun seit Neuestem für Mensch und Tier – „Unser Hafen“ lautet der Name dieser neuen Friedhofsform.

Auf dem städtischen Bergfriedhof in Essen Finntrop pachtet die „Deutsche Friedhofsgesellschaft“ ein 1000 qm großes Areal für die neuartige Bestattungsform von Mensch und Tier, etwas abseits der regulären Friedhofsfläche. Eine weitere Fläche ist in Braubach bei Konstanz entstanden. Hier soll nun eine gemeinsame Urnenbestattung von Herrchen und tierischem Liebling möglich sein – in Freundschaftsgräbern auf einem Gräberfeld oder in individuellen Familiengräbern an einem ausgesuchten Platz mit allem Drum und Dran: mit individueller Gestaltung der Fläche, einem Grabstein oder eine Steele. Laut der „Deutschen Friedhofsgesellschaft“ wird ein gemeinsamer Friedhof für Mensch und Tier immer wieder nachgefragt: „Nachdem wir immer wieder auf einen gemeinsamen Friedhof für Mensch und Tier angesprochen wurden, haben wir uns für diesen ungewöhnlichen und innovativen Schritt entschieden.“ *

Tierbestattungen als Beigabe zu der eines Menschen gibt es belegt seit etwa 12.000 Jahren. Im Mittelalter wurden wohlhabende Verstorbene sogar mit ihren Pferden und Jagdhunden beigesetzt. Heute finden Tierbestattungen im Rahmen einer Haustierbestattung auf reinen Tierfriedhöfen statt, rund 180 Tierbestatter gibt es allein in Deutschland. Die Nachfrage nach einer Tierbestattung und auch die effektive Bestattungszahl auf einem Tierfriedhof sind in den letzten Jahren in jedem Fall stark angestiegen. Die Zahl der im eigenen Garten bestatteten Haustiere ist sicher noch weit höher.

Mensch- und Tierbestattung im gleichen Atemzug und am gleichen Ort – ein Schritt in die Zukunft? Ein neues Kapitel der Bestattungskultur? Eine notwendige und lang überfällige Bestattungsart? Oder eine die gute Geschäftsidee eines privaten Friedhofsbetreibers ?

Für alle Bestatter und Tierhalter sicher ein Thema der Zukunft.

Erasmus A. Baumeister

 

Wenn der Tod da ist, kommt die Trauer!

Denn sie ist die Konsequenz aus Liebe, Verbundenheit und gemeinsamer Vergangenheit.

Solche Worte liest man eher selten. Genau wie man selten etwas über den Tod, die Trauer, die Zeit danach, Tränen, Wut und Depression liest ‒ es sei denn in der Fachliteratur oder in der Sonderausgabe der Zeitung an Fronleichnam. In der alltäglichen Kommunikation tauchen diese Themen selten auf.

Tod und Trauer haben in unserer Kultur ihren festen und vor allem sichtbaren Platz verloren. Der schwarze Knopf am Revers eines Witwers, die schwarze Kleidung der Witwe für mindestens ein Jahr sind passé. Uns eher unangenehm berührende Szenarien wie lautes Klagen und Weinen oder auch fröhliches Abschiednehmen anderer Kulturkreise stehen ganz im Gegensatz zu unserem Umgang mit dem Tod, dem Abschied und der bleibenden Trauer. Trauer ist bei uns vor allem Privatsache!

Aber Trauer ist auch fast immer ein Zustand, den mehrere Personen gleichzeitig erleben, denn der verstorbene Ehemann war auch Bruder, Vater, Freund, Nachbar oder Vereinsmitglied. Er hinterlässt ein soziales Netz von Trauernden. Hier können wir uns ausdrücken und austauschen. Denn es tut gut zu erfahren, dass man nicht allein ist. Die gemeinsame Erfahrung hilft, sich auf ein Leben danach einzustellen. Den Verlust in seine Lebensgeschichte einzubauen und dem Verstorbenen weiterhin einen Platz zu geben. In heutigen Zeiten haben auch alleinstehende und zurückgezogen lebende Menschen ein Trauernetz, wenn sie es benötigen. Der Bestatter ‒ oft auch Trauerbegleiter und eine Art Seelsorger ‒und andere professionelle Einrichtungen ersetzen hier so gut es geht das familiäre Umfeld.

Was dennoch bleibt: Trauer ist ein sehr unangenehmes, schmerzhaftes Gefühl, das selten ganz verschwindet. Aber ohne dieses Gefühl könnten Menschen keine Beziehungen eingehen ‒ und alles wäre gleich! Oder: Wer A sagt, muss auch B sagen.

Erasmus A. Baumeister

 

Vom Marienmond, Christi Himmelfahrt und dem Heiligen Geist!

Im Wonnemonat Mai tummeln sich im Jahr 2015 die wichtigsten Hochfeste der katholischen und evangelischen Kirche.

Die katholische Kirche verehrt im Mai die Gottesmutter Maria. Die Bezeichnung Marienmond ist altertümlich und heute weniger bekannt. Das Bild, das die Evangelien von Maria zeichnen, ist geprägt von der Absicht der Verkündung Jesu Christi. Also eine vorgeburtliche Geschichte, aber zentraler Schauplatz des Christentums.

Christi Himmelfahrt ist das katholische und evangelische Fest der Aufnahme Jesu Christi an der Seite Gottes. Die Thronbesteigung neben dem Heiligen Vater wird 40 Tage nach Ostern gefeiert. In früheren Zeiten gab es vielerorts festliche Himmelfahrtsprozessionen, die sich heutzutage zum Herren- oder auch Vatertag gewandelt haben und regional sehr unterschiedlich gefeiert werden. In den Kirchen jedoch gehört ein festlicher Gottesdienst nach wie vor zum schönen Brauch. Die biblische Grundlage findet man u. a. im ersten Kapitel der Apostelgeschichte im Neuen Testament. Dort steht, dass der nach seiner Kreuzigung vom Tod auferstandene Jesus Christus noch 40 Tage zu seinen Jüngern sprach. Am 40. Tag wurde er in den Himmel emporgehoben und verschwand in einer Wolke. „Eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken“ (Apostelgeschichte 1,9).

Nur 10 Tage später und 50 Tage nach Ostern feiert die Kirche Pfingsten. Es ist das Fest des Heiligen Geistes und somit die Vervollständigung der göttlichen Dreifaltigkeit: Gott, der Vater, Jesus, der Sohn, und der Heilige Geist. Diese Gestalt Gottes ist sicher die unwirklichste und am wenigsten greifbare. Denn die Theologen sehen den Heiligen Geist als jemanden , der die Worte und das Wirken Jesu Christi für die Menschheit aufrechterhalten soll. Diese Geistessendung war der Ausgangspunkt der Mission der Jünger Jesu und wenn man so will, die Geburtsstunde der heutigen Kirche. Die Kirche nun als verlängerter Arm der Dreifaltigkeit zur Lebendighaltung und Erinnerung an die Worte Jesu Christi . Pfingsten gehört sowohl für die katholische als auch für die evangelische Kirche neben Weihnachten und Ostern zu den größten Kirchenfesten des Jahres.

Auch in 2016 und 2017 versammeln sich diese hohen Feste im Wonnemonat Mai und bescheren uns neben den religiösen Brauchtümern auch noch ein paar hoffentlich sonnige freie Tage!

Erasmus A. Baumeister

 

Es blüht uns was!
Tulpen, Krokusse, Stiefmütterchen und Co.

Um Ostern herum ist es endlich so weit: Die ersten Frühjahrsblüher strecken ihre Köpfe Richtung Sonne und zeigen uns nach den tristen Wintermonaten fröhliche Farben. Allen Garten- und Parkanlagen tut das gut. Auch den Friedhöfen stehen die ersten Frühlingsboten gut zu Gesicht, sie bringen einen Hauch Lebendigkeit in die sonst so ruhigen Oasen.

Für die Angehörigen, die eine Grabstätte pflegen, ist jetzt die Zeit, den Winterschlaf zu vertreiben. Vorhandene Ziersträucher werden nun von altem, knorrigem Holz befreit und zurück- oder neu in Form geschnitten. Alte und schwache Triebe der beliebten Rose sollten jetzt auf drei bis fünf Triebstellen gekürzt werden. Zierpflanzen wie Stiefmütterchen, Hornveilchen, Petunien und andere werden in diesen Wochen neu gesetzt und ganz nach persönlichem Geschmack auf der Grabfläche verteilt. Mal als unendlicher Kreis, mal als Herz, mal ganz ohne tiefe Bedeutung. Der Boden wird gelüftet und nach Bedarf kann frischer Rindenmulch aufgebracht oder neue nährstoffreiche Erde untergeharkt werden.

Einen grünen Daumen benötigt man für diese Arbeiten nicht, nur etwas Zeit zum Verweilen, ein paar wenige Gartengeräte, die Freude am Verschönern und Dekorieren und vielleicht den ein oder anderen Tipp der Gärtnerei. So entstehen ganz persönliche kleine Gärten, die zum Verweilen und Beschauen einladen.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, schöne und kreative Grabanlagen professionell anlegen zu lassen. Friedhofsgärtner arbeiten ganz nach Ihren Wünschen und sind fachlich kompetent. Sei es die einmalige Neuanlage eines Grabes, die verlässliche Grabpflege mit Services wie jahreszeitliche Bepflanzung, Gießen, Düngen und mehr oder auch die Dauergrabpflege als Vorsorge. Für jede persönliche Anforderung gibt es passende Pflegeangebote. So wissen Sie die letzte Ruhestätte Ihres Angehörigen gepflegt und können sich ganz auf das Genießen konzentrieren.

Sprechen Sie uns doch einfach an. Wir wissen, worauf es ankommt oder wen Sie fragen können – da blüht Ihnen was!

Erasmus A. Baumeister

 

Erinnerungsstücke mit Wert

Ob am Ringfinger, am Arm oder um den Hals getragen ‒ Fingerprints und Ascheamulette sind wahre Schätze. Es sind zeitlose Erinnerungsstücke, die das Andenken des Verstorbenen auf sehr persönliche Art und Weise verewigen.

Schon immer stehen Schmuckstücke als Symbole für menschliche Beziehungen. Ein Freundschaftsring, ein Verlobungsring und schließlich der Ehering bezeugen die enge Bindung zweier Menschen ‒ nach innen und auch sichtbar nach außen. Zu einmaligen Anlässen wie einer Geburt, einer bestandenen Prüfung oder zu besonderen Geburtstagen werden Schmuckstücke von jeher geschenkt ‒ und sie werden in Ehren gehalten und erinnern an besondere Momente.

Trauerschmuck ist eine nicht gewöhnliche Art und Weise, ein persönliches Andenken zu erhalten. Der Fingerabdruck bzw. Fingerprint wird vom Daumen oder Zeigefinger des Verstorbenen mit einer bestimmten Masse abgenommen, diese härtet aus und dient als Abdruckvorlage für die Bearbeitung durch den Juwelier. Die Fingerprints werden in Handarbeit aus unterschiedlichen Edelmetallen hergestellt, ganz nach Ihren Wünschen. Es entstehen so einzigartige Schmuckstücke wie Ringe, Anhänger, Armbänder, Manschettenknöpfe und andere Kostbarkeiten.

Eine andere Möglichkeit des persönlichen Erinnerungsschmuckstückes ist ein Ascheamulett: ein Behältnis aus Edelmetall, das mit einem kleinen Teil der Asche des Verstorbenen befüllt und fest verschlossen wird. An einer Kette getragen ist es ein schöner und besonderer Anhänger.

Schmuckstücke wie dieses haben immer einen sehr persönlichen und ideellen Wert. Und sie können Trauernden in ihrer Bedeutung eine Stütze sein, ihnen als Symbol der Erinnerung Trost spenden und somit die Trauerarbeit positiv begleiten.

Erasmus A. Baumeister

 

„Vorsorge treffen“ – ein Schlagwort.

Aber ein wichtiges! Denn wer kennt nicht den eigenen Gedanken: „Wenn es dann so weit ist, ist alles klar, dann entscheide ich so und nicht anders.“ Ist es aber dann wirklich so weit, sieht es meistens ganz anders aus. Das Gefühl überlagert die vorher so klaren und pragmatischen Gedanken und vermeintlichen Entscheidungen. Auf einmal scheint fraglich, was vorher ganz sicher war.

Hierfür Vorsorge zu treffen, den eigenen Willen und Wunsch kundzutun und den Hinterbliebenen somit Hilfestellung zu bieten, macht Sinn, denn oft stehen die Angehörigen vor der schwierigen Frage: „Was hätte sich meine Mutter oder mein Vater gewünscht? Welche Bestattungsart ist passend und wo soll die letzte Adresse sein?“

„Vorsorge treffen“ ist in unterschiedlichem Umfang möglich, beginnend mit einem informativen Gespräch mit einem Bestatter und dem damit offenen Umgang innerhalb der Familie. Vielleicht reicht schon eine deutliche Willenserklärung aus, den letzten Wunsch erfüllt zu wissen. Vielleicht ist aber auch ein Bestattungsvorsorgevertrag sinnvoll, denn er regelt und legt detailliert die letzten Wünsche fest und ist nicht zuletzt durch die finanzielle Vorabregelung bindend. Nach der Bestattung steht auf Platz zwei der offenen Fragen oft die Sorge um die Pflege des Grabes: „Kann und will ich das leisten, wie viel Arbeit kommt auf mich zu, was ist, wenn ich es nicht regelmäßig auf den Friedhof schaffe?“ Auch hierfür kann Vorsorge getroffen werden.

Fragen Sie doch einmal einen Bestatter Ihrer Wahl, wie vielfältig und individuell das Thema Bestattungsvorsorge wirklich ist. Was passt zu Ihnen und Ihrer Familie? Vielleicht führen Sie die Vorsorgegespräche gemeinsam?

Sicher ist: „Vorsorge treffen“ beruhigt und bringt Klarheit in guten Zeiten.

Erasmus A. Baumeister

 

Bestattungskultur im Wandel – oder eine Aussicht für 2015 …

Unsere Bestattungskultur und alle damit in Verbindung stehenden Bereiche haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Der Tod an sich bleibt sicher, aber die Konkurrenz zwischen den im Bestattungsbereich agierenden Unternehmen, Vereinen und Gemeinden wird immer größer. Kommunen und private Krematorien stehen im strammen Wettbewerb. Friedhöfe sind nicht mehr zwingend erste Wahl. Sarghersteller haben im hochwertigen Produktsegment oftmals das Nachsehen, die Urnenproduktion gewinnt an Bedeutung. Es ist was los in der Bestattungsbranche.

Der Trend zu „pragmatisch, preiswert und pflegeleicht“ geht Hand in Hand mit dem Wunsch nach mehr Individualität. Passt das eigentlich zusammen? Individuell ausgestattete Trauerfeiern, die dem Charakter oder den Vorlieben des Verstorbenen auch im Extremen Ausdruck verleihen sollen, enden immer öfter in einem anonymen Grabfeld, unter einem Baum oder in einem Kolumbariumfach.

Sicher, auch die gesellschaftlichen Abläufe haben sich verändert. Zeit und Empathie ist Mangelware, Burn-out ein immer öfter auftretendes Krankheitsbild, ältere Menschen sind auf sich selbst gestellt. Die Pflege für einen Ort nach der Bestattung, das Grab, scheint so oftmals nur schwer vorstellbar. Die Konsequenz: der Trend zu „pragmatisch, preiswert, pflegeleicht“.

Dies wird sich vermutlich auch in 2015 fortsetzen, es sei denn, wir halten einmal inne, nehmen uns Zeit, darüber nachzudenken, was wichtig ist. Rein zwischenmenschlich. Hier gibt es keine Standards, aber im Innern bestimmt der Wunsch nach etwas mehr. Mehr von zwischenmenschlichen und persönlichen Werten, auch nach der Bestattung .

Einen wunderschönen und außergewöhnlichen Beitrag zu diesem Thema liefert der preisgekrönte englische Film „Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit“ von Regisseur Uberto Pasolini, erschienen im Pfiffl-Verleih. Dieser Film ist ein bewegendes Nachsinnen über die Einsamkeit und den Tod. Er berührt einen ganz tief im Herzen und wirkt sehr lange nach. Diesen Film findet man im Programmkino, ganz individuell – ganz da, wo er hingehört.

Erasmus A. Baumeister

 

Sterben in Würde ‒ eine Debatte

Seit Wochen beschäftigen sich die Tageszeitungen, die Fernsehsender, das Internet und die Radiosender mit dem Umgang mit Sterbenden.

Viele Bürger und Betroffene melden sich zu Wort und so erfährt man, wie vielschichtig, persönlich und subjektiv dieses sensible Thema ist. Wie soll hier ein Konsens geschaffen werden? Geht das bei so einem Thema überhaupt?

Wer darf und kann entscheiden, was ethisch-moralisch richtig ist und was nicht? Gibt es eine Instanz in unserem Gesellschaftssystem, die dies entscheiden darf? Können wir Menschen mit all unseren Emotionen das überhaupt? Hörbar melden sich in den letzten Wochen Christen, Atheisten, Senioren, Geschäftsleute, Akademiker, Arbeiter, Mütter, Väter, Kinder, Kranke, Gesunde oder Sterbende zu Wort und sind in ihren Aussagen doch nie objektiv konkret. Zu sehr spielt die innere Betroffenheit eine aktuelle Rolle und lässt unterschiedliche Positionen parallel zu.

Dies ist ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass es hier um ein schwerwiegendes Thema geht – um den Menschen mit all seinen Lebensinhalten, vom Anfang bis zum Ende.

Dies ist ein gutes Zeichen, denn es zeigt auch, dass das Thema Sterben und Tod noch nicht in Pragmatismus, Egalität und Anonymität untergegangen ist.

Dies ist ein gutes Zeichen, denn es bewegt die Menschen und erinnert an eine Verantwortung, die wir füreinander haben – von Mensch zu Mensch.

Erasmus A. Baumeister

 

Kinderweisheiten

Mittwochnachmittag in einem Hospiz in einer deutschen Großstadt:

Wir besuchen die 83-jährige, sehr kranke Großtante im Hospiz. Ein schöner, freundlicher Ort, der im ersten Augenblick gar nicht an Tod und Sterben erinnert. Die Großtante sitzt – ein gewohnter Anblick – im Sessel und trinkt einen Tee.

„Warum trinkst du aus einer Schnabeltasse für Babys?“, fragt mein 6-jähriger Sohn. „Damit ich nicht kleckere“, sagt die Großtante. „Kleckert man wie ein Baby, wenn man alt ist?“ Ein Lächeln huscht über das Gesicht der Großtante: „Ja, ein wenig ist es schon so. Wenn man alt ist, wird man manchmal wieder hilflos. Bis man nicht mehr da ist.“ Mein Sohn denkt angestrengt nach und fragt schließlich: „Wann bist du denn nicht mehr da?“ „Ich hoffe morgen früh!“

Auf dem Heimweg herrscht einige Zeit Schweigen, wir erledigen noch ein paar Einkäufe. Kurz vor dem Abendbrot kommt sie dann, die Frage: „Mama, du bist doch auch schon alt, stimmt´s?“ Ich packe gerade die Lebensmittel in den Kühlschrank. „Und bist du dann morgen auch nicht mehr da?“ Ich hole erst mal Luft und antworte dann: „Ich hoffe nicht, denn so alt wie die Großtante bin ich ja noch gar nicht.“ Mein Sohn denkt nach: „Und wenn du dann noch älter bist und dann morgen nicht mehr da bist, soll ich dir dann auch vorher die Schnabeltasse mit deinem Lieblingstee bringen? Zu dem Sessel, in dem du dann sitzt?“

„Ja, das wäre schön!“ Mein Sohn nickt und wir decken gemeinsam, friedlich und ganz ohne schwere Gedanken den Abendbrottisch, denn das Wesentliche haben wir ja geklärt.

Erasmus A. Baumeister

 

Nord-, Süd-, Ost- und Westdeutschland rätselt …

Das Hamburger Abendblatt, die Süddeutsche und die Westdeutsche Zeitung, aber auch Tageszeitungen aus dem Osten des Landes beschäftigen sich in jüngster Zeit erneut mit dem sensiblen Thema. So soll ein Mitarbeiter eines Hamburger Krematoriums innerhalb von 8 Jahren 31 Kilogramm Gold im Wert von mindestens 250.000 Euro gesammelt und verkauft haben. Mit der Wiederverwertung von anderen Metallen, wie einem Gelenkersatz oder einem Herzschrittmacher, sollen sich im Jahr so um die 30.000 Euro verdienen lassen. (Quelle: WR, Nr. 194, 22.08.14) Gemäß aktueller Rechtsprechung sind die bei einer Einäscherung überbleibenden Metalle herrenlos, die Besitzfrage ist ungeklärt. Aber anscheinend hat jeder mittel- oder unmittelbar Beteiligte einer Kremation ein großes Interesse daran. Mit zunehmender Tendenz, denn die Zahl der Einäscherungen nimmt von Jahr zu Jahr zu.

Jeder Beteiligte? Wie sieht es denn mit den Hinterbliebenen aus? Bei all dem immer wiederkehrenden Medieninteresse rund um Omas oder Opas Zahngold scheint diese Frage außen vor zu sein. Zu takt- und pietätlos. Soll man etwa die Trauernden fragen, ob in der Asche nach feinem Gold gesucht werden soll oder ob das Hüftgelenk noch gebraucht wird?

Wie kann man das beantworten? Aus moralischer und ethischer Sichtweise vielleicht, ganz vorsichtig, so:

Ja – das sollte man, wenn man selbst über eine gewinnbringende und sich selbst bereichernde Wiederverwertung nachdenkt.

Nein ‒ das sollte man nicht, wenn einem die Totenruhe als ungebrochen moralisches Gesetz gilt und man sich diesem beugt.

So kann sich jeder selbst einreihen in die Reihe der weißen und der schwarzen Schafe der großen Bestattungsbranche.

Erasmus A. Baumeister

 

Die Individualisierung des Lebens – bis zum Ende

Unsere Gesellschaft entwickelt sich – permanent, von Generation zu Generation und vielfältig auch dazwischen. Was heute Standard ist, ist morgen Schnee von gestern. Wer morgen ein Trendsetter ist, ist übermorgen ein Klassiker. Wer gestern introvertiert, unangepasst und unsolidarisch war, ist heute ein Individualist. Unser ganzes Leben hat sich in den letzten 20 Jahren vervielfältigt, alles ist greifbar nah und möglich geworden, die Welt ist geschrumpft. Also warum nicht aus der Normalbiografie eine Wahlbiografie machen, warum nicht extrovertiert und individuell sein – bis zum Ende?

Trotz Friedhofzwang in Deutschland sind die traditionellen Bestattungsrituale nicht mehr selbstverständlich. Das übliche, lange ausgesuchte Reihengrab auf dem Friedhof in der Gemeinde oder im Stadtteil ist passé. Die Friedhofsverwaltungen ächzen aufgrund von Unterbelegung. Die Geschäftsidee des FriedWaldes, der naturnahen, außergewöhnlichen und aufregenden Bestattung, erlebt seit Jahren eine wundersame Expansion. Kolumbarien auf dem Friedhof und mittlerweile auch privat bei Bestattungsunternehmen lehnen sich an antike Traditionen an und kommen architektonisch spannend daher, Themenfelder auf Friedhöfen sind nicht mehr die Ausnahme. Die Liste der Bestattungsmöglichkeiten verlängert sich kontinuierlich: Flussbestattung, Felsbestattung, Almwiesenbestattung, Luftbestattung, Diamantbestattung, Raketenbestattung und, und, und. Nicht alles ist in Deutschland möglich, aber vieles im nahen Ausland.

Bislang ist es noch ein kleiner Kreis, der diesen letzten Weg auf sich nimmt, aber eines ist gewiss: Der Trend fort von klassischen Gräbern hin zu individuellen letzten Orten nimmt zu, auf dem Friedhof und vielerorts. So kann man auch im Tod ganz individuell ruhen oder auf Reisen gehen.

Erasmus A. Baumeister

 

Trauerhilfe heute - ganz natürlich oder lukrativ?

Diplom-Psychologen sind es, Sozial- und Heilpädagogen auch - und auch allerlei Lebenskünstler: professionelle Trauerhelfer, die ihre Dienstleistung zu einem Stundenhonorar feinfühlig und emphatisch zur Verfügung stellen.

Der Trauernde muss nur einen gängigen Internetzugang haben und ihm erschließt sich ein schier unendliches Angebot. Da ist sicher für jeden "Trauergeschmack" etwas dabei. Seminare über Seminare kann man hier bei professionellen Trauerhelfern belegen, meist mit Titeln wie: Der Weg durch die Trauer, oder ähnlich. Diverse Verlage bieten Literatur zu wirklich jedem denkbaren Fall und jeder denkbaren Situtation an: Wie trauern Kinder, wie trauere ich um mein Kind, auf einmal Witwe, der Trauerweg, zurück in das Leben, und und und. So individuell der potenzielle Leser, so individuell das Literaturangebot. Ähnliches bietet der Reisemarkt an. Große Reiseveranstalter, die einem sonst eher "14 Tage all-inklusive" mit viel Sonne anbieten, halten eben auch für den Fall des nicht so fröhlichen Anlasses Angebote bereit, die "Reise ins Leben" oder "Wendepunkte" betiteln Trauerreisen, oft in Begleitung eben der professionellen Trauerhelfer. Trauernde können also ganz anonym und ohne ein Wort zu sprechen ein ganzes Paket an individueller Unterstützung kaufen. Das ist gut für diejenigen, die nicht sprechen möchten, die nicht wissen, mit wem sie sprechen sollen, die in ihrer Nähe keine Emphatie und keine menschliche Zuwendung erfahren.

Für alle aber steht der Bestatter als Trauerhelfer schlechthin vom ersten Moment an zur Verfügung. Wer, wenn nicht dieser, hat sich dem Thema Tod und Trauer verschrieben? Wer, wenn nicht dieser hat den größten Erfahrungsschatz mit ganz unterschiedlichen Menschen und deren Trauer? Wer, wenn nicht dieser, kann dem Trauernden mit großer Empathie zur Seite stehen? Und von wem, wenn nicht vom Bestatter, kann man sich Rat zur weiteren Bewältigung der Trauer einholen, wer kennt die hilfreichste Literatur, wer seriöse, professionelle Trauerhelfer? Und das alles ganz im Vertrauen, ganz persönlich und ganz natürlich!

Erasmus A. Baumeister

 

 

WWW – oder der digitale Nachlass

Leider erben wir nicht immer interessante, schöne oder wertvolle Dinge – nein, nicht immer geht es um schnelle Autos, teure Immobilien und viel Geld. Auch lästige Hinterlassenschaften sind an der Tagesordnung ‒ und eben auch solche, mit denen man sich gar nicht auskennt. Unsere Web-Identität gehört wohl dazu. Jeder, der Onlinebanking betreibt, bei einem der vielen Onlinehändler einkauft, E-Mails verschickt, an Onlinepreisausschreiben teilnimmt, online die Tageszeitung bezieht oder je etwas gegoogelt hat, ist Teil des WWW – auf ewig!?

 

Mehr als drei Viertel der Menschen in Deutschland sind im Internet unterwegs, Tendenz täglich steigend. Die Silver-Surfer, Best-Ager oder die 50+-Generation ist der boomende Markt, auch im Netz. Altersgerechte Social-Media-Seiten, Senioren-Onlineshops und nicht zuletzt die Onlinebestattung schießen wie Unkraut aus dem Boden – und werden genutzt. Aber was tun, wenn die reale Identität endet? Nach mir die Sintflut? Augen zu und durch? Oder sollte man vorsorglich jemanden beauftragen, bei Facebook die Erinnerungsseite zu aktivieren – die Pinnwand wird dann zum Kondolenzbuch … wie praktisch. Dank der allgemeinen unternehmerischen Geschäftstüchtigkeit kann man sich mittlerweile als Hinterbliebener professionell helfen lassen. Anbieter wie www.semno.de oder www.digitaler-nachlass.de bieten Erben Hilfe bei der Sichtung und Erledigung des ungewöhnlichen Erbes an.

 

Zu Lebzeiten könnten wir es unseren Erben aber ‒ wenn wir wollen ‒ noch leicht machen: mit dem guten alten handschriftlichen Testament zum Anfassen auf echtem Papier. So hinterlegt, sind Zugangsdaten, Passwörter und Co. gezielt verfügbar und so könnte auch unsere Web-Identität ein Stück weit endlich sein!

 

Einladung zum Workshop

Umgang mit Verlust und Trauer

Eine Veranstaltung für Eltern und Interessierte mit Trauerrednerin Frau Monika Bertram-Milde

Dienstag, 18. März 2014

19:00 bis ca. 20:30 Uhr

in den Räumen der Mensa des Schulzentrums Steige in Eberbach

 

                    Maximale Teilnehmerzahl 25

Rückmeldungen bitte bis Montag, 10. März 2014 an: jugendreferat@eberbach.de

 

 

Gedanken zu Sterben und Tod

 

Tod und Abschied von einem, uns nahestehenden, Menschen, bringen uns immer wieder an unsere Grenzen. Von einem zum nächsten Tag verändert sich so vieles in unserem Leben; wir geraten aus dem Gleichgewicht. Das, was uns Halt und Sicherheit gegeben hat, bricht weg.

Und doch gehört der Tod unweigerlich zu unserem Leben.

Es ist wichtig, dass wir uns von Zeit zu Zeit mit unserer eigenen Endlichkeit beschäftigen und auch damit, dass Menschen die wir lieben, schon vor uns sterben können.

In meinen Augen ist es sehr verantwortungsbewusst, sich schon zu Lebzeiten Vorstellungen und Wünsche gegenseitig mitzuteilen oder niederzuschreiben. Mit dem Eintreten des Todes fällt es leichter, uns an den Wünschen des Verstorbenen zu orientieren und danach zu handeln.

Ich weiß, dass viele Menschen Hemmungen und Angst haben sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Durch meine Arbeit als Trauerrednerin beschäftige ich mich täglich mit Sterben und Tod.

Ich muss heute sagen: Ja, diese Thema hat mich verändert.

Ich bin noch lebensbejahender geworden, kann mich über unscheinbare Kleinigkeiten im Alltag freuen und so mache Meinungsverschiedenheit nimmt nicht mehr so viel Raum in meinem Leben ein.

Wie sagte einmal Peter Streiff in einem seiner Gedichte?

„Der Tod ist nichts anderes als die Grenze unseres Sehens…“

 

Monika Bertram-Milde

-Trauerrednerin-

     zertifiziert